Leipzig/Dresden. Die Deutsche Lufthansa reagiert mit drastischen Schritten auf die massiv gestiegenen Kerosinpreise und die anhaltenden Streiks: So stellt der Konzern den Betrieb der Regionaltochter CityLine mit sofortiger Wirkung ein.
In einem Schreiben an die Beschäftigten heißt es: „Wir mussten nach umfänglicher Prüfung den Beschluss fassen, den Cityline-Flugbetrieb vorerst bis auf Weiteres temporär stillzulegen. Dies bedeutet, dass wir bis auf Weiteres keine Flüge mehr durchführen werden.“ Dieser Schritt sei „schmerzvoll für uns, aber leider nicht zu vermeiden“.
Leipzig/Halle und Dresden: Airports bleiben verschont
Für die mitteldeutschen Flughäfen Leipzig/Halle (LEJ) und Dresden (DRS) ist die Nachricht brisant: Die CityLine spielte bislang eine wichtige Rolle im Zubringerverkehr zu den Drehkreuzen.
Nach Informationen von Leipziger Volkszeitung und Sächsischer Zeitung sind Leipzig/Halle und Dresden von der CityLine-Stilllegung jedoch nicht betroffen. So fliegen auf der Strecke Leipzig–Frankfurt und Dresden–Frankfurt in der Regel die Maschinen der Kernmarke, intern bezeichnet als „Lufthansa Classic“. Wichtig war die CityLine bisher vor allem für die Strecke Dresden–München – diese bleibt laut Airportkreisen aber ebenfalls bestehen. Die Mitteldeutsche Flughafen AG und die Lufthansa hatten sich erst Ende 2025 auf eine Fortführung der Verbindung verständigt.
Lufthansa CityLine legt 27 Canadair-Jets still
Nach den aktuellen Informationen aus Airport-Managementkreisen bleiben die sächsischen Flughäfen damit außen vor; öffentlich hat sich Lufthansa zu den konkreten Auswirkungen auf LEJ und DRS bislang jedoch noch nicht geäußert.
Fest steht: Der Konzern nimmt am Samstag die 27 verbliebenen Canadair-Jets (CRJ) der CityLine endgültig aus dem Programm, die Verträge zwischen Mutter- und Tochtergesellschaft sind beendet. Die Jets stünden kurz vor dem Ende ihrer technischen Einsatzfähigkeit und hätten vergleichsweise hohe Betriebskosten, teilt Lufthansa mit. Damit reduziere man weitere Verluste der defizitären Fluggesellschaft.
Laut Lufthansa-Group-Finanzvorstand Till Streichert war die perspektivische Herausnahme der CityLine bereits länger geplant. „Die aktuelle Krise zwingt uns, diese Maßnahme nun früher umzusetzen. Das ist insbesondere mit Blick auf die Kolleginnen und Kollegen von Lufthansa CityLine ein schmerzhafter Schritt“, sagte er.
Mitarbeiter werden freigestellt
In dem Schreiben an die CityLine-Belegschaft heißt es: „Alle betroffenen Mitarbeiter im Cockpit und in der Kabine werden widerruflich – bis auf wenige Ausnahmen – freigestellt“.
Der Konzern verweist darauf, dass dem fliegenden Personal bereits Wechselangebote zur Tochter Lufthansa City Airlines unterbreitet wurden. Erst im Sommer 2024 hatte die Gruppe den Flugbetrieb dieser neuen Tochtergesellschaft gestartet, die seitdem nach und nach die Zubringerflüge übernimmt. Die Bodenmitarbeiter hätten in der neu gegründeten Lufthansa Aviation GmbH eine Beschäftigung erhalten.
Lufthansa: Streik beeinträchtigt Flugplan
Ungeachtet der Einschnitte bei der CityLine hat der Luftfahrtkonzern auch für die Kernmarke Lufthansa Maßnahmen verkündet. Demnach reduziert das Unternehmen die Langstreckenkapazität mit Ablauf des Sommerflugplans um insgesamt sechs Interkont-Flugzeuge. Zusätzlich sollen fünf Mittelstreckenflugzeuge aus der Flotte genommen werden.
Grund sind den Angaben zufolge die deutlich gestiegenen Kerosinpreise sowie die Kosten durch die laufenden Arbeitskämpfe. Die Lufthansa nimmt ineffiziente Flugzeuge vorzeitig aus dem Flugbetrieb, um weniger Kerosin am freien Markt zukaufen zu müssen. Hintergrund: Der Kerosinverbrauch der Passagier-Airlines im Konzern ist auf Basis des Rohölpreises mit rund 80 Prozent abgesichert. Die verbleibenden 20 Prozent muss das Unternehmen zu den gestiegenen Marktpreisen kaufen. „Dieser besonders teure Anteil des Treibstoffbedarfs wird um rund zehn Prozent reduziert“, hieß es von der Lufthansa.
Überschattet wird der Umbau von massiven Arbeitskämpfen. Auch am vierten Tag der Woche streikte das fliegende Personal der Lufthansa. Weil Piloten und Flugbegleiter gemeinsam die Arbeit niedergelegt haben, fallen erneut Hunderte Flüge der Lufthansa, der Lufthansa Cargo und der Regionaltochter CityLine aus. Auch an diesem Freitag werden in Leipzig/Halle und Dresden Ausfälle von Lufthansa-Flügen erwartet.


