Dresden. In der sechsten Welle der Bevölkerungsstudien „Mitteldeutschland- und Lausitz-Monitoring“ zeigt sich: Der Bedarf an einem tiefgreifenden Strukturwandel ist in beiden sächsischen Braunkohlerevieren so hoch wie nie zuvor. In der Lausitz halten 69 Prozent, im Mitteldeutschen Revier 60 Prozent der Befragten grundlegende Veränderungen für notwendig.
Die repräsentative Umfrage, die im März und April 2025 von der MAS Gesellschaft für Marktanalyse und Strategie durchgeführt wurde, zeigt insgesamt eine weitgehend stabile bis leicht optimistischere Stimmung in der Bevölkerung. Zugleich bleiben Sorgen rund um Arbeitsmarkt, Inflation, Migration und die wirtschaftliche Lage auf hohem Niveau bestehen.
Zustimmung zum Strukturwandel wächst, Kohleausstieg bleibt umstritten
Während die Menschen mehrheitlich die Notwendigkeit von Veränderungen anerkennen, lehnen sie einen vorgezogenen Kohleausstieg weiterhin ab. In der Lausitz und in Mitteldeutschland gibt es zudem geteilte Meinungen zur Energiewende: In Mitteldeutschland unterstützen 47 Prozent die Umstellung, in der Lausitz sind es 44 Prozent – bei ähnlich hohen Ablehnungswerten.
Der Ausbau erneuerbarer Energien findet in beiden Regionen überwiegend Zustimmung. Besonders hoch ist sie in Mitteldeutschland für Solarenergie (83 Prozent), gefolgt von Erdwärme, Bioenergie, grünem Wasserstoff und Windkraft. In der Lausitz liegen die Zustimmungswerte leicht darunter, die Mehrheit befürwortet die Entwicklung jedoch ebenfalls.
Arbeitsmarkt, Migration und Inflation als zentrale Herausforderungen
Die größten Herausforderungen sehen die Befragten in beiden Revieren weiterhin in wirtschaftlichen und sozialen Themen. Als besonders dringlich werden die Entwicklung des Arbeitsmarkts, wirtschaftliche Stärkung, Gesundheitsversorgung, Migration und Lebenshaltungskosten wahrgenommen.
Der Freistaat Sachsen setzt bei der Strukturentwicklung auf fünf Schwerpunkte: Gesundheit, Energie, Mobilität & IT, Tourismus & lebenswerte Regionen sowie Kreislaufwirtschaft & Bioökonomie. Diese werden von der Bevölkerung überwiegend unterstützt.
Lausitz: Hohe Wertschätzung für sorbische Kultur
Ein zusätzlicher Fokus der Studie lag auf der Bedeutung der sorbischen Kultur in der Lausitz. 83 Prozent der Befragten betrachten sie als festen Bestandteil der regionalen Identität. Die Ergebnisse unterstreichen die gesellschaftliche Relevanz des kulturellen Erbes in der Strukturwandelregion.
SZ