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Messe Bespoked: Dresden zeigt maßgeschneiderte Fahrräder

Europas wichtigste Messe für handgefertigte Räder kommt nach Sachsen. Die Ortswahl hat auch mit den hiesigen Manufakturen zu tun.

Lesedauer: 3 Minuten

Einer der Aussteller auf der Messe: Simon Metzner stellt in Dresden Rahmensets für vollgefederte Mountainbikes her.
Einer der Aussteller auf der Messe: Simon Metzner stellt in Dresden Rahmensets für vollgefederte Mountainbikes her. Die Marke Actofive hat er auch schon in London präsentiert. © Archivfoto: Ronald Bonß

Von Andreas Rentsch

Es dürfte nur wenige Fahrradrahmen geben, die ähnlich aufwendig gefertigt werden wie der eines vollgefederten Mountainbikes der Marke Actofive. Erst fräst eine CNC-Maschine zwei Rahmenhälften aus einem Block Flugzeugaluminium, dann verklebt Firmengründer Simon Metzner die beiden Teile und verbindet sie mit dem ebenfalls gefrästen Hinterbau. Das fertige Rahmenset ist ein Unikat. Mountainbike-Fans, die ein exklusives Rad mit ausgefeilter Federungstechnik suchen, zahlen dafür zwischen 4.950 und 6.750 Euro. Ein Komplettrad mit hochwertigen Komponenten kommt dadurch auch schon mal auf einen fünfstelligen Preis.

Drei seiner in Dresden hergestellten Fahrräder wird Metzner von Freitag bis Sonntag auf der Messe Bespoked in Dresden zeigen. Der Name ist abgeleitet vom englischen „bespoke“, was sich mit „maßgeschneidert“ übersetzen lässt. Gedacht sei die Veranstaltung als „Feier der handgemachten Fahrräder und der Menschen, die sie herstellen“, sagen die Veranstalter. 2023 erlebt die Messe eine Premiere: Erstmals ist nicht London Austragungsort, sondern Dresden. Dass die Wahl auf die sächsische Landeshauptstadt gefallen ist, sei der zentralen Lage in Mitteleuropa, aber auch der florierenden Szene mit unabhängigen Herstellern zu verdanken, erklärt Messegründer Petor Georgallou.

In den vergangenen Jahren hat die Bespoked-Messe immer in London stattgefunden. 2023 trifft sich die Szene der Rahmen- und Fahrradbauer erstmals auf dem europäischen© Patrick Straub/Bespoked

Tatsächlich sind hiesige Marken wie Sour Bicycles, Actofive oder Qvist auch schon in London dabei gewesen. Qvist-Gründer Roman Elsner, der sich außerdem im Branchennetzwerk Cycling Saxony engagiert, hofft für die drei Messetage auf 5.000 bis 6.000 Besucher. Über hundert Aussteller haben sich bislang angemeldet. Darunter sind Rahmenbauer und kleine Radmanufakturen, aber auch Zubehör- und Komponentenhersteller.

Mit der Leitmesse Eurobike, auf der Großserienhersteller oft Dutzende Modelle präsentieren, ist die Schau in Dresden nicht zu vergleichen. „Die meisten bringen ein bis zwei Räder mit, die sie im Kundenauftrag gebaut haben“, sagt Elsner. „Solche Bikes bekommt man nirgendwo sonst zu sehen.“ Auf der „Bespoked“ treffe sich alles, was in der Maßfertigungsszene Rang und Namen habe, sagt David Koßmann vom Magazin Radkultur.

Zuerst sei übrigens Leipzig als Austragungsort vorgesehen gewesen, sagt Elsner. Nachdem die Betreiber der dortigen Location in Insolvenz gegangen seien, habe man Dresden ins Visier genommen. Die nötigen Ausstellungsflächen stellt nun der Flughafen im 3. Stock des Hauptterminals bereit.

Für ihn sei die Messe „ein bisschen wie Klassentreffen“, sagt der 31-Jährige. Neben seinen Mitstreitern, die schon in London dabei gewesen sind, stellen diesmal auch sächsische Marken wie Veloheld, Rotorbikes, Dlouhy Cycles, Retrovelo, Beast Components oder Lightwolf Studio aus. In der Teilnehmerliste findet sich aber auch ein ungleich bekannterer Name: Diamant.

Der Messeauftritt des in Hartmannsdorf bei Chemnitz ansässigen Unternehmens solle die Genialität der DDR-Fahrradbauer würdigen, erklärt das Veranstalterteam. Dafür zeigt die traditionsreiche Firma mehrere Räder, etwa ein im Textima-Kombinat für Wettkämpfe gebautes Modell und ein Vintage-Rad vom Typ Diamant 885. „Letzteres ist zwar nicht handgeschweißt, aber handgefertigt“, sagt Unternehmenssprecher Thomas Eichentopf.

Schließt die Messe am Nachmittag des 15. Oktober ihre Türen, geht es für Qvist-Geschäftsführer Roman Elsner nahtlos in die nächste heiße Phase. Sein Start-up entwickelt spezielle Vorder- und Hinterradnaben, dafür wird momentan am Standort Pirna eine CNC-Fertigung eingerichtet. Die Serienproduktion der Komponenten soll zeitnah beginnen. „Es soll noch im Oktober losgehen“, sagt Elsner.

Öffnungszeiten: Freitag 14–18 Uhr, Sonnabend 10–18 Uhr, Sonntag 10–16 Uhr. Ticketpreise (VVK): 15 Euro fürs ganze Wochenende, Tagestickets 12 Euro, Kinder unter 16 haben freien Eintritt. Tageskasse: fünf Euro Zuschlag. Mehr Infos zur Messe gibt es hier.

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