Von Annett Kschieschan
Dresden. Der Sommer ist da – statt entspannter Urlaubslaune herrscht in vielen sächsischen Unternehmen aber nach wie vor eher Krisenstimmung. Die Wirtschaftslage bleibt angespannt und ist von hohen Energiekosten, Kaufzurückhaltung und vielen Unsicherheiten geprägt. Das zeigt auch ein Blick in den Geschäftsklimaindex der Creditreform Dresden.
Wenig Hoffnung im Verarbeitenden Gewerbe
Kaum Optimismus gibt es derzeit im Verarbeitenden Gewerbe. Dementsprechend ist der Geschäftsklimaindex weiter gesunken, wenn auch nur leicht. So bewerten speziell Industrieunternehmen ihre aktuelle Lage zwar geringfügig besser als noch vor einigen Monaten, dafür senkten sie ihre Erwartungen an die künftige Entwicklung deutlich.
Dienstleister schauen skeptisch in die Zukunft
Der Dienstleistungssektor profitiert von den politischen Reaktionen auf den Strukturwandel. So konstatiert man bei Creditreform einen Anstieg des Unternehmensbestandes. Doch auch hier schauen viele Betriebe eher skeptisch in die Zukunft. Sie vermelden etwas schlechtere Geschäfte und reduzierten ihre Erwartungen an die kommenden Wochen.
Der Einzelhandel setzt auf bessere Tage
Etwas positiver blickt der Einzelhandel in die Zukunft. Viele Unternehmen setzen trotz der schlechten Ausgangslage auf bessere Tage. Anders der Großhandel – hier reduzieren sich die Erwartungen und auch die gegenwärtige Situation wird von den Betrieben eher negativ bewertet. Die Digitalisierung, das veränderte Kaufverhalten vieler Kunden und nicht zuletzt der hohe Insolvenzstand belasten die Stimmung in der Branche nachhaltig.
Lage im Bauhauptgewerbe stabilisiert sich
Im Bauhauptgewerbe hat sich die Auftragslage deutlich stabilisiert. Infolgedessen bewerten die Unternehmen ihre Situation positiver als noch vor einigen Monaten. „Dennoch bleiben die Erwartungen mäßig und sind etwas pessimistischer als zuvor“, so die Einschätzung der Creditreform.
Das Dilemma der Wirtschaft lässt sich nicht auf eine Ursache zurückführen. Die Nachwirkungen der Pandemie, die Energiekrise, die weltpolitischen Verwerfungen mit ihren Folgen für Preise und Lieferketten – all das hat vor allem dem Mittelstand zugesetzt. Eine Folge: steigende Insolvenzzahlen in den Jahren 2024 und 2025. Besonders betroffen sind die Innenstädte, die zunehmend von Leerstand geprägt sind. Der Einzelhandel gehört zu den am stärksten schrumpfenden Wirtschaftsbereichen in Deutschland. Eine der alarmierenden Zahlen aus der Analyse der Creditreform: Jedes dritte Geschäft mit einem Jahresumsatz von unter 250.000 Euro schließt. Ähnlich gebeutelt sind Gastronomiebetriebe. Allein im vergangenen Jahr wurden rund 2.900 Insolvenzen angemeldet – mehr als doppelt so viele wie 2022. Zu den bekanntesten betroffenen Unternehmen gehört die unter anderem auch in Dresden vertretene Cocktail- und Restaurantkette Sausalitos. 12.300 Betriebe mussten vollständig schließen. Die Absenkung der Umsatzsteuer sei für viele Firmen zu spät gekommen, konstatieren die Experten. Aber auch die steigende Präsenz von Lieferdiensten spiele eine wichtige Rolle.
Immerhin: Trotz schwacher Konjunktur, hoher Preise und der anhaltenden Investitionszurückhaltung vieler Unternehmen bleibt die Zahlungsmoral stabil. In Sachsen liegt der branchenübergreifende Zahlungsverzug bei sechs Tagen.
Aufatmen könne die Wirtschaft dennoch nach wie vor nicht, so das Fazit. „Immer mehr Betriebe setzen auf den Zusammenhalt ihrer Liquidität, anstatt zu investieren. Das könnte sich merklich auf die Wettbewerbsfähigkeit der jeweiligen Standorte auswirken“, lautet die Einschätzung der Creditreform. Auch die Anzahl der Unternehmen beziehungsweise Institutionen mit Zahlungsverzug nimmt demnach weiter zu. Besonders betroffen sind hier das Gesundheitswesen, kirchliche Einrichtungen und die öffentliche Hand.


