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Milliarden-Partnerschaft für sächsische Biotechnologie

Die sächsische Biotechnologiebranche hat sich international etabliert. Nun sorgt ein Dresdner Startup mit einem Deal in Milliardenhöhe für Aufmerksamkeit. Die Vereinbarung rückt Sachsen als Standort für innovative Medizintechnologien in den Fokus.

Lesedauer: 2 Minuten

Eine Mitarbeiterin pipettiert im Labor von Seamless Therapeutics Dresden Quelle: S.ROSE FOTOGRAFIE für Seamless Therapeutics

Nora Miethke

Die Biotechnologiefirma Seamless Therapeutics aus Dresden hat eine strategische Partnerschaft mit dem US-Pharmakonzern Eli Lilly im Volumen von bis zu 1,12 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Das teilte das Sächsische Wirtschaftsministerium am Sonntag mit.

Das ist ein Ausnahmeerfolg. Umgerechnet rund eine Milliarde Euro Risikokapital zu bekommen, gelingt nur sehr wenigen Unternehmen, auch im internationalen Vergleich. Seamless Therapeutics ist eine Ausgründung aus der Technischen Universität Dresden und wurde 2022 gegründet. Es hat seine Zentrale in Dresden und eine Niederlassung in Lexington, Massachusetts (USA).

Der Fokus der Zusammenarbeit liegt auf der Anwendung einer Gen-Editierungsplattform zur Behandlung von genetisch bedingtem Hörverlust. Nach groben Schätzungen sind zwei, drei von 1.000 Babys davon betroffen. Rund hundert Millionen Menschen leben mit einem Hörverlust, der zumindest teilweise genetisch verursacht ist. Sie können hoffen, dass künftig diese genetischen Fehler therapiert werden.

Seamless Therapeutics hat eine Technologie entwickelt, mit der maßgeschneiderte Enzyme erzeugt werden können, um die DNA an spezifischen Stellen verändern zu können. Diese sogenannte Gen-Editierungsplattform ist also ein Werkzeug, mit dem man genetische Schreibfehler direkt im Erbgut korrigieren kann – und damit Krankheiten nicht nur behandeln, sondern im Kern reparieren kann. Grundlage sind die Forschungen von Professor Frank Buchholz und seinem Lab.

Nach Angaben von Vorstandschef Dr. Albert Seymour beruht das Engagement von Eli Lilly darauf, dass die Gen-Editierungstechnologie von Seamless im Vergleich zu zu klassischen Gen-Editierern wie wie CRISPR-Systemen sehr präzise ist und auch größere Veränderungen im Genom ermöglicht, ohne auf die DNA-Reparaturmechanismen der veränderten Zellen angewiesen zu sein.

Milliarden-Investition stärkt den Biotech-Standort Sachsen

Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter sieht in dieser Vereinbarung einen eindrucksvollen Beleg für die wachsende Stärke und internationale Sichtbarkeit des Biotechnologiestandorts Sachsen. „Dieser außergewöhnliche Erfolg zeigt erneut, dass unsere langfristigen Investitionen in Forschung, Startups und Netzwerke wirken. Seamless Therapeutics steht beispielhaft für Innovation und Dynamik, die die sächsische Biotech-Landschaft auszeichnen.“

Dieser außergewöhnliche Erfolg zeigt erneut, dass unsere langfristigen Investitionen in Forschung, Startups und Netzwerke wirken. – Dirk Panter, Sächsischer Wirtschaftsminister (SPD)

Albert Seymour ergänzt: „Dresden ist der Standort, an dem das zentrale Know-how zur Entwicklung unserer Plattform aufgebaut wurde.“ Die Firma arbeite mit Hochdruck daran, das krankheitsmodifizierende Potenzial der Plattform weltweit in konkrete Patientenvorteile umzusetzen. Durch das Kapital von Eli Lilly ist es nun möglich, die Technologie schneller in die klinische Anwendung zu überführen.

Eli Lilly kann exklusive Lizenzen für die programmierten Enzyme nutzen, um diese in präklinische und klinische Tests zu bringen. Deshalb der Fokus auf genetisch bedingten Hörverlust. Die Plattform hat aber das Potenzial, auf viele weitere genetische Erkrankungen ausgeweitet zu werden.

SZ

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