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Fachkräftemangel: Was bringen Sachsens Verbindungsbüros in Vietnam, Taiwan und Chile?

Sachsens Verbindungsbüros in Vietnam, Taiwan oder Chile sollen dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Jetzt hat der Freistaat eine weitere Region für die Anwerbung im Blick. So sieht die Bilanz der Auslandsvertretungen aus.

Lesedauer: 2 Minuten

Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) unterzeichnete einen Vertrag mit dem taiwanesischen Technologieexperten Yu-Hsueh Hsu. In Taipeh unterhält Sachsen eines von insgesamt sechs Verbindungsbüros. Quelle: SMWK

Tobias Winzer

Dresden. Zweieinhalb Jahre nach der Eröffnung der ersten Verbindungsbüros im Ausland haben Sachsens Universitäten Hunderte Studenten aus Taiwan, Indien oder Usbekistan gewonnen. Das geht aus einer Bilanz des sächsischen Wissenschaftsministeriums hervor, die SZ und LVZ abgefragt haben. „Sachsen wird als exzellenter Wissenschaftsstandort in den jeweiligen Ländern wahrgenommen – sowohl medial als auch in den wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Netzwerken“, heißt es aus dem von Sebastian Gemkow (CDU) geführten Ministerium. „Die ersten Zahlen zeigen, dass diese Strategie funktioniert und Fahrt aufnimmt.“

Denn Sachsen benötigt Fachkräfte. Bis zum Jahr 2030 werden dem sächsischen Arbeitsmarkt laut Schätzungen 150.000 erwerbsfähige Menschen fehlen. 2035 werden es 210.000 Menschen sein. Sachsens Landesregierung schätzt dabei den jährlichen Bedarf an ausländischen Arbeits- und Fachkräften auf 5000 bis 15.000 Menschen.

Sächsische Verbindungsbüros: Mit Taipeh hat es im September 2023 begonnen

Im September 2023 hat Sachsen deshalb begonnen, gemeinsam mit den Hochschulen, Verbindungsbüros – bezeichnet werden sie als „Saxon Science Liaison Offices“ – im Ausland einzurichten. Mit diesem Teil der Fachkräftestrategie sollen Studenten nach Sachsen gelockt werden – und nach dem Ende des Studiums bleiben. Fünf Millionen Euro gibt der Freistaat für die Einrichtung der bislang insgesamt sechs Büros aus.

So unterhält die TU Dresden seit September 2023 ein Büro in Taipeh (Taiwan) und seit September 2024 ein Büro in Chennai (Indien). Die TU Bergakademie Freiberg ist seit November 2023 in Taschkent (Usbekistan) und seit Juli 2024 in Ulan Bator (Mongolei) präsent. Die TU Chemnitz hat im August 2025 ein Büro in Santiago de Chile eröffnet. In Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi (Vietnam) ist die Universität Leipzig seit Herbst 2025 vertreten.

Büro in Taiwan am erfolgreichsten bei der Anwerbung von Studierenden

In allen Büros vor Ort ist jeweils ein Büroleiter beschäftigt, teilweise auch ein weiterer Mitarbeiter. Koordinatoren an den vier betreibenden sächsischen Universitäten sollen für eine enge Abstimmung und Unterstützung der Büros sorgen.

Am erfolgreichsten bei der Anwerbung neuer Studenten ist dabei das Büro in Taiwan. Durch eine Kooperation mit dem Chiphersteller TSMC, der derzeit ein neues Werk in Dresden baut, gab es bereits mehrere Studienaustauschprogramme. Es seien mehr als 50 Studenten für ein Studium in Sachsen begeistert worden, teilt das Wissenschaftsministerium mit.

Die meisten Studenten interessieren sich für ein MINT-Studium in Sachsen

Das Büro in Indien hat den Angaben zufolge rund 30 Studenten nach Sachsen vermittelt. Ebenso haben 40 Studenten aus Usbekistan und zuletzt 14 aus der Mongolei ein Studium in Sachsen begonnen. Die Aktivitäten in Vietnam hätten zudem zu einer deutlichen Steigerung der Sichtbarkeit Sachsens vor Ort geführt, heißt es. Dies lasse sich an steigenden Immatrikulationszahlen vietnamesischer Studenten an mehreren Hochschulen in Sachsen ablesen. Die meisten der Studierenden interessieren sich dabei den Angaben zufolge für ein MINT-Studium – also in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Ausländische Studenten kommen jedoch nicht nur über die Verbindungsbüros nach Sachsen. Laut Statistischem Landesamt waren im Wintersemester 2024/2025 an den sächsischen Hochschulstandorten 20.179 ausländische Studenten eingeschrieben. Studenten aus China und Indien waren dabei am stärksten vertreten.

Nordafrika für mögliche Anwerbungen im Fokus

Die Aufnahme eines Studiums an einer deutschen Hochschule hängt vor allem für Nicht-EU-Bürger von verschiedenen Faktoren ab. So muss der Lebensunterhalt für die Dauer des Studiums gesichert sein – im Jahr 2026 mindestens 11.904 Euro. Für manche Studiengänge sind außerdem bestimmte Sprachkenntnisse nachzuweisen.

Weitere Verbindungsbüros sind nach Angaben des Wissenschaftsministeriums vorerst nicht geplant. Allerdings will der Freistaat künftig auch in Nordafrika stärker präsent sein und dort um Studierende werben. Eine Koordinierungsstelle mit ähnlicher Zielsetzung wie die Verbindungsbüros sei in Vorbereitung, heißt es.

SZ

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