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Meißner Manufaktur investierte 1,6 Millionen Euro in neuen Kaolin-Stollen

Im Dezember vorigen Jahres hat die Meißner Porzellanmanufaktur ihren neuen Kaolin-Stollen eingeweiht. Jetzt ist klar, was die Erschließung gekostet hat.
Lesedauer: 2 Minuten
Man sieht das Bergwerk mit Kaolin-Stollen
Der neue Stollen konnte erste wenige Meter in den Berg getrieben werden. Er führt zu der hochreinen Porzellanerde. © Porzellanmanufaktur Meissen

Von Ines Mallek-Klein

Meißen. Die Staatliche Porzellanmanufaktur Meissen sprach von einem Meilenstein in der Firmengeschichte, als am 4. Dezember mit einem traditionellen Schachtanschlag der neue Stollen in Seilitz bei Meißen angeschlagen wurde. Über dem Stolleneingang thront das Huthaus. Eine Treppe und ein Fahrstuhl führen in die Tiefe. Letzterer ist ausschließlich den Lasten vorbehalten. Die beiden Bergleute, die hier, im kleinsten Bergwerk Europas arbeiten, müssen Stufen steigen.

Noch führt der Stollen nur wenige Meter in den Berg. Sein Bau hat 1,6 Millionen Euro gekostet, teilte die Porzellanmanufaktur auf Nachfrage mit. Darin eingerechnet seien auch alle Planungsarbeiten, bergrechtliche und sonstige Genehmigungen, diverse Bohrungen, das Errichten des Huthauses mit Inneneinrichtung, der Bau des Schachtes und des Förderturms.

Die Investitionen sollen über einen Zeitraum von 50 Jahren abgeschrieben werden. „Wir gehen aber davon aus, dass die tatsächliche Nutzungsdauer, wie beim alten Bergwerk auch, deutlich länger ausfallen wird“, sagt eine Sprecherin. Das Huthaus am alten Bergwerk sei 1900 errichtet worden und somit mehr als 100 Jahre genutzt worden. Dass dort die Vorräte an dem hochreinen Kaolin irgendwann zu Ende gehen werden, war lange klar. Insofern habe das Unternehmen schon seit Anfang der 1990er-Jahre finanzielle Rückstellungen gebildet, um das Gelände zurückzubauen.

„Teil der DNA des Meissener Porzellan“

Um das alte Bergwerk stillzulegen, brauchte es einen zugelassenen Abschlussbetriebsplan. Demnach wird das Gelände über Tage wieder nutzbar gemacht. Einzig erhalten bleibt der alte Wetterschacht, der auch im neuen Grubenfeld weiterhin als Flucht- und Wetterweg dient, erklärt Oberberghauptmann Bernhard Cramer vom Sächsischen Oberbergamt in Freiberg auf Nachfrage. Ziel des Rückbaus sei, dass die Bergaufsicht in dem Bereich nicht mehr nötig sei. Dazu wurde der alte Stollen auch zum Einsturz gebracht, indem man die hölzernen Sicherungsbalken herauszog. Kenner der Region entdecken die Veränderungen allerdings im oberirdischen Geländeprofil.

Die Porzellanmanufaktur begründet die Investition mit der herausragenden Qualität der Porzellanerde in Seilitz. In Deutschland gibt es drei große Kaolinlagerstätten – rund um den Westerwald, in der Umgebung von Oberpfalz bis Oberfranken sowie im Gebiet, das sich von Sachsen-Anhalt bis nach Sachsen erstreckt.

Eine Änderung der Kaolinquelle für Meissener Porzellan hätte Auswirkungen auf die Porzellanmasse, die Brenntemperatur und -dauer, die Glasur und die Farbkörper. Es wäre ein jahrelanger Forschungsprozess nötig, um mit neuem Kaolin Meissener Porzellan in der gewohnten Qualität herzustellen. „Die unübertroffene Reinheit des Kaolins aus dem Bergwerk von Seilitz sorgt im fertigen Porzellan für ein auffallend strahlendes Weiß, und ist daher ein essenzieller Teil der DNA des Meissener Porzellans“, begründet eine Firmensprecherin die Investition in Seilitz.

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