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Keulahütte setzt auf digitale Wasserüberwachung und neue Jobs

Das mittelständische Unternehmen in Krauschwitz gehört zu den wichtigsten Arbeitgebern im Norden des Kreises Görlitz. Hohe Energiekosten kontert die Firma mit Investitionen und klugen Ideen.

Lesedauer: 3 Minuten

Steffen Hundro gehört in der Keulahütte in Krauschwitz zu den alten Hasen. Mit einer Betriebszugehörigkeit von 51 Jahren kann ihm keiner so leicht etwas vormachen. Im Hintergrund wird flüssiges Gusseisen aufbereitet, um es dann weiterzuverarbeiten. Quelle: Joachim Rehle

Von Joachim Rehle

Krauschwitz. 570 Jahre Eisen, 230 Jobs, Millionen-Investitionen – Die Keulahütte in Krauschwitz trotzt den wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Zwischen flüssigem Eisen und digitaler Zukunft. Schon am Werkstor der Keulahütte wird klar: Hier wird nicht über Strukturwandel geredet, hier wird gearbeitet. Lastwagen rollen über das Gelände, Gabelstapler sind unterwegs, aus den Hallen dringen Maschinenlärm und Metallgeräusche. Sylke Herkner behält den Überblick und sorgt dafür, dass Besucher sicher ihren Weg finden.

Wenige Minuten später empfängt Chefsekretärin Nicole Breitenstein die Gäste im Verwaltungsgebäude und führt sie hinauf zu Geschäftsführer Friedrich Greiser. „Unsere Produkte sieht kaum jemand, aber jeder braucht sie“, sagt Greiser gleich zu Beginn des Gesprächs. Tatsächlich verschwinden die in Krauschwitz gefertigten Formstücke, Armaturen und Hydranten meist unsichtbar unter Straßen und Gehwegen. Dort verrichten sie oft länger als ein Jahrhundert ihren Dienst.

Unsere Produkte sieht kaum jemand, aber jeder braucht sie.

Friedrich Greiser

Geschäftsführer

Hohe Energiepreise belasten auch die Keulahütte

Doch wie zukunftsfähig ist ein traditionsreicher Gießereibetrieb in Zeiten explodierender Energiepreise? „Natürlich spüren wir die hohen Energiekosten. Eine Eisengießerei braucht viel Energie. Das ist eine Herausforderung“, räumt Greiser ein.

Geschäftsführer Friedrich Greiser zeigt die neue Generation von Ventilen. Hightech-Sensoren sollen Wasserverluste und Rohrbrüche künftig noch schneller aufspüren.
Geschäftsführer Friedrich Greiser zeigt die neue Generation von Ventilen. Hightech-Sensoren sollen Wasserverluste und Rohrbrüche künftig noch schneller aufspüren.
Quelle: Joachim Rehle

Kritische Stimmen fragen deshalb, ob energieintensive Industriebetriebe in Deutschland überhaupt noch eine Zukunft haben. Greiser hält dagegen: „Unsere Eigentümer bekennen sich klar zum Produktionsstandort Europa. Wir investieren weiter und stellen Mitarbeiter ein. Das wäre nicht der Fall, wenn wir nicht an die Zukunft dieses Standortes glauben würden.“

Produktion lebt von regionalem Stahlschrott

Tatsächlich sprechen die Zahlen für sich. Rund 3,5 Millionen Euro wurden in den vergangenen Jahren in moderne Maschinen, energieeffiziente Anlagen und neue Produktionsbereiche investiert. Weitere Bauvorhaben sind bereits geplant.

Auch beim Thema Nachhaltigkeit sieht sich das Unternehmen gut aufgestellt. „Viele reden über Recycling. Wir machen es jeden Tag“, sagt Greiser und verweist auf die Rohstoffe. Die Produkte der Keulahütte entstehen überwiegend aus regionalem Stahlschrott.

Nach ihrer langen Lebensdauer können die Produkte erneut eingeschmolzen und wiederverwertet werden. Doch Kritiker wenden ein, dass auch die Herstellung von Gusseisen erhebliche Mengen Energie benötigt. „Das stimmt“, sagt Greiser. „Aber unsere Produkte halten oft mehr als 100 Jahre. Außerdem entsteht daraus am Ende wieder ein neues Produkt. Das ist ein echter Kreislauf.“

Längst beschränkt sich die Keulahütte nicht mehr auf klassische Gusstechnik. Die Schweizer Von Roll Gruppe entwickelt digitale Systeme zur Überwachung von Trinkwassernetzen. Sensoren und Messgeräte helfen dabei, Leckagen frühzeitig aufzuspüren.

„In Deutschland gehen sieben bis 15 Prozent des Trinkwassers durch Verluste verloren“, erklärt Greiser. „In vielen Ländern liegt der Wert sogar deutlich höher.“ Mit dem Konzept „Zero Water Loss“ verfolgt das Unternehmen das Ziel, diese Verluste nachhaltig zu reduzieren.

200 Beschäftigte und 13 Auszubildende hat das Unternehmen

Beeindruckend sind auch die Dimensionen der Produktion. Vom kleinen Formstück bis zum mehrere Tonnen schweren Gussteil reicht die Palette.

Rund 6000 Tonnen Produkte verlassen jährlich die Werkhallen. Mit etwa 200 Beschäftigten und 13 Auszubildenden gehört die Keulahütte zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region. Weitere Mitarbeiter sollen übernommen werden. Die Belegschaft könnte dadurch auf rund 230 Beschäftigte anwachsen. „Wir sind hier wie eine große Familie“, sagt Greiser. Viele Mitarbeiter arbeiten seit Jahrzehnten im Unternehmen. Einige Familien sind bereits über Generationen mit der Hütte verbunden.

Zwischen historischen Backsteingebäuden, modernsten CNC-Anlagen und glühendem Eisen zeigt sich ein bemerkenswerter Kontrast: 570 Jahre Industriegeschichte treffen auf digitale Wasserüberwachung des 21. Jahrhunderts. Und so steht der Barbaraturm auf dem Werksgelände nicht nur für die Schutzpatronin der Bergleute und Gießer. Er steht auch symbolisch für einen Betrieb, der seine Tradition bewahrt und dennoch den Blick nach vorn richtet.

SZ

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