Hartha. Vor knapp zwei Wochen hatte die Firma GSH Sachsen in Hartha Insolvenz angemeldet. Die Firma stellt Teile im Zinkdruckguss- und Kunststoff-Spritzgussverfahren her und bietet Montagedienstleistungen für Automobil-, Elektronik-, Maschinenbau- und Industriebranche an. Der Geschäftsbetrieb war wegen mangelnder Liquidität nach dem Insolvenzantrag zunächst kontrolliert heruntergefahren worden. Aber wie geht es jetzt weiter?
Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Dirk Herzig der Kanzlei Schultze & Braun plant den Verkauf des Unternehmens und damit auch die Rettung der Arbeitsplätze. Es werde zusammen mit Geschäftsführer David Thiel alles getan, um eine teilweise Wiederaufnahme der Produktion zu ermöglichen und so Zeit zu finden, um einem Interessenten noch die Chance für eine Übernahme des Geschäftsbetriebs am Standort in Hartha zu ermöglichen, so Matthias Braun, Pressesprecher der Kanzlei.
Wenn es uns gelingt, einen Investor zu finden, der zu GSH Sachsen passt und an das Potential des Unternehmens glaubt, ist eine Sanierung möglich. – Dirk Herzig, vorläufiger Insolvenzverwalter
„Bereits jetzt zeigt sich aber: So erhebliche Umsatzrückgänge, wie sie GSH Sachsen erleben musste, waren und sind schlichtweg ohne den zeitnahen Einstieg eines Investors, der auch neue Aufträge und ein Konzept für den Standort mitbringt, nicht zu kompensieren“, sagte Rechtsanwalt Herzig.
Umsatzrückgang und Auftragsausfälle
Gründe für die finanzielle Schieflage und den Insolvenzantrag seien unter anderem unvorhersehbare und kurzfristige Umsatzrückgänge aufgrund der Krisen in den Branchen der Kunden von GSH Sachsen und die Auswirkungen der Insolvenz eines wichtigen Kunden. Die durch diese Kombination entstandene Liquiditätslücke konnte GSH Sachsen aus eigener Kraft nicht mehr schließen. Bis zuletzt habe Geschäftsführer Thiel vor dem Insolvenzantrag mit Interessenten über einen Einstieg verhandelt. Letztlich hätten sich diese jedoch aus unterschiedlichen Gründen dagegen entschieden.
„Viele Kunden beauftragen uns regelmäßig. Da sie jedoch auch von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Krisen in ihren Branchen betroffen sind, konnten und können sie dies nicht wie gewohnt tun“, sagt Geschäftsführer Thiel. „Um die eigene Versorgung abzusichern, sind Kunden mit weiteren Fertigungsanfragen auf uns zugekommen. Mit diesen Aufträgen könnte die Produktion am Standort Hartha bis Anfang 2026 teilweise wieder aufgenommen werden.“
Kostendruck aus Fernost
Die Kunden schätzten das Knowhow der Firma und die Qualität der Produkte, seien aber dem Kostendruck aus Fernost ausgesetzt. „Wir werden in den kommenden Tagen Gespräche über die Konditionen für die Aufträge führen und wollen zeitnah eine Entscheidung treffen, die für beide Seiten passt“, sagt der Geschäftsführer. Die Bearbeitung der Aufträge könne dann zeitnah beginnen und soll die Produktion bis Anfang 2026 ermöglichen.
Die Chancen für einen Investoreneinstieg bei GSH Sachsen sollen über den Winter geklärt werden, so der vorläufige Insolvenzverwalter. „Die Aufträge und die Unterstützung unserer Kunden verschaffen uns Zeit bis Anfang 2026, die wir nutzen wollen, um eine Fortführungslösung für das Unternehmen zu finden. Der Investorenprozess steht allen offen. Wenn es uns gelingt, einen Investor zu finden, der zu GSH Sachsen passt und an das Potenzial des Unternehmens glaubt, ist eine Sanierung möglich. Fakt ist aber auch: Der Einstieg eines Investors ist zwingend notwendig, um die Produktion in Hartha langfristig fortführen zu können.“ Interessenten könnten sich beim vorläufigen Insolvenzverwalter melden, wenn Interesse an einer – auch teilweisen – Übernahme besteht.
Sollte sich bis Anfang 2026 kein Investor finden, müsste der Geschäftsbetrieb in Hartha wegen der fehlenden wirtschaftlichen Perspektive kontrolliert heruntergefahren werden. „So gerne wir diesen Schritt vermeiden würden – in diesem Fall wäre er leider unumgänglich“, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter. Durch das kontrollierte Herunterfahren würden die Verluste für die Gläubiger minimiert, wenn die Löhne und Gehälter ab Februar wieder aus dem laufenden Betrieb erwirtschaftet werden müssten.
Mitarbeiter bekommen Insolvenzgeld
Die Löhne und Gehälter der rund 25 Mitarbeitenden sind über das Insolvenzgeld bis Ende Dezember 2025 gesichert. Die Belegschaft und die Kunden von GSH Sachsen seien von der Geschäftsführung bereits über die aktuelle Situation informiert worden.
Die Firma GSH war aus der Firma Gluske hervorgegangen, die vor 15 Jahren insolvent wurde. Investoren aus München hatten den Betrieb gekauft. Vor zwei Jahren hatte GSH noch drei Millionen Euro in neue Technik investiert.
Zuvor hatte die Firma das Betriebsgrundstück verkauft und sich in einem Teil der Hallen eingemietet. Der damalige Geschäftsführer Jörg Schöpp sprach davon, dass die Anzahl der Mitarbeiter von 116 auf 46 reduziert wurde.
SZ


