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Trotz Bestnoten: Warum der Berufseinstieg für Absolventen in Sachsen gerade so schwer ist

Die Arbeitslosenquote unter Akademikern in Sachsen ist so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Besonders Berufseinsteiger haben es schwerer als früher. Warum Experten trotzdem optimistisch sind und welche Tipps sie geben.

Lesedauer: 2 Minuten

Seit März sucht Masterabsolvent Hagen Berning nach einem Job - bisher ohne Erfolg. Wie ihm geht es aktuell immer mehr Studienabsolventen in Sachsen. Quelle: Thomas Kretschel

Von Johann-Christoph Landgraf

Dresden/Sa. Hagen Berning sitzt in der Bibliothek der TU Dresden. Sein Laptop ist aufgeklappt, der Bildschirm voller geöffneter Tabs: LinkedIn, Stellenausschreibungen und Bewerbungsentwürfe.

Schon seit März ist der 26-jährige Masterabsolvent des Studiengangs Internationale Beziehungen auf Jobsuche. Seine Tage folgen einer ähnlichen Routine: „Ich gehe morgens in die Bibliothek, schaue nach neuen Stellen und schreibe Bewerbungen“, sagt er nüchtern. Rund 40 Bewerbungen hat er bereits verschickt – bislang jedoch ohne Erfolg.

Dabei kann Berning einige Qualifikationen vorweisen: Seinen Master hat er mit der Note 1,4 abgeschlossen, er spricht drei Sprachen fließend und sammelte bei mehrmonatigen Auslandspraktika in Lateinamerika internationale Berufserfahrung.

Berufseinsteiger treffen auf stärkere Konkurrenz

So wie ihm geht es derzeit vielen Studienabsolventen. Laut der Agentur für Arbeit ist die Arbeitslosenquote unter Akademikern in Sachsen auf 3,8 Prozent gestiegen – der höchste Stand seit 2015. Zudem hat sich die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (Juli 2024 bis Juni 2025) von 121 auf 136 Tage erhöht.

Besonders Berufseinsteiger bekämen die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt zu spüren, erklärt Frank Vollgold von der Arbeitsagentur Sachsen. „Junge Uni-Absolventen konkurrieren bei der Jobsuche derzeit mit arbeitslosen Akademikern und Jobwechslern um verfügbare Stellen und bringen dabei häufig nicht die geforderte Berufserfahrung mit“, sagt Vollgold.

Auch Kathy Küchenmeister, stellvertretende Leiterin des Career Service der Technischen Universität Dresden, verzeichnet seit dem vergangenen Jahr deutlich mehr Beratungsanfragen zum Berufseinstieg nach dem Abschluss. Besonders schwierig sei die Situation für Absolventinnen und Absolventen von Studiengängen ohne klar definiertes Berufsbild, etwa in den Sozial- und Geisteswissenschaften.

Zugleich macht Küchenmeister zwei weitere Entwicklungen aus: Zum einen meldeten sich zunehmend Absolventinnen und Absolventen, die bereits seit längerer Zeit erfolglos nach einer Stelle suchten. „Zum anderen verzeichnen wir eine steigende Nachfrage aus Fachrichtungen wie Informatik, in denen der Berufseinstieg bislang als vergleichsweise unkompliziert galt“, sagt sie.

Praxiserfahrung und Netzwerke werden wichtiger

Angehenden Akademikern empfiehlt sie deshalb: „Nutzen Sie die Studienzeit auch, um durch Praktika, Werkstudierendentätigkeiten oder Nebenjobs Praxiserfahrungen zu sammeln.“ Ebenso wichtig sei der Aufbau eines beruflichen Netzwerks durch den Besuch von Jobmessen, Unternehmensveranstaltungen oder Alumni-Netzwerken.

Claudia Schoder vom Career Service der Universität Leipzig rät zudem, sich frühzeitig über mögliche Stellen zu informieren. So lasse sich herausfinden, welche Tätigkeiten infrage kommen und was Arbeitgeber erwarten. Wer schon während des Studiums Zusatzqualifikationen, wie beispielsweise Projektmanagement erwirbt, könne damit beim Berufseinstieg punkten.

Demografischer Wandel eröffnet neue Chancen

Trotz der aktuellen Entwicklung sieht Frank Vollgold für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger grundsätzlich Perspektiven. „Trotz der gestiegenen Arbeitslosenzahl werden Akademiker gebraucht“, betont er.

Hintergrund sei vor allem der demografische Wandel: Jedes Jahr gingen dem sächsischen Arbeitsmarkt durch den Renteneintritt der Babyboomer zwischen 20.000 und 30.000 Beschäftigte verloren. Dadurch entstehe ein anhaltender Ersatzbedarf, der auch in wirtschaftlich schwächeren Phasen zu Neueinstellungen führe.

Zudem verweist die Arbeitsagentur auf erfolgreiche Vermittlungen: Allein in den vergangenen zwölf Monaten hätten rund 17.000 arbeitslose Akademikerinnen und Akademiker in Sachsen wieder eine Beschäftigung gefunden.

Auch Hagen Berning versucht, optimistisch zu bleiben. Zur Not müsse man seine Erwartungen eben etwas senken: „Irgendwas werde ich finden und wenn der erste Job nicht gleich der Traumjob ist, dann ist das so. Dann wird es vielleicht der zweite oder der dritte.“

SZ

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