Limbach-Oberfrohna. Unbezahlte Überstunden, Schwarzarbeit, nicht versicherte Mitarbeiter – die Paketbranche steht deutschlandweit schon lange in der Kritik. Der ehemalige Subunternehmer Tino Uhlig, der jahrelang für DPD im Chemnitzer Umland tätig war, hat nun seltene Einblicke in das Geschäft gegeben. Seine Schilderungen sind Teil einer anderthalbstündigen Reportage des Investigativjournalisten Günter Wallraff. Sie wurde am Mittwochabend bei RTL ausgestrahlt und erreichte rund 1,3 Millionen Menschen.
Er sei durch einen Bekannten, der schon als DPD-Subunternehmer tätig war, angesprochen worden, sagt Uhlig im Gespräch mit Wallraff. Uhlig fing zunächst als Fahrer an und übernahm dann als Subunternehmer eigene Touren. Wie in dem Report erklärt wird, bedeutet dies, dass der Subunternehmer einen Fahrer und einen Transporter bereitstellt. DPD bestimme dann, in welchem Gebiet der Fahrer die Pakete ausliefern dürfe. Uhlig begann mit drei und steigerte auf zwischenzeitlich zwölf Touren.
Versprochener Umsatz wurde nie erreicht
Laut Uhlig zahlte DPD 2,20 Euro pro zugestelltem Paket. Bei durchschnittlich 100 Paketen pro Tour seien rund 6000 Euro Umsatz pro Tour monatlich versprochen worden. Doch diese Summe sei nie gewährleistet worden, sagt Uhlig. „Wenn man die Summe nicht erreicht: Pech gehabt. Wenn man über mehrere Monate drüber ist, wird der Paketpreis eingekürzt.“
„Es gab gute Monate und schlechte“, sagt Uhlig. In den neun Jahren, in denen Uhlig für DPD tätig war, seien paketstarke Touren hinzugekommen, aber auch wieder weggenommen worden. Uhlig geriet in finanzielle Abhängigkeit zu DPD. In Gesprächen mit dem Depotleiter sei ihm gesagt worden, dass seine Kosten zu hoch seien. „Man reibt sich jeden Tag auf – Montag bis Samstag“, sagt Uhlig. Am Ende stehe eine rote Zahl.
In Angestelltenverhältnis gewechselt
Uhlig musste, da er ein Einzelunternehmer war und die laufenden Kosten für die Auslieferungen nicht mehr mit dem Umsatz deckeln konnte, Privatinsolvenz anmelden. Rund 40.000 Euro an eigenem Geld steckte Uhlig in sein Unternehmen. Laut der Wallraff-Recherche ist Uhlig einer von zahlreichen DPD-Subunternehmern, die jährlich Konkurs anmelden. Andere beschäftigen ihre Mitarbeiter schwarz oder sparen an nötigen Reparaturen für die Paket-Transporter, heißt es in dem Beitrag.
Wie die Freie Presse berichtet, arbeitet Uhlig jetzt in einem festen Angestelltenverhältnis. Er schätze die Sicherheit, die ihm die Kranken- und Rentenversicherung gebe, sagt er.
Zoll entdeckt Unregelmäßigkeiten bei jedem siebten Zusteller in Sachsen
Bei einer bundesweiten Kontrollaktion gegen Schwarzarbeit hatte der Zoll am Mittwoch in Sachsen bei knapp jedem siebten Paketzusteller Unregelmäßigkeiten festgestellt. Bei 65 der insgesamt rund 480 in Sachsen kontrollierten Beschäftigten ergab sich der Verdacht auf Verstöße, hieß es.
Am häufigsten ging es um Versäumnisse bei der pflichtgemäßen Anmeldung von Angestellten bei der Rentenversicherung. Auch bei der Einhaltung des gesetzlichen Mindestlohnes und aufenthaltsrechtlicher Vorschriften wurden Unregelmäßigkeiten festgestellt.
Laut Dresdner Hauptzollamt stellten die Kontrolleure zudem immer wieder fest, dass Überstunden, Zeiten für die Beladung der Fahrzeuge oder Fahrten zwischen den Paketzentren und dem ersten Zustellort nicht entlohnt werden.
SZ


