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Mit Top-Infrastruktur überzeugt

Auch die Leipziger Wirtschaftskraft ist gedämpft. Das heißt aber nicht, dass nicht investiert wird. Mehrere Beispiele zeigen, was die Stadt gerade jetzt für Unternehmen und Institute attraktiv macht.

Lesedauer: 3 Minuten

Drei Männer stehen hinter einem Modell eines Flugzeugs.
Nico Neumann, Co-CEO Deutsche Aircraft, Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, und Götz Ahmelmann, CEO der Mitteldeutschen Flughafen AG, stehen im wahrsten Sinne des Wortes hinter dem Flugzeugmodell der D328 Eco, für dessen Produktion am Flughafen Halle/Leipzig im großen Stil investiert wurde. Foto: DPA/Jan Woitas

Von Annett Kschieschan

Leipzig. Gute Nachrichten aus der Wirtschaft sind seltener geworden. Insolvenzen, Stellenabbau, Produktionsverlagerungen bestimmen derzeit viele Schlagzeilen. Eine Entwicklung, die auch in Leipzig spürbar ist. Die Gewerbesteuereinnahmen sind gesunken, die Gründerlaune gedämpfter als noch vor einigen Jahren. Und doch gibt es sie, die Investitionen, die Mut machen, die Jobs schaffen, die auf die Zukunft ausgerichtet sind und dabei das Beste aus der Gegenwart machen. Ein Blick in den Leipziger Wirtschaftsbericht für das vergangene Jahr zeigt – es tut sich mehr, als selbst mancher Leipziger oft denkt.

Effizienter zum Industriepark Nord
Wer Unternehmen halten beziehungsweise von einer Ansiedlung überzeugen will, muss oft in Vorleistung gehen und die Infrastruktur verbessern. Leipzig investiert gegenwärtig rund sieben Millionen Euro in die Modernisierung der fünf Kilometer langen Gleisstrecke zum Industriepark Nord.
Vor allem das BMW-Werk und der Logistikpark Leipzig sollen mittelfristig davon profitieren. „Die Modernisierung des Industriestammgleises ist eine Investition in die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts. Gerade in Zeiten knapper Kassen sind Investitionen in die Wirtschaftsinfrastruktur ein wichtiges Signal an die Unternehmen vor Ort“, ist WirtschaftsbürgermeisterClemens Schülke sicher. Gebaut wird bis 2027 in drei Abschnitten.

Moderne Arbeitsplätze direkt im Zentrum
In bester Lage, am Leipziger Johannisplatz, hat das Unternehmen Siemens 2025 seine neue Niederlassung eröffnet. Bauherrin und Vermieterin des modernen Sechsgeschossers mit Dachterrassen, Außenflächen und Mitarbeiterrestaurant ist die Leipziger Stadtbau AG.
Auf etwa 8.000 Quadratmetern Bürofläche ist Platz für rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie knapp 190 Auszubildende und Studierende. Konferenzzonen, Co-Working- und Rückzugsbereiche gibt es hier ebenso wie ein Elektrolabor, einen sogenannten Makerspace mit 3D-Druck und Metallbearbeitung sowie eine moderne Industrie-4.0-Trainingsanlage mit Robotik. Fahrradstellplätze, eine E-Ladeinfrastruktur und die gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sind ebenfalls vorhanden.

Schub für den Luftfahrtstandort
Und ein weiterer Neubau setzt Zeichen für den Wirtschaftsstandort Leipzig. Das Unternehmen Deutsche Aircraft hat am Flughafen Leipzig/Halle auf einem rund 60.500 Quadratmeter großen Areal eine neue Fabrik für den Bau des Regionalflugzeugs D328eco errichten lassen und damit nicht nur neue Jobs, sondern auch eine Produktionskapazität von bis zu 48 Flugzeugen pro Jahr geschaffen.
Insgesamt investiert die Deutsche Aircraft rund 100 Millionen Euro in den Leipziger Standort. Der Freistaat Sachsen unterstützte die Ansiedlung seinerseits mit rund 3,2 Millionen Euro aus dem GRW-Fördertopf „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“.
In der Stadtverwaltung sieht man die Investition als starkes Zeichen für den Standort. Die Lage am Flughafen Leipzig/Halle als 24/7-Drehkreuz biete optimale Bedingungen für Deutsche Aircraft, heißt es aus dem Rathaus.

Helmholtz-Zentrum forscht zum Umweltschutz
Was wäre Leipzig ohne die Wissenschaft? Und auch hier gibt es positive Entwicklungen. So hat das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) kurz vor dem Jahreswechsel sein neues Labor- und Bürogebäude im Wissenschaftspark eingeweiht. In dem 38 Meter hohen Gebäude forschen 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu relevanten Zukunftsthemen wie Klima- und Ressourcenschutz, die Energiewende sowie nachhaltige Chemie. Untersucht wird zum Beispiel die schädliche Wirkung bestimmter Chemikalien auf Zellen, Organismen und Ökosysteme. Ein weiterer Fokus liegt auf der Biotechnologie. Hier geht es unter anderem um nachhaltige Produktionsverfahren für chemische Grundstoffe, Energieträger und Feinchemikalien im Rahmen einer biobasierten Kreislaufwirtschaft. Von insgesamt rund 1.250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung arbeiten mehr als 1.000 am Standort Leipzig.

CTC nutzt die Dynamik auf dem BioCity Campus
Passend dazu tut sich auch auf dem Der BioCity Campus einiges. Mit dem Center for the Transformation of Chemistry (CTC) hat eine weitere außeruniversitäre Forschungseinrichtung Räume auf dem Campus bezogen. Damit werde „das Leipziger Innovationsökosystem im Bereich Life Sciences um das Zukunftsfeld der zirkulären Chemie erweitert“, heißt es. Prof. Dr. Eva Inés Obergfell, Rektorin der Universität Leipzig und Vorsitzende des Leipzig Science Network, sieht große Chancen in dem Einzug. „Mit dem Start des Großforschungszentrums CTC auf dem BioCity Campus gewinnt das Leipziger Wissenschafts- und Innovationsökosystem weiter an Dynamik. Die enge räumliche und inhaltliche Vernetzung der forschungsstarken Fakultäten der Universität Leipzig mit außeruniversitärer Forschung und technologie- und transfernahen Arbeitsumgebungen schafft ideale Voraussetzungen, um Forschungsergebnisse rasch in Transfer, industrielle Anwendung und neue Wertschöpfung zu überführen“, sagt sie. Genau diese Stärke des Leipziger Wissenschaftsnetzwerks sei entscheidend, um den Strukturwandel zu gestalten und qualifizierte Arbeits- und Entwicklungsmöglichkeiten für Fachkräfte zu schaffen.
Die Stadt Leipzig unterstützte den Ausbau mit zwei Millionen Euro aus dem Programm „Neue Kraft für eine starke Leipziger Wirtschaft“.

Global Player jetzt auch in Leipzig aktiv
Auf Biotech setzt auch Kerry. Das Unternehmen hat in Leipzig ein eigenes Biotechnologiezentrum eröffnet. Am neuen Standort wolle man sich auf die Entwicklung innovativer biotechnologischer Lösungen für Anwendungen in den Bereichen Lebensmittel, Getränke und Pharma konzentrieren, heißt es aus dem Unternehmen. Die Kerry Gruppe bietet über 10.000 verschiedene Produkte und exportiert sie in mehr als 140 Länder. In 19 Ländern hat das Unternehmen Produktionsstandorte. In Leipzig sieht man die Investition eines Global Players als weitere Aufwertung der Stadt als LifeScience- und Biotechnologiestandort.
Die operative Leitung liegt bei c-LEcta, ein auf Enzyme spezialisiertes Unternehmen, das 2004 als Spin-off der Universität Leipzig gegründet und 2022 von Kerry übernommen wurde.
Die Entscheidung für Leipzig sei bewusst getroffen worden: Die starke Forschungslandschaft, das hohe Fachkräftepotenzial und die enge Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft machen die Stadt zunehmend auch international attraktiv.
Fünf Beispiele, die zeigen, dass auch in Krisenzeiten Neues entstehen kann – dort, wo Neues gewagt wird. Leipzig hat dafür gute Bedingungen vorzuweisen. Vor allem die Branchen Life Sciences, GreenTech und Digitalwirtschaft konnten auch in den vergangenen Monaten Zuwächse vermelden. Weitere Investitionen in die Infrastruktur laufen bereits – vielleicht die Basis neuer Erfolge.

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