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FMC zieht Führungskräfte an

FMC, ein Dresdner Halbleiter-Unternehmen, will die Speicherchip-Produktion nach Deutschland zurückholen. Die Subventionen dafür sind noch offen, doch die neuen Mitarbeiter sollen beim Aufbau einer eigenen Fabrik in Magdeburg unterstützen.

Lesedauer: 3 Minuten

Ein Mann schaut mit einem leichten Lächeln in die Kamera.
Thomas Rückes, CEO von Ferroelectric Memory Company gab für den Chefposten in Dresden sein Leben in den USA auf. Foto: FCM

Von Nora Miethke

Dresden. Hilfe bei den Hausaufgaben oder eine schnelle Zahlen-Recherche im Büro: KI-Programme wie ChatGPT spucken rasend schnell die Antwort aus. Doch das Bewältigen jeder Anfrage erfordert viel Rechenleistung und verbraucht zehnmal so viel Strom wie eine Google-Suche. Je stärker Künstliche Intelligenz (KI) eingesetzt wird, desto mehr und größer werden die Rechenzentren und der Energiebedarf. Der Anteil am gesamten Energieverbrauch könnte in Deutschland laut dem Institut der deutschen Wirtschaft bis 2030 auf 4,3 Prozent steigen, in China sogar auf acht Prozent. Es braucht also mehr erneuerbare Energien oder stromsparende Hochleistungschips.

Speicherchips mit geringem Stromverbrauch aus Dresden
Hier setzt die Dresdner Firma „Ferroelectric Memory Company“ (FMC) an. Das Unternehmen wurde 2016 aus der Namlab GmbH der Technischen Universität Dresden ausgegründet und hat sich auf das Dünnschichtmaterial Hafniumoxid spezialisiert. Damit soll es möglich sein, Speicherchips mit sehr geringem Stromverbrauch herzustellen. Für den normalen Handynutzer würde ihr Einsatz bedeuten: „Die Batterie hält länger“, erklärt FMC-Vorstandschef Thomas Rückes.
„Mit unserem Speicherchip sind die Informationen direkt schon persistiert, also dauerhaft gespeichert, wenn sie in den DRAM-Speicher gehen“, erklärt Geschäftsführer Thomas Rückes. Dadurch werde die Systemgeschwindigkeit erheblich verbessert.
Zum Hintergrund: DRAM ist der Arbeitsspeicher, der in jedem Handy oder Rechenzentrum steckt. Er ist sehr schnell, aber flüchtig. Das bedeutet, er verliert die Information, wenn der Strom weg ist. NAND-Speicher sind nicht flüchtige, aber langsame Speicher. Um keine Informationen zu verlieren, müssen sie permanent zwischen den beiden Speicherarten hin und her übertragen werden und das verbraucht viel Strom. FMC hat nun einen nichtflüchtigen Speicher DRAM+ entwickelt, der die Vorteile beider Speicherarten kombiniert.
Je nach Anwendungsfall könnten durch den Einsatz von DRAM+Speichern der Energiebedarf um ein Viertel bis ein Drittel sinken und die Emissionen europäischer Rechenzentren um zehn Megatonnen CO₂ pro Jahr reduziert werden, so Rückes. Dieser Beitrag sei besonders relevant angesichts des Ziels der Europäischen Union (EU), bis 2030 klimaneutrale digitale Infrastrukturen zu erreichen.
Aber ist die EU auch bereit, grünes Licht für eine Milliarden-Subvention zu geben, um eine Speicherchipfabrik in Sachsen-Anhalt aufzubauen? Seit der Insolvenz von Qimonda gibt es in Europa keinen Speicherchiphersteller mehr. FMC, das seine Technologie auf der Grundlage von Qimonda-Patenten entwickelte, hat dem Vernehmen nach 1,3 Milliarden Euro staatliche Zuschüsse bei der Bundesregierung beantragt. Die Verhandlungen mit dem Bundeswirtschaftsministerium wie mit Brüssel würden gut laufen, mehr könne er nicht sagen, sagt der FMC-Chef.

Markteinführung ab 2027 geplant
Angesprochen auf die Skepsis von Marktanalysten, dass die Fabrik vielleicht zu spät kommt, denn der KI-Hype sei jetzt und die Rechenzentren würden jetzt gebaut werden, stellt er klar: „Wir hängen nicht von der Fabrik ab. Unser Geschäftsmodell ist fabless.“ Das Unternehmen hat die dritte Finanzierungsrunde in Höhe von 100 Millionen Euro erfolgreich abgeschlossen. Dieses Kapital fließt in den Hochlauf der Produktion und die Markteinführung ab 2027. Das Produktdesign ist fertiggestellt, die Technologie zur Produktionsreife gebracht und die ersten Wafer werden von Auftragsfertigern in Asien hergestellt, heißt es. „Diese Chips sind für bestimmte Kunden und Anwendungen entwickelt worden, die am stärksten von nichtflüchtigen Arbeitsspeichern profitieren würden“, erläutert Rückes. Er konnte einen großen TIER 1 -Zulieferer aus der Automobilindustrie als Kunden gewinnen. Und die zweite Anwendungsrichtung sind natürlich Rechenzentren. Hier will FMC nicht nur die Chips anbieten, sondern ganze Systemlösungen. Auch dafür gebe es schon Kunden. Wer das ist, verrät der Vorstandschef nicht, nur so viel: „Wir haben einen starken Fokus auf Europa und sind mit allen großen globalen Hyperscalern und ihren Zulieferern im Gespräch.“
Für die zweite Produktlinie CACHE+ – die Entwicklung energieeffizienter, schneller Pufferspeicher für fortgeschrittene Logikprozesse in KI-Rechenzentren – wurde eine Tochterfirma in Frankreich gegründet.
Führungsspitze mit erfahrenen Halbleiter-Experten verstärkt
Dass die Dresdner ihr Ziel einer eigenen Speicherchipfabrik dennoch konsequent verfolgen, zeigt die Berufung von zwei neuen Führungskräften. Der ehemalige Präsident des imec USA, Dr. Raj Jammy, wird Technologie-Vorstand. Er verfügt über drei Jahrzehnte Erfahrung in Führungspositionen in der globalen Halbleiterindustrie und war als Berater des US-Handelsministers im Rahmen des Chips-for-America-Programms tätig. Norm Armour soll als operativer Geschäftsführer beim „Aufbau einer geplanten Speicherchipfabrik in der Nähe von Magdeburg unterstützen, um die europäische Produktionskapazität zu erhöhen.“ Armour bringt mehr als 40 Jahre Erfahrung in der Leitung von Waferfabriken, mit wie auch in der Überwachung großer Bauprojekte auf der grünen Wiese.
Auch als mittelständisches Unternehmen gelingt es FMC, internationale Halbleiterspezialisten anzulocken. Die Zahl der Beschäftigten soll in den kommenden Monaten von 50 auf 100 verdoppelt werden. Beim Wettbewerb um Talente „habe ich keine Konkurrenz in Dresden“, sagt Rückes selbstbewusst. Es gibt Leute, „die die Ärmel hochkrempeln und eine neue Firma mit einer neuen Technologie aufbauen wollen. FMC zieht diese Menschen an“, so der Vorstandsvorsitzende.
Er selbst stammt aus Rheinland-Pfalz und hat vor rund zwei Jahren sein Haus in Amerika verkauft. Nach dreißig Jahren Berufsleben in den USA ist der 57-Jährige für den Chefposten bei FMC vom kalifornischen Silicon Valley ins Silicon Saxony umgezogen. In Asien und den USA gehe es viel um Geschwindigkeit. Die Deutschen würden dagegen gern Systeme richtig aufbauen, beschreibt er eine Stärke des sächsischen Halbleiterstandortes. Der FMC-Chef will beides vereinen im Interesse von mehr digitaler Unabhängigkeit in Europa.

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