Kamenz. Wer in der Altersklasse von Oskar Berger (25) und Cedric Horn (20) unterwegs ist, kennt das Phänomen: Auf Partys oder im Fitnessstudio begegnet einem oft derselbe Parfumduft. „One Million“ hier, Standard-Aromen dort. Alles rieche ein wenig gleich. Das meinen zumindest die beiden Jungunternehmer.
Die jungen Kamenzer wollen das ändern. Mit ihrer neu gegründeten GbR „Patisserie Parfumes“ bringen sie seit einigen Monaten Exotik und Individualität in die Lessingstadt – und weit darüber hinaus.
Ein Zufallsfund kurz vor Ladenschluss
Die Geschichte ihrer kleinen Firma begann 2017, weit weg von Sachsen. Oskar Berger verbrachte mit seiner Familie den Urlaub auf der Karibikinsel Martinique. Kurz vor Ladenschluss stolperten sie über ein familiengeführtes Unternehmen: „Parfums des Îles“.
Man öffnete extra noch einmal die Türen – ein Moment, der Oskar Bergers Sicht auf Düfte nachhaltig verändern sollte. Die Basis dieser besonderen Parfums sei so authentisch wie die Insel selbst, sagt er.
Vom leeren Flakon zur Geschäftsidee
Wieder zu Hause in Kamenz, wurden die mitgebrachten Flakons irgendwann leer. Und die Nachbestellung aus der Karibik gestaltete sich schwierig: Wochenlange Lieferzeiten und komplizierte Importwege trübten die Freude. Hier keimte in Oskar Berger der Gedanke: Warum den Vertrieb für Deutschland nicht einfach selbst in die Hand nehmen?
Freunde und Kumpels hätten ihn immer wieder darauf angesprochen, wie außergewöhnlich er dufte. Viele wollten eine Empfehlung. „Auch meine Familie trägt die Düfte schon lange“, so Oskar Berger. Die Sammelbestellungen nahmen zu.

Quelle: Matthias Schumann
Doch eine Firma gründet man nicht allein zwischen Tür und Angel. Im Fitnessstudio hatte Oskar Berger vor einigen Jahren Cedric Horn kennengelernt. Obwohl beide beruflich und im Studium voll eingespannt sind, matchte es sofort.
Dabei haben die zwei genug um die Ohren. Oskar Berger arbeitet im elterlichen Betrieb, dem Fahrzeug- und Stahlbau Feuchtemeyer in Kamenz, und studiert nebenbei Fahrzeugtechnik. Cedric Horn absolviert ein duales Studium zum Wirtschaftsingenieur in Bautzen.
Strategie in der Sauna: Hand und Fuß muss es haben
Die Entscheidung fiel dann schnell in der entspannten Atmosphäre einer Sauna. Beide lieben gute Düfte und verbinden damit Freiheit, Urlaub, Lebensfreude und Stil. Oskar Berger wusste, dass er für sein Vorhaben jemanden braucht, der die Zahlen im Griff hat.
„Es musste von Anfang an Hand und Fuß haben“, so der 25-Jährige. Cedric Horn, der sich im Studium intensiv mit Wirtschaftsprozessen befasst, war Feuer und Flamme für die Rolle des Finanz- und Buchhaltungsexperten im Hintergrund.
Mit einem Koffer aus den 1920er-Jahren
Der entscheidende Moment der Firmengründung fand aber nicht am Schreibtisch statt, sondern etwas später bei einem Treffen in Paris. Oskar Berger und Cedric Horn flogen im vorigen Sommer in die französische Metropole. Im Gepäck: ein leerer nostalgischer Koffer aus den 1920er-Jahren.
Dort trafen sie die Inhaberin des Familienunternehmens „Parfums des Îles“ und deren Tochter persönlich. „Nur mailen war uns zu lapidar“, sagen die Firmengründer. Und die Chemie stimmte. Mit dem alten Koffer voller Duftproben und der Zusage, den deutschlandweiten Vertrieb zu übernehmen, kehrten sie nach Kamenz zurück.
Ich glaube, man muss im richtigen Moment am richtigen Ort sein und auch einfach etwas wagen. – Oskar Berger, Jungunternehmer aus Kamenz
„Netzwerken ist in der Branche alles. Ich glaube, man muss im richtigen Moment am richtigen Ort sein und auch einfach etwas wagen“, so Oskar Berger.
Die Marke, die die beiden nun vertreten, wurde 1996 auf Martinique gegründet und betreibt heute Boutiquen in Sainte-Luce und Trois-Îlets sowie auf Guadeloupe. Das Besondere ist die Basis der Düfte: Statt auf industriellen Alkohol setzen die Parfümeure auf Zuckerrohr-Alkohol – das Sinnbild Martiniques.
Handwerk des Luxus statt Industrieware
„Die Düfte fangen die Essenz der Karibik ein. Neben sieben Originaldüften der Marke haben wir auch zwei eigene Kreationen für Frauen und Männer erschaffen, die jetzt für uns produziert werden“, sagt Oskar Berger.
Wer denkt, die Jungs würden einfach nur Flakons verkaufen, irrt. Hinter dem Projekt steckt Fachwissen. „Wir haben uns intensiv mit der Architektur eines Duftes beschäftigt – von der flüchtigen Kopfnote über das Herz bis zur lang anhaltenden Basisnote“, erklärt Oskar Berger.
Statt künstlicher, überteuerter Markenprodukte liefern wir hochwertige Naturparfums und Raumdüfte, die Emotionen wecken. – Oskar Berger, Jungunternehmer aus Kamenz
Die Essenzen lesen sich wie eine Reisebeschreibung: Jasmin, Rose, Vanille, Ylang-Ylang, Patchouli, Porzellanblume, Tiaré-Blüte oder spritzige Limette. Alles Dinge, die auf Martinique selbst gedeihen.
„Unsere Mission ist es, den Parfümmarkt neu zu definieren. Statt künstlicher, überteuerter Markenprodukte liefern wir hochwertige Naturparfums und Raumdüfte, die Emotionen wecken, Wiedererkennung schaffen und Menschen begeistern“, so Oskar Berger.
Große Träume und Ambitionen
Das Hauptquartier der GbR befindet sich derzeit noch im letzten freien Zimmer von Oskar Bergers Wohnung. Da lagern die Schätze bei idealen 18 bis 20 Grad, denn Licht und Wärme seien Feinde eines guten Parfums. Kunden bis aus Tokio oder den USA bestellen mittlerweile bei ihnen.
Dass die beiden groß träumen, beweist auch ihr Vorstoß in die Welt der Hotellerie und Luftfahrt. Neben Parfums vertreiben sie nämlich exklusive Raumöle, die mittels Diffusor eine unvergleichliche Atmosphäre schaffen. Ein Testlauf im örtlichen Fitnessstudio war ein voller Erfolg.
Wir haben nichts zu verlieren. Wer nicht fragt, bekommt kein Ja. – Oskar Berger und Cedric Horn, Jungunternehmer aus Kamenz
Nun pokern sie hoch: Warum sollte es im Hilton oder in einer First-Class-Lounge eines Flughafens nicht nach Martinique duften? Eine erste Antwort von Singapore Airlines haben sie bereits erhalten. Zwar war es zunächst nur der Hinweis auf den richtigen Ansprechpartner, doch für die zwei ist das ein Ansporn: „Wir haben nichts zu verlieren. Wer nicht fragt, bekommt kein Ja“, meinen sie.
Trotz großer Ambitionen bleiben sie auch der Heimat treu. Am 11. April 2026 laden sie von 14 bis 18 Uhr zur großen Schnupperparty ein. Im Garten der Familie Berger mit historischem Pavillon an der Breiten Straße 2 können Interessierte dann Düfte in entspannter Atmosphäre testen.
SZ


