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Mehr Entlassungen als Einstellungen in Sachsen

Sachsens Arbeitsagentur-Chef Klaus-Peter Hansen erwartet ein angespanntes Jahr 2024. Die Firmenchefs brauchen zwar Fachkräfte, aber werden nach seinem Eindruck wählerischer.

Lesedauer: 3 Minuten

Das Bild zeigt das Logo der Arbeitsagentur.
In Sachsen ist die Zahl der Arbeitslosen im Oktober nur leicht gesunken. Agenturchef Klaus-Peter Hansen zeigt sich besorgt wegen der nächsten Monate. © Sebastian Kahnert/dpa (Symbolbild)

Von Georg Moeritz

Dresden. So schwach wie in diesem Oktober war die Herbstbelebung auf Sachsens Arbeitsmarkt seit 18 Jahren nicht. Zwar sank die Zahl der Arbeitslosen leicht. Doch im Winter wird sie wieder steigen. Klaus-Peter Hansen, Chef der sächsischen Arbeitsagenturen, erwartet wie jedes Jahr Entlassungen auf „Außen-Arbeitsplätzen“ und fragt sich zudem, wie die Kaufzurückhaltung sich in diesem Winter auf das Geschäft der Händler auswirken wird.

Dabei ist die Ausgangslage gut: Die Beschäftigung ist nach jüngsten Zahlen vom August auf einem Höchststand. Fast 1,65 Millionen Menschen haben Arbeit mit Sozialversicherung. Seit dem Tiefstand im Jahr 2005 ist die Zahl der Beschäftigten in Sachsen um 304.000 gewachsen. Viele Jahre Wirtschaftswachstum haben neue Stellen geschaffen.

Doch der Arbeitsmarkt ist laut Hansen jetzt „unter Druck“. Im Oktober wurden in Sachsen mehr Menschen entlassen als eingestellt: 8.314 meldeten sich aus einer Beschäftigung arbeitslos, während 7.093 Arbeitslose eine Beschäftigung fanden. Förderprogramme der Arbeitsbehörden trugen dazu bei, dass die Zahl der Arbeitslosen trotzdem sank. Nun sind 130.551 Menschen in Sachsen arbeitslos gemeldet. Mitte September waren es noch 1.125 mehr.

Rund 8.000 Menschen aus der Ukraine arbeiten in Sachsen

Im Vergleich über ein Jahr ist die Zahl der Arbeitslosen um 10.028 gestiegen. Dazu trugen allerdings die Ukrainerinnen bei, die sich nach ihren Sprachkursen arbeitslos melden dürfen. 12.373 Menschen aus der Ukraine sind in Sachsen arbeitslos gemeldet. Insgesamt sind 28.571 erwerbsfähige Menschen mit ukrainischer Staatsbürgerschaft in den Jobcentern gemeldet und erhalten Bürgergeld, nur ein Teil von ihnen gilt als arbeitslos. Rund 8.000 Menschen aus der Ukraine haben Arbeit in Sachsen, davon etwa 1.500 in Minijobs. Laut Hansen waren 2.300 schon vor dem Krieg hier.

Das Bild zeigt die Sachsenkarte mit den jeweiligen Zahlen der Arbeitslosigkeit.
Überall in Sachsen ist die Arbeitslosigkeit höher als vor einem Jahr. Die Stadt Chemnitz spürt es vor allem. © SZ-Grafik: Gernot Grunwald

Der Behördenchef sagte, immer mehr Ukrainer kämen nun aus den Sprachschulen. Bei der Arbeit könnten sie weiter Deutsch lernen, dort gehe es am besten. Daher gelte: „Arbeit zuerst!“ Sachsens Arbeitsminister Martin Dulig (SPD) betonte, Arbeit sei Voraussetzung für erfolgreiche Integration. „Schneller in den Arbeitsmarkt ist gut für alle Seiten und erhöht die Akzeptanz.“ Er begrüßte den „Job-Turbo“, den Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) auf den Weg gebracht habe. Geflüchtete Menschen sollen nach sechs Monaten in Deutschland arbeiten dürfen. Heil hatte gesagt, Sprachkenntnisse seien wichtig, „aber sie müssen nicht perfekt sein“.

Gewinnerbranchen: Gesundheit und Erziehung

In Sachsen sind noch immer mehr als 39.000 Stellen frei, die allermeisten in Vollzeit und unbefristet. Hansen sagte, die Unternehmer müssten wettbewerbsfähige Arbeitsplätze anbieten, wenn sie die Fachleute der Zukunft gewinnen wollten. Andererseits schlage die schwache Konjunktur nun merklich auf den Arbeitsmarkt durch. Die Arbeitgeber würden wählerischer. Das mache ihm Sorgen, wenn es um Menschen mit Schwierigkeiten gehe. Die Arbeitsbehörden müssten sie noch intensiver mit Qualifizierungen unterstützen.

Die Beschäftigung in Dienstleistungsbranchen wie Gesundheit und Erziehung ist in diesem Jahr weiter gestiegen. Doch neben diesen „Gewinnerbranchen“ gab es laut Hansen auch Verlierer: Handel, Leiharbeitsfirmen und Baugewerbe schrumpfen.

Chemnitz bietet niedrige Mieten

Im Vergleich zum Oktober vorigen Jahres ist die Arbeitslosigkeit überall in Sachsen gestiegen, am stärksten im Kreis Bautzen und in Chemnitz. Hansen erinnerte daran, dass in Chemnitz eine zentrale Aufnahmestelle für Geflüchtete steht, zudem seien dort die Mieten niedrig, und es gebe traditionell starke Verbindungen in die ehemaligen Sowjetrepubliken.

Die niedrigsten Arbeitslosenquoten meldeten erneut das Erzgebirge, Mittelsachsen und die Sächsische Schweiz. In Sachsen insgesamt blieb die Arbeitslosenquote bei 6,2 Prozent. Sie ist damit höher als in Thüringen und Brandenburg, aber niedriger als in Nordrhein-Westfalen und in den Metropolen Berlin und Hamburg.

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Auch deutschlandweit fiel die Herbstbelebung sehr gering aus, sagte Bundesagentur-Chefin Andrea Nahles am Donnerstag in Nürnberg. 2,6 Millionen Menschen sind arbeitslos gemeldet. Doch die Beschäftigung hat nach jüngsten Zahlen vom August zugenommen – wobei der Anstieg laut Nahles allein auf Ausländern beruht.

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