Magdeburg. Der Strombedarf in ostdeutschen Verteilnetzen wächst deutlich schneller, als die Netze ausgebaut werden können. Das geht aus einem neuen Szenariobericht der Verteilnetzbetreiber in der Planungsregion Ost hervor. Unter derzeitigen Rahmenbedingungen halten sie das angestrebte Ziel der Klimaneutralität bis 2045 für unrealistisch. Im Zusammenschluss Arbeitsgemeinschaft Flächennetzbetrieb Ost (ARGE FNB OST) fordern die Betreiber daher sofortiges politisches Handeln.
Stromverbrauch steigt rasant, Betreiber drängen auf Reformen
In einem Positionspapier legt die ARGE FNB OST ihre neuen Prognosen vor: Der Stromverbrauch im Osten werde in den kommenden Jahren noch stärker zunehmen als bislang angenommen. Treiber dafür sei ein steigender Bedarf durch Industrieprojekte, Rechenzentren, Elektromobilität und Wärmepumpen.
Schon bei früheren Prognosen sei die Zeit für den Ausbau knapp bemessen gewesen. Mittlerweile habe sich die Lage weiter verschärft, insbesondere im Bereich der Hoch- und Höchstspannung.
„Damit der Netzausbau mit dem rasant steigenden Leistungsbedarf auch nur annähernd Schritt halten kann, bedarf es massiver gesetzlicher und regulatorischer Weichenstellungen“, heißt es in dem Positionspapier. Konkret fordern die Netzbetreiber realistischere Zielsetzungen, bessere Regulierung, weniger Bürokratie und ausreichende Ressourcen, um dem Bedarf gerecht zu werden.
Betreiber fordern engere Abstimmung zwischen Bund und Regionen
Außerdem verlangen die Betreiber eine bessere Zusammenarbeit zwischen Bund und Regionen. Die Planungsregion Ost gilt als flächengrößte Region in Deutschland und umfasst die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin.
Im Regionalszenario „Strom“, das die Mitglieder der ARGE FNB OST alle zwei Jahre erarbeiten, plädieren sie für eine realitätsnahe Bewertung des regionalen Bedarfs. „Die Energiewende findet vor Ort statt – und sie braucht tragfähige Rahmenbedingungen“, sagte ein Sprecher der ARGE.
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