Von Irmela Hennig
Dresden. Spanien hat schon eine. Freiburg im Breisgau seit Kurzem ebenfalls. Und in Dresden steht sie sowieso, die Frida. Auf dem Gelände der einstigen Schiffswerft Übigau in Elbe-Nähe hat der Frida-Prototyp seinen Platz wahlweise in oder vor der Tischlerei Artefact von Jan Beyer. Wobei „die“ Frida auf eine falsche Fährte führen kann. Denn Frida ist ein „das“. Ein, aber nicht irgendein, Hochbeet. Das erste multifunktionale, per Knopfdruck höhenverstellbare, auch von Rollstuhlfahrern, Kindern unterschiedlicher Größe oder beispielsweise sehbehinderten Menschen nutzbare. So etwas gab es bislang nicht? Nein, nicht, dass Jan Beyer und Sylvi Schiller wüssten. Die beiden Wahl-Dresdener haben Frida gebaut. Dafür gab es 2025 einen Innovationspreis – konkret den Sonderpreis der sächsischen Handwerkskammern.
Die Idee für das Hochbeet stammt von Sylvi Schiller. Die gebürtige Geraerin ist Heilerziehungspflegerin. Arbeitet im sozial-medizinischen Bereich, ist viel gereist. Einige Jahre lang war sie hauptberuflich künstlerisch tätig. Das Kreative hat die heute 40-Jährige also begleitet. Auch wenn jetzt für die Kunst als Arbeitsschwerpunkt die Zeit fehlt, wie sie erzählt. An der Hochschule für Argar- und Umweltpädagogik in Wien hat sie bis 2023 ein Gartentherapie-Studium absolviert. Als sie ihren Klienten aus dem Wohnassistenz-Bereich davon erzählte, hätten diese mit den Schultern gezuckt. „Ist ja schön, aber wir sitzen im Rollstuhl. Wir können nicht gärtnern – haben sie zu mir gesagt“, erinnert sich Sylvi Schiller.
Zwar gibt es mit Hochbeeten theoretisch eine Möglichkeit, im Sitzen zu pflanzen, zu gießen, zu ernten. Aber oft könne man mit dem Rollstuhl nicht darunter fahren und komme so nicht nahe genug ran an den Pflanzkasten. Dann muss noch die Höhe für unterschiedliche Rollstuhlmodelle passen. Oft sind die Beete auch zu groß. Wer nicht aufstehen, sich nicht nach vorn beugen kann, kommt mit den Armen nicht überall hin.
Per Knopfdruck nach oben oder unten
Das lieferte den Impuls für Schillers Studien-Abschlussarbeit. Die damals noch angehende Akademische Expertin der Gartentherapie hat dafür erforscht, wie ein Hochbeet gestaltet werden sollte, um Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen in Gartentherapien einzubeziehen. Ihr Lebensgefährte Jan Beyer regte an, das „vom Papier in die Realität zu bringen“. Gesagt – getan.
Der 54-jährige Tischlermeister, der aus Roßwein stammt, ist seit Mitte 1990er-Jahre selbstständig. Er hat sich auf die Möbelfertigung nach Kundenwünschen spezialisiert. Setzt auf einheimisches Massivholz und ökologische Oberflächen. Fridas Holzverkleidung wird aus Lärche gefertigt. Teile wie die Stahlrahmen oder auch die Hubsäulen kommen von Herstellern aus der Region oder Deutschland.
Das Beet hat Rollen, kann also von A nach B geschoben werden. Verfügt zudem über eine Feststellbremse. Eine Aufbewahrungsleiste für Werkzeug kann am Rahmen angesteckt werden. Frida fährt per Knopfdruck hoch und runter. Ein Sensor sorgt dafür, dass das Beet rechtzeitig stoppt und niemand darunter eingeklemmt wird. Eine Pflanzwanne mit doppeltem Boden verhindert Staunässe. Durch einen eigens eingebauten Schlauch kann Wasser zudem ablaufen. Und dann sind da Wahl-Extras, die sich Sylvi Schiller ausgedacht hat. Ein Pflanzfenster an einer Seite zum Beispiel. Dadurch kann man den Möhren beim Wachsen oder den Regenwürmern beim Buddeln zuschauen. Menschen mit Sehbehinderung können einen eigens gefertigten Spatz ins Beet setzen. „Das hilft bei der Orientierung – nach dem Motto: Links vom Vogel ist der Rosmarin“, so Schiller. Ein Tongefäß mit Löchern für Würmer oder eine Wachstumswärmelampe für ganzjähriges Gärtnern sind ebenfalls Ergänzungsmöglichkeiten. Eine TÜV-Bescheinigung für Kippsicherheit, Stand und konstruktive Sicherheit hat Frida auch.
Zum Namen inspiriert wurde die Therapeutin unter anderem durch die mexikanische Malerin Frida Kahlo (1907 bis 1954), die sie mag. „Außerdem hat der Name so eine Leichtigkeit“, findet Sylvi Schiller, die auch als Projektchoach und als freie Dozentin an ihrer früheren Wiener Ausbildungsstätte tätig ist.
Frida ist die kleine Schwester von Flora. Auch ein Hochbeet – größer und konkret gedacht für therapeutische Zwecke, auch in Gruppen unter Anleitung. Für Senioren- und Pflegeheime zum Beispiel. Frida – erhältlich in verschiedenen Größen – sei die Variante auch für den individuellen Gebrauch. Den Wintertest vor Jan Beyers Werkstatt – mit Schnee und Frost – hat sie übrigens bestanden.
Bei Messen präsent
Schon mehrmals haben Jan Beyer und Sylvi Schiller, die selbst gärtnern, ihre Hochbeete auf der Düsseldorfer Messe „Rehacare“ für Rehabilitation und Pflege vorgestellt. Das sei sehr gut angekommen; dort haben sie auch das erste Hochbeet verkauft. Allerdings hätten einige Interessenten signalisiert, es sei für sie zu teuer. Eine mittlere vierstellige Summe kostet Frida auf jeden Fall. Es sei kein Massenprodukt, zudem „Made in Germany“. Die beiden Macher haben inzwischen aber auch erlebt, dass es Stiftungen gibt, die gerade Pflegeeinrichtungen bei solchen Anschaffungen unterstützen. Und zuletzt gab es für ihr multifunktionales Produkt neue Anfragen – aus Dortmund und Luxemburg.
Das Erfinderpaar, das sich übrigens auf einer Dresdner Messe kennengelernt hat, geht davon aus, dass es ein langer Weg wird, „bis Frida fliegt“, so Sylvi Schiller. Starthilfe dabei gibt es vielleicht vom 21. bis 23. April auf der Messe „Altenpflege 2026“ mit im Schnitt 20.000 Besuchern. Frida wurde im Vorfeld von der Fachjury für den Messe-Wettbewerb Newcomer Challenge nominiert. Sylvi Schiller und Jan Beyer dürfen sie auf der Sonderfläche „AVENEO – Raum für Innovation“ den Fachbesuchern präsentieren.


