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Halbleere Gasspeicher – Müssen sich Sachsens Verbraucher Sorgen machen?

Die deutschen Gasspeicher sind aktuell nur zur Hälfte gefüllt – deutlich weniger als in früheren Jahren. In der Branche gibt es besorgte Stimmen. Der ostdeutsche Gasgroßhändler VNG in Leipzig beruhigt hingegen.

Lesedauer: 3 Minuten

Die deutschen Gasspeicher sind aktuell nur zur Hälfte gefüllt – deutlich weniger als in früheren Jahren. In der Branche gibt es besorgte Stimmen. Der ostdeutsche Gasgroßhändler VNG in Leipzig beruhigt hingegen.

Andreas Dunte

Leipzig/Dresden. Der Winter macht seinem Namen alle Ehre und die Gasspeicher sind schon stark geleert. Da fragen sich viele Sachsen, ob die Vorräte reichen. Während die Bundesnetzagentur und auch Ostdeutschlands größter Gashändler, die Leipziger VNG, keinen Grund zur Sorge sehen, gibt es aus der Energiebranche auch warnende Stimmen.

Die Gasspeicher in Deutschland sind nach Angaben der Bundesnetzagentur zur Hälfte (51,7 Prozent) gefüllt und damit so leer wie lange nicht mehr in einem Januar. Im Schnitt lagen die Füllstände in den letzten Jahren zu diesem Zeitpunkt bei gut 70 Prozent. Hinzukommt, dass die Gasvorräte infolge der Kältewelle und des hohen Verbrauchs wesentlich schneller schrumpfen. Experten sprechen von einem dreimal so schnellen Tempo.

VNG-Speicher zu 66,6 Prozent gefüllt

„Die Versorgungslage ist stabil“, beruhigt der Gasgroßhändler VNG. Die eigenen Untergrundspeicher seien aktuell zu 66,6 Prozent gefüllt, was über den bundesweiten Werten liegt. „In den nächsten Tagen sollen die Temperaturen zwar weiter sinken, dafür sehen die Prognosen aber einen Temperaturanstieg ab Mitte der Woche vor“, so VNG-Sprecherin Melanie Hensel.

Wir gehen davon aus, dass die Preise eher stabil bleiben, beziehungsweise leicht sinken. – Melanie Hensel, VNG-Sprecherin

Auch wenn die Füllstände unter den Vorjahreswerten liegen, würden die Speicher ihre Funktion erfüllen. „Sie sichern die Versorgung in Zeiten hoher Nachfrage und stellen kurzfristig Gas zur Verfügung. Zudem sehen wir eine gute Versorgungssituation im LNG-Bereich“, so die Sprecherin weiter.

In Sachsen ist das Thema von besonderer Bedeutung, denn rund 70 Prozent aller Haushalte im Freistaat heizen mit Erdgas. Nach Hamburg und Bremen liegt der Freistaat damit im Bundesländervergleich auf Platz drei.

Importmöglichkeiten sind ausreichend

Auch die Bundesnetzagentur sieht die Sache gelassen. Der Gasspeicherfüllstand sei zwar ein wichtiger Indikator, aber nicht allein ausschlaggebend. Die Speicher dienten insbesondere dazu, den zusätzlichen Verbrauch im Winter auszugleichen. Deutschland verfüge zudem über ausreichende Importmöglichkeiten, teilt die Behörde mit.

Das meiste Erdgas wird aus Norwegen bezogen. Hinzukommen die im Zuge des Ukraine-Kriegs neu eingerichteten LNG-Terminals an den Küsten, sowie der Bezug von Gas über Pipelines aus Belgien und den Niederlanden, wo an den Häfen ebenfalls Terminals Flüssiggas aufnehmen. Das LNG kommt hauptsächlich per Tanker aus den USA, aber auch aus anderen Ländern wie Katar, Algerien und Australien. Aus Russland bezieht Deutschland zwar kein Pipeline-Gas mehr, aber LNG schon. Die EU will aber auch das verbieten.

Die Initiative Energien Speichern (INES) hatte schon im vergangenen Jahr davor gewarnt, dass trotz der neuen LNG-Importkapazitäten die Situation bei extrem niedrigen Temperaturen kritisch werden kann. Die Bundesregierung müsse, wie im Koalitionsvertrag angekündigt, Instrumente auf den Weg bringen, um eine versorgungssichere und kostengünstigere Befüllung der Gasspeicher sicherzustellen, so INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann. Das habe der Bund im vergangenen Sommer versäumt, deshalb seien die Speicher im November nicht wie sonst zu über 90 Prozent gefüllt gewesen.

Energieversorger kritisieren die Politik

Kritik kommt auch vom Chef des Oldenburger Energieversorgers EWE, Stefan Dohler. Er kritisiert die politischen Rahmenbedingungen scharf: „Es ist ein Zeichen, dass die Mechanismen, die die Politik geschaffen hat, so nicht funktionieren. Es gab im vergangenen Sommer keine Preissignale im Markt, die Gasspeicher zu befüllen.“ Und beim Energiekonzern Uniper heißt es: „Die Versorgungssicherheit mit Erdgas ist aktuell gewährleistet, aber nicht garantiert.“

Laut Gasspeicherfüllstandsverordnung der Bundesregierung müssen die Speicher insgesamt bis zum 1. November zu mindestens 70 Prozent gefüllt sein, was eingehalten wurde. Bis Anfang Februar, so eine weitere Vorgabe, müssen die Speicher noch zu 30 Prozent voll sein.

Dauerfrost könnte sich auf die Preise auswirken

Bezüglich des Nachkaufs von Erdgas beruhigt Ostdeutschlands größter Gashändler VNG. Die Großhandelspreise lägen aktuell bei 30 bis 31 Euro pro Megawattstunde (MWh). Das sei deutlich unter den Spitzenwerten von 2022 mit zum Teil über 300 Euro/MWh, aber immer noch deutlich über dem Vorkrisenniveau (20 Euro/MWh). „Wir gehen davon aus, dass die Preise eher stabil bleiben, beziehungsweise leicht sinken, da das LNG-Angebot wächst und die Gasspeicherumlage ab 2026 entfällt“, so VNG-Sprecherin Melanie Hensel.

Sollte allerdings der Winter im Dauerfrost verharren und sich die Speicher weiter schnell leeren, könnte das die Preise in die Höhe treiben, heißt es in der Branche. Denn dann müsste in größerem Umfang Gas an den Märkten nachgekauft werden. Damit verpufft dann der Effekt der Speicher, deren Vorräte auch eine preisdämpfende Wirkung auf den Gasmarkt haben.

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