Von Annett Kschieschan
Dresden. Theoretisch ist die Sache klar: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Praktisch bekommen Frauen im Durchschnitt immer noch spürbar weniger Geld für ihre Arbeit als Männer. Dieser sogenannte Gender Pay Gap, also die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern, liegt in Sachsen bei sechs Prozent, wobei die Unterschiede je nach Region erheblich sein können. Nach Informationen der Arbeitsagentur Sachsen reicht die Bandbreite im Freistaat von 1,3 bis elf Prozent. Der Equal Pay Day, der am 27. Februar stattfand, will auf das Thema aufmerksam machen.
Insgesamt steht Sachsen beim Thema Erwerbstätigkeit von Frauen bundesweit an der Spitze. Knapp 65 Prozent der Frauen hierzulande haben einen sozialversicherungspflichtigen Job. 2014 waren es noch knapp fünf Prozent weniger. Die meisten Frauen arbeiten in den Landkreisen Sächsischen Schweiz-Osterzgebirge und im Erzgebirgskreis. In Leipzig, Chemnitz und im Landkreis Görlitz ist ihre Zahl am niedrigsten. Die geringsten Beschäftigungsquoten deutschlandweit gibt es in Bremen, im Saarland und in Nordrhein-Westfalen. Im Bundesdurchschnitt liegt die Beschäftigungsquote der Frauen bei sechzig Prozent.
Allerdings: Auch in Sachsen arbeiten viele Frauen in Teilzeit und nur wenige übernehmen Führungsaufgaben, wobei der Anteil hier mit 33 Prozent in der ersten und 44 Prozent in der zweiten Führungsebene ebenfalls höher als im bundesweiten Durchschnitt ist.
Das Ungleichgewicht an sich ist keine neue Erkenntnis. Noch immer liegt das Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf mehrheitlich auf den Schultern der Frauen, die dadurch im Job zurückstecken und den Rückstand zu ihren männlichen Kollegen später oft nicht mehr aufholen können. Mit finanziellen Folgen bis hin zur Rente.
Die meisten Frauen sind gut ausgebildet
Das ist auch deshalb problematisch, weil die rund 775.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in Sachsen sehr gut qualifiziert sind. Etwa 93 Prozent von ihnen haben einen allgemeinen Berufsabschluss oder einen akademischen Berufsabschluss. Viele arbeiten in Dienstleistungsberufen – oft mit reduzierter Stundenzahl. „Frauen sind häufiger teilzeitbeschäftigt als Männer. Sie entscheiden sich oft wegen der Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Personen oder wegen weiteren persönlichen oder familiären Verpflichtungen für eine Teilzeitbeschäftigung. Deshalb bewerte ich die Entwicklung der Teilzeitbeschäftigung differenziert. Die Möglichkeit in Teilzeit zu arbeiten ist gut, wenn sie auf Wunsch der Beschäftigten erfolgt. Kritisch ist die Teilzeitarbeit nur, wenn sie erzwungen ist“, so Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen.
In allen sächsischen Arbeitsagenturen gibt es demnach speziell ausgebildete Beraterinnen für das Thema Chancengleichheit am Arbeitsmarkt. Sie informieren zu Fragen der beruflichen Ausbildung, Qualifizierungsmöglichkeiten, des beruflichen Einstiegs und Aufstiegs von Frauen und des Wiedereinstiegs von Frauen nach einer Familienphase und unterstützen zudem Unternehmen, „um individuelle Wege der Beschäftigung von Frauen zu schaffen“.


