Von Annett Kschieschan
Was haben das Butterbrot, das Lieblingshaustier und die IT-Sicherheit gemeinsam? Sie alle haben einen eigenen Tag im Kalender. Im letzteren Fall ist das der Ändere-dein-Passwort-Tag, der auf den 1. Februar datiert ist. An den meisten Menschen dürfte dieses Datum auch 2025 ziemlich ereignislos vorbeigegangen sein, es sei denn, die rührige IT-Abteilung des Arbeitgebers hat eine Rundmail geschickt. Eine schlechte Idee wäre das nicht gewesen, denn das Thema IT-Sicherheit ist inzwischen in fast allen Unternehmen, auch in Sachsen, zu einer der wichtigsten Fragen im operativen Geschäft geworden. Die weltweiten Krisen haben die Gefahr von Cyberattacken erhöht. Gleichzeitig leidet die IT-Branche schon seit Jahren unter Personalmangel. Das internationale Marktforschungs- und Beratungsunternehmen IDC hat in einer Studie ermittelt, dass fast die Hälfte der befragten Unternehmen ihre Cybersicherheit verbessern wollen.
Vor allem die Cloud-Security steht dabei im Fokus. Wenn immer mehr Mitarbeiter remote – also von theoretisch jedem Ort der Welt aus – arbeiten, landen relevante Daten fast immer in Clouds. Die digitalen Datenspeicher sind damit auch verstärkt in den Fokus von Kriminellen gerückt. „Die zunehmende Cloud-Nutzung für immer mehr kritische Prozesse und die dadurch steigende Abhängigkeit bei gleichzeitig steigender Bedrohungslage macht umfangreiche Maßnahmen zu ihrer Absicherung auch absolut notwendig“, so Marco Becker, Consulting Manager bei IDC und Studienleiter.
Vor allem kleine Unternehmen sind überfordert
Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen fühlen sich schnell von den wachsenden Anforderungen an Cybersicherheit überfordert. Externe Lösungen müssen finanziert werden, was in Zeiten allgemeiner Preissteigerungen nahezu überall durchaus für Probleme und ungewollten Leichtsinn sorgen kann.
IDC hatte bereits 2022 branchenübergreifend Security-Verantwortliche aus 206 Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern befragt und damit auch die größten Sorgen in diesem Bereich sichtbar gemacht. Wie bleibt man auch beim Thema Sicherheit konkurrenz- und wettbewerbsfähig? Diese Frage steht fast in jedem Unternehmen weit oben auf der Agenda. Zwei Drittel der Befragten geben zudem an, dass ihre Security-Landschaften in den zurückliegenden zwölf Monaten komplexer geworden seien, 71 Prozent gehen davon aus, dass diese Komplexität weiter zunehmen wird. Fast zwei Drittel der Befragten beklagen allerdings bereits einen akuten Security-Fachkräftemangel oder erwarten ihn in den nächsten Monaten.
Trotzdem empfehlen Experten, das Thema zur Chefsache zu machen. Die Integration von Security in die Unternehmensführung sei wichtig. Mittlerweile ist zwar nach IDC-Angaben bereits in 61 Prozent der befragten Unternehmen der Leiter oder die Leiterin der IT-Sicherheit auch Teil der Geschäftsführung, der Einfluss der Security-Experten sei dennoch begrenzt. So gaben 55 Prozent der Befragten an, dass die Dringlichkeit für Security-Maßnahmen in den Führungsetagen oft nicht ankomme.
Zudem hätten zwar 75 Prozent der Unternehmen eine vollständige Sicherheitsstrategie. Diese werde aber nur bei weniger als der Hälfte konsequent in der gesamten Organisation umgesetzt. Die Probleme liegen dabei oft in vermeintlich simplen Anforderungen. Etwa der, die firmenrelevanten Passwörter regelmäßig zu ändern. Nicht nur am Ändere-dein-Passwort-Tag und auch nicht erst nach einem Hinweis der IT-Abteilung.
Bereits in der Schule starten
Um das Bewusstsein für das Thema digitale Sicherheit zu erhöhen, raten Experten freilich, früh anzufangen. Also möglichst schon vor dem ersten Job. Der Branchenverband Bitkom widmete dem Thema KI 2023 erstmals eine eigene Kategorie in seinem Wettbewerb für „smarte Schulen“ und vergab am Ende auch entsprechende Preise. Die ausgezeichneten. Schulen hatten zum Beispiel neue Schulfächer zum Thema KI ins Leben gerufen, Konferenzen in Zusammenarbeit mit regionalen Hochschulen organisiert oder verschiedene KI-Tools in der Unterrichtsgestaltung eingebunden. Und auch das Thema IT-Sicherheit wurde aufgegriffen.
Die Beispiele sollen im wahrsten Sinne des Wortes Schule machen, wünscht man sich nicht nur bei Bitkom, denn die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt können nur bewältigt werden, wenn sich der Nachwuchs auch abseits von TikTok und Instagram mit den Chancen, aber auch den Problemen der digitalen Möglichkeiten auskennt. „KI ist eine der wichtigsten Zukunftstechnologien. Speziell generative KI eröffnet ganz neue Chancen für das Lehren und Lernen, stellt die Bildungswelt aber auch vor die Frage, wie die Technologie eingebunden und in innovative Bildungskonzepte integriert werden kann. Die ausgezeichneten Schulen nehmen hier eine Vorreiterrolle ein und zeigen, wie das enorme Potenzial von KI in den Schulen genutzt werden kann, wenn man sich traut und neugierig ist“, so Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.
Die ersten Smart Schools wurden bereits 2016 gesucht – und seinerzeit im Rahmen des Nationalen IT-Gipfels der Bundesregierung ausgezeichnet. Seit 2018 kümmert sich Bitkom um den Wettbewerb, an dem sich regelmäßig auch Bildungseinrichtungen aus Sachsen beteiligen.
Dabei reicht die Bandbreite von Grundschulen über Gesamtschulen und Gymnasien bis zu Berufsschulen. Auch eine Deutsche Auslandsschule in den USA ist Teil des Netzwerkes, das sich zweimal im Jahr trifft, um sich auszutauschen. In Sachsen gibt es zudem mit dem Wettstreit um die „digitalen Schulen“ eine ähnliche Initiative. Auch hier wurden kürzlich weitere Preisträger-Einrichtungen ausgezeichnet. Hintergrund ist die wachsende Bedeutung der digitalen Kompetenz für den beruflichen Erfolg. Kaum eine Branche kommt heute noch ohne grundlegende Kenntnisse in diesem Bereich aus. Und sei es die, dass ein starkes Passwort im Zweifel große Schäden verhindern kann.


