Leutersdorf/Spitzkunnersdorf. Bei Sebastian Herzog läuft es. 20 Mitarbeiter sind bei ihm angestellt. Die Wurstwaren seiner Fleischerei haben einen guten Ruf, verschiedene Rewe- und Edeka-Märkte in Sachsen beliefert er mit frischen Erzeugnissen und Konserven. Das Catering ist hochwertig und wird bis nach Dresden und Berlin nachgefragt. Mit seiner Eventagentur hat er schon die unterschiedlichsten Veranstaltungen zum Erfolg geführt. Private, aber auch öffentliche Auftraggeber wissen seine Angebote zu schätzen.
Weil es in seiner Firma „brummt“, wird auch ordentlich Strom verbraucht, deshalb hat Herzog in den vergangenen Jahren in seinen Maschinenpark investiert. „Wir haben komplett auf energieeffiziente Anlagen umgestellt, verbrauchen weniger – und zahlen trotzdem das Doppelte wie vor der Energiekrise“, zieht der Firmenchef ein ernüchterndes Fazit. Als einen Grund habe man ihm neben den stark gestiegenen Preisen den vermehrten Anlaufstrom genannt, den die modernen Maschinen brauchen.
200 Quadratmeter Hallendach für Photovoltaik-Anlage
„Das war nichts, was ich einfach schlucken konnte.“ Und so schaute sich Herzog erneut nach einem Weg um, die Stromkosten zu senken. Nicht nur als Vorsitzender des Allgemeinen Unternehmerverbandes Zittau und Umgebung, sondern auch als Mitglied der Umwelt- und Klimaallianz Sachsen ist der Unternehmer gut vernetzt. Von dort kam der entscheidende Tipp: „Man machte mir Mut, eine eigene Photovoltaik-Anlage zu installieren.“
Die wollte er auf eine nicht genutzte Wiese setzen, nur ein paar Meter von seinem Firmensitz an der Ortsgrenze von Spitzkunnersdorf zu Leutersdorf entfernt. Ein Kollege aus einem kleinen Ort bei Frankfurt/Main brachte ihn noch auf einen anderen Gedanken. „Er hat gleich neben seinem Geschäft Campingstellplätze mit Schnellladesäulen gebaut.“ Auf Bauernhöfen, bei Direktvermarktern und überhaupt im ländlichen Raum sei das immer mehr gefragt, so Herzog. Willkommener Nebeneffekt: „Der Mann konnte sein Geschäft durch die zusätzlichen Einnahmen stabilisieren.“

Eine halbe Million Euro investiert der Spitzkunnersdorfer Fleischermeister Sebastian Herzog in eine neue Halle, mit Schnellladesäulen ausgestattete Camper-Plätze und einen Eventgrillbereich.
Der Spitzkunnersdorfer Fleischermeister passt die Idee nun auf seine Verhältnisse an. „Durch unsere verschiedenen Standbeine platzen Produktion und Lager aus allen Nähten. Wir könnten deshalb zusätzlichen Platz gut vertragen.“ Auf der Wiese nebenan entsteht deshalb eine 200 Quadratmeter große Halle, deren Grundfläche sich nach der Ausdehnung der Photovoltaikanlage bemisst, die auf dem Dach installiert wird. Sie soll unter idealen Bedingungen knapp 40 Kilowatt Strom erzeugen „und macht uns bei schönem Wetter in der Produktion völlig energieautark“. Das hat nicht nur den Effekt, dass die Stromkosten in der Fleischerei künftig sinken werden, sondern auch, dass die Preise für die Wurstwaren stabil bleiben.
Während in der Halle in Zukunft neben einer Vielzahl von Konservengläsern auch sämtliche Utensilien fürs Catering – wie Stühle, Zelte, Ausschank- und Lichttechnik – untergebracht werden, entsteht direkt daneben ein kleiner Campingplatz, „mit dem wir den professionellen Anbietern in der Region aber keine Konkurrenz machen wollen“, so Herzog.
Zum einen ist das für unseren Ort sicherlich eine Bereicherung, zum anderen haben wir schon jetzt regelmäßig Kundschaft, die aus dem Trixi-Park zu uns herüberfährt und sich vor der Heimfahrt mit Spezialitäten aus der Oberlausitz versorgt. – Sebastian Herzog, Fleischermeister aus Spitzkunnersdorf
Vorgesehen seien drei Stellflächen für größere Camper, mit WLAN und mit Schnellladesäulen. Der Strom kommt von der neuen PV-Anlage vom Hallendach. Weitere Zusatzangebote wie Wasch- und Toilettenanlagen werde es jedoch nicht geben, betont der Unternehmer. Denn: „Bis zu zwei Nächte sind genehmigungsfrei, dafür braucht man solche Dinge nicht.“ Im Übrigen würden die Stellplätze kostenfrei angeboten, die Nutzer sollten in der Fleischerei lediglich „etwas konsumieren“.
Dass dies bei den Campern auf Interesse stoßen wird, davon ist Herzog überzeugt. „Zum einen ist das für unseren Ort sicherlich eine Bereicherung, zum anderen haben wir schon jetzt regelmäßig Kundschaft, die aus dem Trixi-Park zu uns herüberfährt und sich vor der Heimfahrt mit Spezialitäten aus der Oberlausitz versorgt. Die könnten dann hier ganz entspannt noch eins, zwei Tage stehen.“
Das wird noch interessanter, wenn auch der geplante Eventgrillbereich gleich neben den Stellplätzen fertig ist und von den Campern mit genutzt werden kann. Ansonsten finden hier die Grill- und Barbecue-Kurse statt, die die Fleischerei viermal im Jahr durchführt.
Sebastian Herzog investiert in all die Verbesserungen rund eine halbe Million Euro, ein Teil davon kommt aus dem Förderprogramm „Regionales Wachstum“. Bis alles komplett ist, wird es allerdings noch ein paar Wochen dauern. Die große Halle ist schon gebaut, am Fußboden drinnen, und im Außengelände wird aktuell gearbeitet. In den nächsten Wochen wird dann die Solaranlage einschließlich der Schnellladesäulen installiert. Als i-Tüpfelchen plant Sebastian Herzog noch eine Info-Tafel für die Camping-Gäste – mit Interessantem aus dem Ort und der Region.
SZ