Senftenberg/Hoyerswerda. Ein Stück Seenland-Traum wird jetzt Realität. Dieser Traum soll den Tourismus, aber auch die Wirtschaft im Lausitzer Seenland ankurbeln. Vollziehen soll sich dieser Traum am Nordufer des Sedlitzer Sees.
Wer die Bundesstraße 156 zwischen Schwarze Pumpe und Senftenberg Richtung Westen fährt, kommt kurz hinter dem Abzweig nach Klein Partwitz an Windrädern vorbei. Ein, zwei Autominuten später zweigt links ein unspektakulärer Weg zum Sedlitzer See ab. Dort abzubiegen, bringt im Moment weder Touristen noch Unternehmern viel. Es bietet sich zwar ein schöner Blick auf den bald nutzbaren See. Doch sonst ist bis auf leere Straßen und Laternenmasten dort nichts los. Das soll sich jetzt ändern.
Unternehmer wollen an den See
Die Stadt Senftenberg will diese Gewerbeflächen nun vermarkten – und damit das erste und einzige maritime Gewerbegebiet im Lausitzer Seenland schaffen. Bis Mitte November 2025 hatten Interessierte Zeit, sich um Flächen zu bewerben. Inzwischen hat die Senftenberger Stadtverwaltung die ersten Angebote sondiert. „Aktuell befinden wir uns in einer vertieften Auswertungs- und Abstimmungsphase mit den Bewerbern“, teilt Senftenbergs Pressesprecherin Andrea Budich mit. Klar ist: Die Stadt Senftenberg verzeichne ein „sehr hohes Interesse an den Gewerbeflächen im Gewerbegebiet Sedlitzer Nordufer“.
Was sich die Stadtverwaltung Senftenberg wünscht: Am Sedlitzer Nordufer, das über die B156 erschlossen und nur rund zehn Autominuten von der A13 (Auffahrt Großräschen/Freienhufen) entfernt ist, soll einen maritimen Charakter bekommen. „Ziel ist die Ansiedlung von produzierendem Gewerbe sowie handwerklichen und technischen Dienstleistungen mit eindeutigem Wasser- beziehungsweise Seenlandbezug. Reine Handelsnutzungen oder nicht wasserbezogene Gewerbe sind an diesem Standort ausgeschlossen“, sagt Budich.
Maritimes Gewerbe bevorzugt
Beim Gewerbegebiet Sedlitzer Nordufer geht es um eine Fläche von insgesamt etwa 22 Hektar, teilweise mit direktem Zugang zum Wasser. Die Stadtverwaltung Senftenberg plant mit etwa 30 Grundstücken für Unternehmen. Interesse an diesen Flächen scheint es reichlich zu geben. „Ein zweistelliger Kreis von Unternehmen hat konkretes Bau- oder Investitionsinteresse signalisiert“, so Budich. Die Bandbreite reiche von Bootsbau und -service über Wartungs-, Reparatur- und Ausrüstungsbetriebe bis zu innovativen maritimen Dienstleistungsansätzen und sogar Werften, heißt es weiter.

Quelle: Steffen Rasche / LMBV
Woher die Interessenten kommen: Einige stammen laut Senftenberger Stadtverwaltung aus der Lausitz, andere aber auch aus verschiedenen Regionen Deutschlands. Ein besonderer Grund dafür seien die Alleinstellungsmerkmale des Lausitzer Seenlandes.
Wo sich Freizeitkapitäne und Wassersportler tummeln, da braucht es auch maritimes Gewerbe vor Ort. – Andreas Pfeiffer (CDU), Bürgermeister der Stadt Senftenberg
Der Ausbau des Gewerbegebiets „Nordufer Sedlitzer See“ hat bereits 2019/2020 stattgefunden. Die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) hatte das Projekt nach eigenen Angaben mit gut 7,3 Millionen Euro gefördert. Seitdem liegt das Areal in einer Art Dornröschenschlaf. Doch es gibt einen Grund, weshalb die Senftenberger Stadtverwaltung die Flächen erst jetzt vermarktet.
Es hat mit der Bergbausanierung zu tun: Der Sedlitzer See ist in den vergangenen Jahren eine Art „Drehscheibe“ für die Flutung und Wasserbewirtschaftung des Lausitzer Seenlandes gewesen – unter anderem für den Großräschener See. „In dieser Phase standen wasserwirtschaftliche Anforderungen klar im Vordergrund“, sagt Budich. „Eine parallele gewerbliche Entwicklung mit maritimem Bezug wäre in dieser Zeit weder planerisch noch praktisch sinnvoll gewesen.“
Seenland hofft auf Bekanntheitsschub
Hintergrund: Ab dem 31. Juli 2026 werden insgesamt fünf Seen im Lausitzer Seenland schiffbar miteinander verbunden sein. Der Sedlitzer See kommt, wie der Großräschener See, neu dazu. Bereits verbunden sind der Senftenberger See, der Geierswalder See und der Partwitzer See. Es ergeben sich ab Mitte des Jahres damit viel größere Möglichkeiten für Hobby-Kapitäne. Touristiker erhoffen sich durch dieses Angebot einen Bekanntheits- und Aufmerksamkeitsschub der Lausitzer Urlaubsregion.

Quelle: Steffen Rasche / Stadt Senftenberg
„Die Freigabe des Seeverbundes ist ein wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung des Wassertourismus im Lausitzer Seenland. Wo sich Freizeitkapitäne und Wassersportler tummeln, da braucht es auch maritimes Gewerbe vor Ort“, sagt Senftenbergs Bürgermeister Andreas Pfeiffer (CDU). „Wer aufs Wasser will, ist auf Serviceangebote im Seenland angewiesen. Das neue Gewerbegebiet der Stadt Senftenberg am Sedlitzer Nordufer wird dafür die erste Adresse sein.“
Ab Mitte 2026 steht der Sedlitzer See also neben der touristischen auch für die wirtschaftliche Nutzung bereit. Deshalb vermarktet die Stadtverwaltung Senftenberg in den nächsten Monaten die vorhandenen Flächen des neuen, alten Gewerbegebiets parallel zum wachsenden Tourismus.
So geht es weiter: Die Konzepte werden im Senftenberger Rathaus geprüft und später der Stadtverordnetenversammlung – in Sachsen heißt dieses Gremium Stadtrat – vorgelegt. Die Entwicklung des Gewerbegebiets soll nach Wunsch der Initiatoren schrittweise passieren. Das Projekt, so heißt es aus dem Rathaus Senftenberg, sei „langfristig angelegt“.
SZ


