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Gerettet: Usbekischer Investor übernimmt Oberlausitzer Firma Damino

Nach einigen Monaten der Ungewissheit ist klar: Für den in Schieflage geratenen Damastproduzenten aus Großschönau geht es weiter. Neuer Eigentümer wird ein international agierender Textilhersteller aus dem usbekischen Buchara. Er hatte im vergangenen Jahr bereits die ebenfalls in Insolvenz geratene Marke „Curt Bauer“ im erzgebirgischen Aue-Bad Schlema übernommen und wiederbelebt.

Lesedauer: 4 Minuten

Sandro Strack ist seit Juni 2025 Geschäftsführer der Damino GmbH in Großschönau. Für die Zukunft des traditionsreichen Unternehmens setzt er auf die Übernahme durch einen usbekischen Investor. Quelle: SZ/fum

Frank-Uwe Michel

Großschönau. Die 50 Webmaschinen im großen Produktionssaal an der Waltersdorfer Straße lärmen rund um die Uhr. Gearbeitet wird hier im Drei-Schicht-System. „Volle Pulle“ also bei der Damino GmbH in Großschönau. Und doch gibt es einen Wermutstropfen: Das Unternehmen befindet sich noch immer in der Insolvenz. Seit September 2025 läuft das beim Amtsgericht Dresden eröffnete Verfahren in Eigenverwaltung. Der gravierendste Einschnitt war danach die Schließung der kosten- und ressourcenintensiven Veredelungsabteilung. 35 Mitarbeiter mussten gehen.

Inzwischen herrscht allerdings wieder Zuversicht. Denn der Damasthersteller aus dem Zittauer Gebirge bekommt, so scheint es, bald einen neuen Eigentümer. Ein Investor aus Usbekistan ist der Interessent, der das angeschlagene Traditionsunternehmen übernehmen will. Nach Aussagen des seit Juni 2025 agierenden Damino-Geschäftsführers Sandro Strack haben die Usbeken bereits einen Investorenvertrag abgeschlossen und eine Investitionssumme genannt. „Die Hälfte davon wurde angezahlt. Die andere Hälfte fließt, wenn der am 2. April beim Amtsgericht Dresden eingereichte Insolvenzplan durch die Gläubigerversammlung bestätigt wird.“ In vier bis sechs Wochen soll es soweit sein. Dann könnte auch die Insolvenz in Eigenverwaltung beendet werden.

Konzernsitz Buchara ist bedeutendes Handels- und Industriezentrum

Um wen es sich bei dem Investor aus Usbekistan handelt, möchte Strack vorerst nicht verraten. Allerdings bestätigt er, dass es genau jenes Unternehmen ist, das im vergangenen Jahr die im erzgebirgischen Aue-Bad Schlema ansässige Marke „Curt Bauer“ gerettet hat.

Der Textilbetrieb hatte im hochpreisigen Segment seit rund 140 Jahren Bett- und Tischwäsche produziert, musste aufgrund von Finanzproblemen jedoch im April 2024 Insolvenz anmelden und wurde kurze Zeit später liquidiert. Dann trat die Zarhal Group auf den Plan und brachte das Unternehmen mit verminderter Mitarbeiterzahl im August 2025 wieder an den Start.

Vor ein paar Tagen trafen sich Oberlausitzer Mitglieder des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft bei Damino. Geschäftsführer Sandro Strack (rechts) informierte sie über die aktuelle Situation.
Vor ein paar Tagen trafen sich Oberlausitzer Mitglieder des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft bei Damino. Geschäftsführer Sandro Strack (rechts) informierte sie über die aktuelle Situation.
Quelle: SZ/fum

Doch wer ist dieser Investor und mit was beschäftigt er sich? Nach SZ-Recherchen ist die Zarhal Group hauptsächlich in der Baumwollverarbeitung und Textilproduktion unterwegs. Firmensitz ist die siebtgrößte Stadt des Landes, Buchara. Sie gilt heute als eines der bedeutendsten Handels- und Industriezentren im zentralasiatischen Raum. Die Innenstadt wird mit ihren historischen Bauten seit 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe gezählt.

Kontakte nach Dubai und in die Emirate haben wir bereits geknüpft. Nun gilt es, Geschäftsbeziehungen aufzubauen. – Sandro Strack, Geschäftsführer der Damino GmbH, zu künftigen Vorhaben

Hergestellt werden Garne, Stoffe und teilweise auch komplette Textilien. Die Fabrikationstiefe reicht vom Baumwollanbau über die Verarbeitung bis zum fertigen Produkt. Das bestätigt auch Sandro Strack, der sich im Rahmen der Verhandlungen vor Ort umgeschaut hat: Das Unternehmen betreibe unter anderem Baumwollplantagen und eine eigene Spinnerei. Insgesamt gebe es etwa 2000 Mitarbeiter, darunter einen hohen Anteil Frauen.

Nach der Übernahme soll bei Damino weiter intensiv an der Modernisierung des Unternehmens gearbeitet werden. Viele Dinge – wie die Produktpalette, aber auch der Internetauftritt – seien, so der Geschäftsführer, auf ihrem bisherigen Stand irgendwann stehen geblieben. Inzwischen habe sich einiges bewegt, der Kundschaft könne man neue Farben und Muster bieten.

Auf ihrer Webseite teilt die Firma mit, man habe das Unternehmen umstrukturiert und zum Weberei-Zentrum ausgerichtet. Die nicht mehr existente Veredelung sei auf externe Partner ausgelagert worden. Ploucquet im Zittauer Gewebegebiet Weinau spielt hier als Experte für hochwertige Textilveredelung eine tragende Rolle.

Bei der Damino GmbH in Großschönau wird weiter produziert. Künftig hat hier ein Investor aus Usbekistan das Sagen.
Bei der Damino GmbH in Großschönau wird weiter produziert. Künftig hat hier ein Investor aus Usbekistan das Sagen.
Quelle: Matthias Weber/ 0175 1609210

Natürlich will die Zarhal Group künftig auch das Zusammenspiel ihrer verschiedenen Standorte verstärken. Bei der Übernahme von „Curt Bauer“ hatten Vertreter des Investors erklärt, man möchte die Marke weiterhin „als Synonym für exklusive Textilien im Premiumsegment positionieren“. Damino steigt nun mit seinen Fähigkeiten und Ressourcen in die Wertschöpfung der Auer Firma ein. Demnächst soll in Großschönau für „Curt Bauer“ mit gewebt werden, außerdem wird eine Lagerhaltung aufgebaut.

Am Stammsitz in Buchara konzentriert sich der Konzern auf Massenware. Das sei wichtig, erklärt Sandro Strack, um bei großen Ausschreibungen zu gewinnen. Außerdem könnten alle Partner der Gruppe Rohware günstiger einkaufen.

Neustart mit je 80 Beschäftigten in Großschönau und Frýdlant

Die Anzahl der Damino-Beschäftigten liegt nach dem neuen Konzept in Großschönau bei 80, im Vergleich zu 115 Ende 2025. Weitere 80 kommen im tschechischen Frýdlant (Friedland), knapp 30 Kilometer entfernt von der Kreisstadt Liberec (Reichenberg), hinzu. Dort ist die Konfektion angesiedelt – und bleibt es auch.

Der Damasthersteller war in den vergangenen Jahren aufgrund mehrerer Krisen 2025 in die Insolvenz geschlittert. Davor hatte es wegen des stark rückläufigen Geschäfts mit Damasten für den afrikanischen Markt bereits im Frühjahr 2024 Kurzarbeit gegeben.

50 Webmaschinen laufen derzeit bei der Damino GmbH im Drei-Schicht-System. Acht davon stellen den sogenannten Afrika-Damast her.
50 Webmaschinen laufen derzeit bei der Damino GmbH im Drei-Schicht-System. Acht davon stellen den sogenannten Afrika-Damast her.
Quelle: Matthias Weber

Aufgrund von politischen Unruhen, Importbeschränkungen, veränderten Bekleidungsgewohnheiten der einheimischen Bevölkerung sowie preisgünstigeren Angeboten aus China und Indien gestaltete sich der Absatz schwierig. Aber auch im Bereich Objekttextilien, also bei Tisch- und Bettwäsche für Hotels, Restaurants und andere gewerbliche Kunden, wurde es zunehmend schwerer, die Waren aus Großschönau zu verkaufen.

Mit den jetzt eingeleiteten Veränderungen will die Damino GmbH auf die aktuellen Marktbedingungen reagieren und sich insgesamt breiter aufstellen. Um weltweit neue Absatzgebiete zu erschließen, wurden die Auslandsbüros des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) genutzt. „Kontakte nach Dubai und in die Emirate haben wir bereits geknüpft. Nun gilt es, Geschäftsbeziehungen aufzubauen“, so Sandro Strack.

SZ

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