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Görlitzer sollen sehen, was ihre Firmen herstellen

Mit der Spätschicht suchen Unternehmen neue Mitarbeiter – feilen aber auch an ihrem Profil.
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Computer-Unternehmen haben bei Tagen der offenen Tür mitunter einen Nachteil gegenüber Produktionsbetrieben: Was sollen sie zeigen? Anderswo riecht es nach Metall und Lösung, gibt es Lärm und Krach. Doch die Softwaretester an der Brückenstraße haben es noch ganz gut. Denn die Mitarbeiter dort prüfen für namhafte Hersteller Haushaltsgeräte. Und so werden die Experten um Daniel Sernow am morgigen Freitag den Besuchern der Spätschicht zeigen, wie sie bei einer Vorwerk-Küchenmaschine die Software testen. Das Internet der Dinge nimmt hier Gestalt an. Und da SQS immer auf der Suche nach Mitarbeitern oder Studenten ist, fiel die Entscheidung leicht, an der Spätschicht teilzunehmen.

Das ist ein völlig neues Format für die Görlitzer Wirtschaft. In Zittau kennen sie das schon seit zwei Jahren. Die städtische Wirtschaftsförderung und die Hochschule initiierten damals die Betriebsbesichtigungen, um auf die Firmen und ihre offenen Stellen aufmerksam zu machen. Nun sind auch Görlitz und Weißwasser mit im Boot. „Durch die Ausweitung der Veranstaltung auf weitere wichtige Wirtschaftszentren des Landkreises Görlitz können wir die Wahrnehmung deutlich erhöhen“, kommentiert Zittaus Wirtschaftsförderin Gloria Heymann die Zusammenarbeit. Die Görlitzer Europastadt GmbH (EGZ) profitiert von den Erfahrungen der Zittauer. „Die Zusammenarbeit war sehr schön“, finden Wirtschaftsförderin Joanna Mazur und Marketingleiterin Eva Wittig von der EGZ.

Und so hoffen einige der Görlitzer Teilnehmer tatsächlich, am Freitag unter den Besuchern auch künftige Mitarbeiter zu begrüßen. Die TKG Turbinenkomponente in Hagenwerder suchen Mitarbeiter fürs Fräsen, bei Skan gleich nebenan stehen Schweißer, Elektriker, Mechatroniker und Konstrukteure auf der Suchliste, auch G-S-D-Druckgusstechnik könnte schnell fünf bis sechs Mitarbeiter vom Mechatroniker bis zum Konstruktionsmechaniker einstellen. Ingenieure mit Erfahrungen im Maschinen- und Anlagenbau, aus dem Automobilbau, der IT-Branche oder dem Qualitätsmanagement sind bei Ferchau, einem Dienstleister für Engineering und IT, auf der Jakobstraße gesucht.

Doch der Nachmittag dient aus Sicht der Unternehmen noch einem zweiten Anliegen, wie Rainer Schnettler vom Kunststoff-Recycling-Unternehmen Pla.to aus dem Gewerbegebiet Hagenwerder sagt. „Wir machen mit, um bei den Görlitzern ihre Sensibilität für die Wirtschaft zu erhöhen und zu zeigen, was alles in den Unternehmen entsteht.“ Dafür eilt Schnettler am Freitag von einem tschechischen Kunden, wo am Morgen noch wichtige Tests stattfinden, zur Spätschicht in sein Unternehmen. Ein Video wird zeigen, was pla.to macht, und zudem präsentiert er Maschinen, die in dem Unternehmen gebaut worden sind. Auch Gerhard Schoch sieht das als einen wichtigen Aspekt dieses Tages. „Viele lesen beim Vorbeifahren bei mir Druckgusstechnik und denken dann, da könne man Zettel drucken“, sagt er. Doch in seinem Unternehmen entstehen komplexe Maschinen und Verschleißteile für die Druckgussindustrie. Computergestütztes und anspruchsvolles Drehen und Fräsen gehört dazu. Seine 20 Mitarbeiter produzieren auf 4 000 Quadratmeter Fläche. Erst jüngst hat Schoch Millionen in neue Maschinen investiert.

Was bei Schoch die Verwechslung mit dem Drucken von Zetteln ist, das ist bei Skan Deutschland die Sache mit der Fahne. „Es gibt ganz viele, die sagen mir, ihr seid doch die mit der Schweizer Fahne vor dem Gebäude“, erzählt Nancy Wauer. „Dass wir etwas mit Metallverarbeitung zu tun haben, wissen die wenigsten.“ Dabei entstehen hier stark gefragte Isolatoren für die Pharmaindustrie. Um als Arbeitgeber greifbarer zu werden, führt Skan seine Gäste am Freitag bei laufender Produktion durch die Hallen. „Sie sollen sehen, was hier hergestellt werden“, sagt Frau Wauer.

Auch bei Sysmex Partec ist das der Fall. Die zweite Schicht läuft noch, wenn am Freitag die Besucher durch die Halle im Gewerbegebiet Nord am Flugplatz geführt werden. Dort entstehen die Diagnosegeräte für HIV und Aids, mit denen Partec weltbekannt und gerade in Afrika ein Partner der Gesundheitsbehörden geworden ist. In der Metallverarbeitung am Flugplatz hat das Unternehmen in Görlitz mittlerweile die zweite Schicht eingeführt, auch am Standort in der Arndtstraße ist das ein Ziel, sagt Michael Esther, Bereichsleiter Planung bei Sysmex Partec. In Görlitz, Münster und Leipzig produzieren 180 Mitarbeiter für das Unternehmen. In Görlitz entstehen nicht nur die Hightech-Geräte für die Aids-Behandlung, sondern dieselbe Technologie wird auch für den Nachweis von Bakterien in der Lebensmittel- und Wasserindustrie angeboten. Zudem liefert das Görlitzer Werk seiner japanischen Mutter Metallteile zu und setzte sich dabei gegen Zulieferer in Japan durch. Auch mit weiteren namhaften Industriekonzernen arbeitet Sysmex Partec als Zulieferer zusammen. All das wird zum Auftakt bei einer Präsentation in der Arndtstraße zu hören sein, ehe die einzelnen Abteilungen wie Logistik, Laserproduktion, Gerätebau und Produktentwicklung gezeigt werden.

 

Von Sebastian Beutler

Foto: © pawelsosnowski.com

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