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In Sachsen arbeiten immer mehr Rentner – Verdoppelung in nur zehn Jahren

Arbeiten über die Altersregelgrenze hinaus: In Sachsen sind die Zahlen stark steigend. Vor allem Männer arbeiten länger, ein Drittel von ihnen sogar in Vollzeit. Interessant sind die Gründe dafür.

Lesedauer: 3 Minuten

Ein älterer Herr arbeitet in einem mittelständischen Unternehmen für Maschinenbauteile. In Sachsen steigt die Zahl der Rentner, die über die Altersregelgrenze hinaus weiterarbeiten. Quelle: imago/Andreas Prost

Von Andreas Dunte

Leipzig. Endlich in Rente – endlich Freizeit! In Sachsen steigt nicht nur Jahr für Jahr die Zahl der Rentner. Es steigt auch die Zahl der Senioren, die über die Regelaltersgrenze hinaus weiterarbeiten. 62.221 waren es im vergangenen Jahr. Darunter sind 47.261 ältere Minijobber sowie 14.330 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Senioren, die in Voll- oder Teilzeit in Sachsen arbeiten.

Nach Auswertung der Landesarbeitsagentur Chemnitz hat sich die Zahl der in Voll- oder Teilzeit tätigen Rentner in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Hingegen stieg die Gesamtbeschäftigung in diesem Zeitraum nur um sechs Prozent. Im Vorjahr ging sie sogar leicht zurück.

Ein Drittel aller arbeitenden Senioren ist 70 und älter

Zu den Besonderheiten gehört, dass fast zwei Drittel aller arbeitenden Rentner Männer sind, dass ein Drittel in Vollzeit arbeitet und ein Drittel aller älteren Beschäftigten 70 Jahre und älter ist, wie die Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit ermittelt hat. „Der demografische Wandel verändert den sächsischen Arbeitsmarkt. Weil deutlich mehr Menschen aus dem Erwerbsleben ausscheiden als junge nachrücken, wird das Wissen älterer Beschäftigter für viele Betriebe noch wertvoller“, sagt Vize-Agenturchefin Michaela Ungethüm. „Personalentscheider sind gut beraten, diesen Erfahrungsschatz und das Wissen frühzeitig zu sichern – durch Mentorenprogramme, altersgemischte Teams oder flexible Übergänge in den Ruhestand.“

Weil deutlich mehr Menschen aus dem Erwerbsleben ausscheiden als junge nachrücken, wird das Wissen älterer Beschäftigter für viele Betriebe noch wertvoller. – Michaela Ungethüm, Landesarbeitsagentur

Die meisten Rentner arbeiten im Gesundheitswesen, im Bereich Erziehung und Unterricht, im Einzelhandel, in der Gebäudebetreuung und im Sozialwesen. Nach Tätigkeiten sortiert zeigt sich, dass Rentner häufig in Bürojobs, in beratenden Berufen, als Fahrer oder in medizinischen Berufen beschäftigt sind. Auch viele Chefs arbeiten über die Regelaltersgrenze hinaus.

Finanzielle Motive und Freude an der Arbeit

Eine Umfrage des Arbeitsmarktinstituts IAB zeigt, dass die meisten der arbeitenden Rentner nichtmonetäre Gründe für ihre Erwerbsarbeit angeben – etwa Spaß an der Arbeit oder das Bedürfnis nach einer sinnvollen Aufgabe und sozialen Kontakten. Bei 43 Prozent spielen auch finanzielle Motive eine Rolle.

„Mit zunehmender Arbeitskräfteknappheit haben Unternehmen einen Anreiz, altersangepasste Arbeitsplätze zu schaffen“, sagt Joachim Ragnitz vom ifo-Institut in Dresden. Insoweit seien arbeitende Rentner wichtig für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Der Anstieg der Zahlen geht nach Ansicht des Wissenschaftlers auch auf die verbesserten Hinzuverdienstmöglichkeiten seit 2023 zurück. „Das dürfte vor allem dazu geführt haben, von Minijobs in Beschäftigung mit höherer Arbeitszeit zu wechseln.“ Die Aktivrente dürfte ein weiterer Anreiz zur Erschließung zusätzlichen Erwerbspotentials sein. In der aktuellen Auswertung würden sich die Zahlen aber noch nicht niederschlagen.

DGB: Finger weg von höherem Renteneintrittsalter

Problematisch sei es, wenn jemand aufgrund seiner „mickrigen Rente“ zur Arbeit über das Renteneintrittsalter hinaus gezwungen ist, so Sachsens DGB-Vorsitzende Daniela Kolbe. „Unsere Position ist klar: Die Rente muss für ein gutes Leben im Alter reichen. Schon heute schätzt in Sachsen nicht mal jeder zweite Beschäftigte ein, seinen Job bis zur Rente durchzuhalten. Im Gesundheitswesen sagen sogar 62 Prozent, dass sie ihren Job nicht bis zur Rente schaffen werden. Im Verkehr und Logistik 57 Prozent und in Fertigungsberufen 55 Prozent.“ Mit diesem Wissen jetzt an der Erhöhung des Renteneintrittsalters zu schrauben und das Rentenniveau senken zu wollen, sei ein Irrweg, so die Gewerkschafterin.

Auch von der Einführung der Aktivrente werden nach Ansicht der DGB-Chefin nur wenige profitieren. „Der Dachdecker wird wohl kaum wegen des Steuervorteils noch mit 70 Jahren aufs Dach steigen.

„Wer im Alter weiterarbeiten möchte, soll dies gern tun – das hilft im Kampf gegen den Fachkräftemangel“, meint Susanne Scharper von der Linksfraktion in Sachsen. „Es darf aber niemand dazu gezwungen sein, weil Geld fehlt.“

Fraktionschefin Scharper weiter: „Damit alle ihren Ruhestand genießen und frei darüber entscheiden können, ob sie arbeiten wollen, muss die gesetzliche Rentenversicherung eine sichere Bank für alle sein. Das ist möglich, wenn alle Erwerbstätigen einbezogen werden und für ihre gesamten Einkünfte im Job und am Finanzmarkt in den Rententopf einzahlen.“

SZ

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