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Junge Familie verwirklicht sich den Traum vom schicken kleinen Hotel in Radebeul

Ehepaar Woite macht ein altes und versteckt liegendes Haus neben Schloss Wackerbarth hübsch. In den Traum von einem Boutique-Hotel investieren sie viel Muskelkraft.
Lesedauer: 3 Minuten
Ein Paar (Frau und Mann) stehen vor einem heruntergekommenen Haus.
Seit März dieses Jahres sind Gundel und Mathias Woite die Eigentümer des Gebäudes Meißner Straße 326. Es steht bei Schloss Wackerbarth. Investoren wollten es für Neubauten abreißen. Doch sie sanieren es für Gäste. © Norbert Millauer

Radebeul. Etwas versteckt hinter hohen Sträuchern steht an der Meißner Straße in Radebeul-West ein über 100 Jahre altes Mehrfamilienhaus. Die Fassade verträgt schon seit längerer Zeit eine Schönheitskur. Diese möchten die neuen Eigentümer dem Gebäude geben, und nicht nur das.

Gundel und Mathias Woite heißen sie und wollen sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Schloss Wackerbarth den Traum von einem kleinen und feinen Hotel verwirklichen. Das Gebäude ist seit einer Woche in Gerüsten gehüllt. Innen sind die Mutter und der Vater eines dreijährigen Sohnes und einer neun Monate alten Tochter schon fleißig am Aus- und Umbau.

Boutique-Hotel ist die Idee

Gundel Woite ist 35 Jahre alt, stammt gebürtig aus Bad Liebenstein im Thüringer Wald und betreibt einen Laden für ökologische Wandfarben in Dresden. Mathias Woite zählt 39 Lenze, wuchs im ostsächsischen Hoyerswerda auf und ist bislang Elektriker von Beruf. „Seit fünf Jahren leben wir in Radebeul“, sagt das Paar. Ihr Wohnhaus befindet sich rund 300 Meter weiter westlich von dem Standort Meißner Straße 326, wo ihr Hotel entsteht. In ihrem privaten Refugium betrieben sie eine Ferienwohnung erfolgreich. Doch den Platz benötigen sie jetzt für ihr zweites Kind.

Als Gastgeber wollen sie in der Lößnitzstadt neu durchstarten. Das im Jahr 1900 erbaute Mehrfamilienhaus, das unmittelbar vor der Einfahrt zur Wackerbarthstraße steht, wenn man in Richtung Coswig fährt, verwandeln sie in ein sogenanntes Boutique-Hotel. „Das sind kleine, besonders und individuell gestaltete Hotels“, klärt Gundel Woite auf. Sie werden von Familien geführt und befinden sich in historischen Häusern. Ihre Eltern haben ein Boutique-Hotel in der thüringischen Heimat betrieben.

Haus vor Abriss bewahrt

„Ich gehe jeden Tag auf Schloss Wackerbarth spazieren“, berichtet Gundel Woite. Dabei fielen ihr die auf eine Sanierung harrenden Gebäude an der Mittleren Bergstraße auf. Mit der Idee, in einem ein Hotel zu eröffnen, trat sie an die Geschäftsführung des Staatsweingutes heran. Doch daraus wurde nichts. Jedoch erinnerte man sich im Weingut an die Familie, als der bisherige Eigentümer der Meißner Straße 326 an das Staatsweingut mit der Verkaufsabsicht seines rund 2.600 Quadratmeter großen Grundstückes herantrat. „Wackerbarth ist zu uns gekommen“, erzählt Gundel Woite und hat den Kontakt vermittelt.

Der Alteigentümer wollte nicht, dass das Gebäude mit Wohnungen auf zwei Etagen sowie unter dem Dach abgerissen wird und darauf Neubauten wie unmittelbar daneben, an der Ecke Meißner, Friedsteinstraße entstehen. Investoren hatten bei ihm schon mehrmals an die Tür geklopft. Den Vorzug gab er Familie Woite, die dem Objekt mit großem Garten eine neue Zukunft gibt. „Mitte März haben wir das Haus gekauft“, sagt die Bauherrin. Rund 650.000 Euro legten sie dafür hin. Jetzt bleibt nur noch ein kleines Budget. „Wir machen alles selbst – bis auf die Fassade“, sagt Gundel Woite. Nur für diese holen sie Profis, die die Außenhülle fachgerecht und mit ökologischen Baustoffen sanieren.

Mehr als nur Feinschliff

Das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz. „Wir hätten es sonst auch nicht angefasst“, gesteht das Paar. Sie steigt in ihrer Freizeit jetzt in den Blaumann. Er gibt seinen Job als Elektriker auf, um sich ganz dem Innenausbau zu widmen. „Von außen sieht das Gebäude schlimm aus. Doch eine solide Basis ist da“, berichten beide. In ihrem Familienkreis gibt es viele Handwerker. Diese haben sich das Objekt vor dem Notartermin genau angeschaut. So riecht es im Keller nicht modrig und feucht. Er ist trocken. Die Fenster sind alle neu und schallisoliert. Der Lärm von der Meißner Straße bleibt draußen. Bäder im Erdgeschoss hat der Vorbesitzer bereits neu machen lassen, auch die Heizung.

„Wir machen nur noch den Feinschliff“, sagt Mathias Woite. Das ist aber eine Untertreibung. So kommt der alte Fußbodenbelag raus und Parkettboden rein. Zimmer werden neu geordnet, dafür Türen verschlossen und an anderer Stelle Wände geöffnet. Mit Lehmfarben werden diese gestrichen. Für die Einrichtung haben sie schon erste Möbel im antiquarischen Schick über Kleinanzeigen erstanden. Diese bereiten sie neu auf, machen ausgediente Gegenstände wieder nutzbar, neudeutsch Upcycling genannt. „Wir renovieren nachhaltig“, sagt Gundel Woite.

Umbau in drei Stufen

Über sieben individuell gestaltete Zimmer und Suiten, darunter eine speziell für Hochzeitspaare, soll ihr Boutique-Hotel verfügen. Im Erdgeschoss fangen sie mit dem Umbau an. Zwei Suiten, ein Frühstücksraum sowie die Rezeption, wo Mathias Woite künftig Dienst tut, sollen bis zum Spätsommer dieses Jahres fertig sein und die ersten Gäste empfangen. Bis Frühjahr 2025 wollen sie vier Gästezimmer im Obergeschoss gestaltet haben. „Die oberste Etage unter dem Dach ziehen wir im nächsten Jahr dann nach“, so ihr Dreistufenplan.

Hinter dem Haus, von der Meißner Straße nicht sichtbar, steht ein alter Schuppen. Den reißen sie weg. Dort gibt es auch eine Doppelgarage. Aus dieser machen sie in zwei oder drei Jahren einen Frühstückraum. An der Ostseite des Grundstücks befindet sich noch ein Nebengebäude. Hier können sie sich einen Alterssitz für die Großeltern ihrer Kinder vorstellen. Das ist aber noch nicht abschließend geklärt.

Den Garten öffnen sie zu Schloss Wackerbarth hin, legen einen Weg hindurch an für Hochzeitspaare, die sich auf dem Staatsweingut trauen lassen. Ob Brautpaare, Familien, Geschäftsreisende oder Genuss-Urlauber – sie alle wollen Gundel und Mathias Woite in ihrem Boutique-Hotel willkommen heißen.

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