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Kommt jetzt die Rückkehr ins Büro?

Eine Pflicht für Homeoffice gibt es nicht mehr. Folgt nach der Euphorie jetzt das Comeback des Büros? Wie die Lage in Sachsen derzeit ist.
Lesedauer: 3 Minuten
Ein Mann schaut während einer Videokonferenz auf einen Bildschirm.
Das Arbeiten im Heimbüro hat viele Vorteile, kann aber auch zu Problemen führen. Gute Kommunikation kann die meisten davon lösen. Foto: Adobestock

Von Natalie Stolle

Dresden. Seit der Pandemie sind Homeoffice oder mobiles Arbeiten auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr wegzudenken. Während Corona noch Pflicht, gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch keine gesetzlichen Regelungen, laut Bundesarbeitsministerium. Dennoch ist es mehr denn je gefragt, bestätigt Jean-Victor Alipour, wissenschaftlicher Mitarbeiter für Industrieökonomik und neue Technologien beim Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung.
Vor Corona lag der Anteil der Beschäftigten in Deutschland, die Homeoffice genutzt haben, noch bei fünf bis zehn Prozent. Inzwischen nutzt jeder vierte die Möglichkeit, abseits des Arbeitsplatzes zu arbeiten. Dabei würden aber eher weniger Menschen komplett remote arbeiten, die meisten ziehen nach Umfragen des Ifo-Instituts eine Mischform vor, so Alipour. Ob Homeoffice möglich ist, würde aber auch von der Größe des Unternehmens abhängen. Kleinere Betriebe würden im Schnitt mit 20 Prozent deutlich weniger mobile Arbeitsmöglichkeiten bieten. Ebenfalls entscheidend sei die Art der Beschäftigung. Am häufigsten würden Dienstleister von zu Hause aus arbeiten, in der Industrie seien es, laut Ifo, 16 Prozent, im Handel 12 und in der Baubranche nur fünf Prozent. Auch in sächsischen Betrieben gibt es eine positive Trend-Entwicklung von hybriden Arbeitsmodellen, wie unsere Nachfragen zeigen. Die Ostsächsische Sparkasse Dresden bezeichnet Homeoffice bereits als „festen Bestandteil der Arbeitswelt.“ Doch auch hier gebe es Aufgaben, die sich nicht von daheim erledigen lassen, wie die Kundenberatung. Nach Absprache mit dem Vorgesetzten sei es bei der Sparkasse möglich, bis zu 40 Prozent im Homeoffice zu arbeiten. Allerdings würden viele Mitarbeiter die Arbeit im Büro bevorzugen und vor allem den Kontakt mit Kollegen sehr schätzen, so ein Sprecher.
Bei Volkswagen gibt es ebenfalls Bemühungen eine Balance zwischen den verschiedenen Arbeitsformen zu schaffen. Für die Mitarbeitenden bedeutet das, sie können zwischen einem bis maximal vier Tage pro Woche mobil arbeiten, wobei sich die flexiblen Tage innerhalb eines Monats verteilen dürfen.
Dass Homeoffice aber nicht erst seit Corona eine Möglichkeit ist, bestätigt der Softwareentwickler Staffbase. Ein Sprecher sagte, schon vor Corona hätten viele Kollegen an einem Tag der Woche zu Hause gearbeitet. Seitdem würden mehr Mitarbeitende das Angebot nutzen. Das Unternehmen wolle damit den Mitarbeitenden entgegenkommen und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben schaffen. An den sächsischen Standorten mit 277 Mitarbeitern wird zurzeit ein Modell von zwei Tagen im Büro und drei Tagen daheim arbeiten angeboten.

Bereits im Arbeitsvertrag vermerkt
Bei der Krankenkasse AOK Plus sind im dritten Quartal 30 Prozent der Mitarbeitenden im Homeoffice tätig gewesen, so ein Sprecher. Einige Mitarbeitende wären aber aufgrund der Tätigkeit nicht in der Lage, ihre Arbeit daheim zu verrichten. Das betrifft zum Beispiel Mitarbeiter in der Kundenberatung oder der Poststelle. Weiterhin gibt die AOK an, dass zum 1. Juli 2023 2.035 Mitarbeiter bereits in ihrem Arbeitsvertrag die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten vermerkt haben. Das entspräche 28,7 Prozent der Mitarbeitenden, die so mehr als drei Tage die Woche nicht vor Ort arbeiten würden. Anders sieht es bei der IKK classic aus, wo 76 Prozent der aktiven Beschäftigten das häusliche Arbeiten nutzen würden. Tendenziell sei ein Anstieg zu beobachten, so ein Sprecher. Ein Blick auf die Stellenanzeigen in Sachsen zeigt ebenfalls, viele Unternehmen bieten Homeoffice oder hybride Modelle an. In Dresden sind es 17 Prozent, in Leipzig 20 Prozent, bestätigt Alipour. Mehr Homeoffice-Stellen könnte zudem auch die Situation von Müttern verbessern, die wieder ins Arbeitsleben einsteigen wollen, so Alipour.
Generell würde Homeoffice nach Ifo-Umfragen zu einer besseren Zufriedenheit führen und Mitarbeitende würden seltener kündigen. Auch für Unternehmen könnte hybrides Arbeiten profitabel sein. Es würde Kosten für Büros sparen und man könne internationale Bewerber in Betracht ziehen, bestätigt der Experte.
Wichtig sei aber, nach seiner Ansicht, die Kommunikation des Unternehmens mit den Angestellten, wie auch der Fall vom Softwarekonzern SAP zeigt. Im Januar gab es bei SAP einen Angestelltenprotest, nachdem bekannt wurde, dass die Mitarbeitenden bis April wieder zu drei Tagen Büroanwesenheit verpflichtet werden, was ein Sprecher von SAP auch bestätigt hat. Der Konzern begründete die Entscheidung gegenüber dem Handelsblatt mit dem Wunsch, so neue Mitarbeitende einarbeiten zu können.

Klare Kommunikation ist wichtig
In diesem wie auch in anderen Fällen wäre die Kommunikation „von oben herab“ geschehen, so Alipour. Vermutlich wäre nicht erklärt worden, warum diese Entscheidung getroffen wurde. Mitarbeitende auf diesem Weg zurück ins Büro zu holen, kann möglicherweise aber auch eine Methode sein, bewusst Stellen zu streichen, sagt der Experte. Er erinnert damit an die Twitter-Übernahme durch Elon Musk, der seine Angestellten zurück ins Büro beorderte und somit gleichzeitig Arbeitsplätze einsparte.
Besser wäre in einem solchen Fall eine klare Kommunikation, so Alipour. Es könnte auch helfen, für regelmäßigen Austausch im Unternehmen, Schulungen und Firmenevents zu sorgen, um Mitarbeitende zu motivieren. Ganz abschaffen ließe sich das Konzept Homeoffice allerdings nicht mehr. „Der Trend wird weiter zunehmen“, sagt Alipour mit Blick in die Zukunft. Das würde zum einen am Fachkräftemangel liegen, zum anderen würde aber auch der technische Wandel das Arbeiten zu Hause immer einfacher machen. Und irgendwann würde ja auch die Generation, die jetzt noch angestellt, aber schon mit Homeoffice vertraut ist, in die Chefetage wechseln. „Ungeachtet der Debatten um die Rückkehr ins Büro bei einzelnen Unternehmen hat sich Homeoffice in Deutschland fest etabliert“, fasst Alipour zusammen.

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