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Irische Investoren übernehmen Teigwaren Riesa

Die Gebrüder Freidler haben einen Großteil ihrer Anteile am Nudelhersteller an einen Investor verkauft. Der kommt aus dem Ausland.

Lesedauer: 2 Minuten

Fassade des Fabrikgebäudes der Teigwaren Riesa
Die Teigwaren Riesa gehören nicht mehr ausschließlich der Familie Freidler. © Foto: Lutz Weidler

Riesa. Die Teigwaren Riesa GmbH hat einen neuen Mehrheitseigentümer: Das Unternehmen gehört jetzt zu 80 Prozent einem irischen Investor namens Biavest. Die bisherigen Alleineigentümer des Riesaer Nudelproduzenten, die Brüder André und Oliver Freidler, haben Anteile in entsprechendem Umfang an den Investor mit Sitz in Dublin verkauft, bestätigte André Freidler der SZ. Die Freidler-Brüder bleiben demnach mit 20 Prozent der Anteile Minderheitsgesellschafter. Als Geschäftsführer des Unternehmens bleibt Mike Hennig an Bord. Zum Kaufpreis wollte sich André Freidler nicht äußern.

„Wollen, dass es gut weitergeht“

In einer Mitteilung ist von einer strategischen Partnerschaft die Rede. Mit Biavest habe man einen kapitalstarken Partner gefunden, „der über eine große Expertise verfügt, um das Markengeschäft weiter voranzutreiben und gleichzeitig die vorhandenen Potenziale des Standorts zu heben.“

Die erst 2020 gegründete Gesellschaft Biavest wird von Hilliard Lombard und David McKernan geführt. Beide haben einen Hintergrund in der Lebensmittelbranche: Lombard war einst Geschäftsführer beim Backwarenhersteller Aryzta. McKernan gründete mit Java Republic ein Kaffeeunternehmen. Nach eigenen Angaben beteiligte sich Biavest 2021 zum Beispiel mit einem 29-Millionen-Euro-Investment am Joghurt-Hersteller Nomadic aus Irland.

Laut André Freidler ist die Unterzeichnung der entsprechenden Vereinbarungen zwischen den Vertragspartnern noch frisch. Auch im Handelsregister ist die Neuerung noch nicht nachvollziehbar: Aktuell ist dort noch die Firma AOFF mit Sitz in Berlin als alleinige Gesellschafterin der Teigwaren Riesa GmbH eingetragen. Diese wiederum gehört zur Hälfte jeweils André und Oliver Freidler. Beide hatten die Teigwaren Riesa 2020 von ihrer Mutter Irmgard Freidler übernommen. Sie wiederum hatte die Teigwaren Riesa seit dem Tod ihres Mannes Klaus im Jahr 2010 geführt.

Angesichts der langjährigen Verbindung zwischen dem Riesaer Betrieb und seiner Familie liege ihm viel an dem Standort, so André Freidler: „Wir wollen, dass es gut weitergeht.“ Den neuen Hauptgesellschafter möchten die Brüder nach Bekunden von André Freidler mit ihrer Erfahrung beim weiteren Fortsetzen eines bereits eingeleiteten Wachstumskurses unterstützen. So entsteht in Riesa aktuell eine neue Produktionslinie für Spätzle und Walzbandnudeln, die Ende 2023 in Betrieb gehen soll. Bei vielem, was es noch auszubauen gebe, sei die Finanzstärke des Investors hilfreich.

Ob der Verkauf der vielen Eigentumsanteile am Riesaer Nudelproduzenten etwas mit den Tarifkonflikten der vergangenen Jahre zu tun hat? Das verneint André Freidler. Man befinde sich in der Phase eines Generationenwechsels. Für ihn und seinen Bruder sein es letztlich eher eine Art Abwägung gewesen, wo beide ihre Ressourcen am zielführendsten einbringen können.

Überraschte Mitarbeiter

Für die Mitarbeiter in Riesa kam die Neuigkeit am Freitagmorgen sehr überraschend, sagt Betriebsratschefin Anke Schröter zur SZ. „Grundsätzlich sehen wir es aber positiv und müssen jetzt auch einfach erstmal abwarten, wie sich die Sache entwickelt“, sagt die Arbeitnehmervertreterin, die dem Betriebsrat seit vergangenem Jahr vorsteht. Man habe bisher noch keinen Vertreter von der Investorenseite kennengelernt. Es sei zugesichert worden, dass erst einmal alles bleibe wie bisher.

Die Riesaer Teigwaren gelten als Marktführer in den neuen Bundesländern und beschäftigen laut dem letzten einsehbaren Jahresabschluss für das Jahr 2021 rund 135 Mitarbeiter. Die vor nahezu 110 Jahren ins Leben gerufene Nudelfabrik in Gröba wurde nach der Wiedervereinigung von den Eheleuten Klaus und Irmgard Freidler übernommen.

In den vergangenen Jahren hatten die Teigwaren nicht zuletzt durch Arbeitskämpfe der Mitarbeiter über Riesa hinaus von sich reden gemacht. Die Belegschaft hatte – unterstützt von der Gewerkschaft NGG – wiederholt für deutlich höhere Löhne protestiert, dabei mehrfach gestreikt und war dafür auch nach Trochtelfingen gefahren. Dort sitzt die Firma Alb-Gold – ebenfalls ein Nudelhersteller, der der Familie Freidler gehört. Er befindet sich im Gegensatz zu den Riesaer Teigwaren weiterhin im alleinigen Eigentum der Gebrüder Freidler. Beide fungieren dort auch als Geschäftsführer. (SZ)

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