Sascha Klein
Hoyerswerda. Die Pläne sind riesig, die Vorschusslorbeeren auch. „Das ist ein Jahrhundertprojekt“, sagt Béla Bélafi. Der Präsident der Landesdirektion Sachsen (LDS) nennt den Scheibe-See zudem ein „weiteres Aushängeschild“ für Hoyerswerda. Weshalb der LDS-Chef eigentlich in Hoyerswerda ist: Er übergibt die Genehmigung für den Bau einer Mole mit zwei Schwimmstegen und einer Slipanlage am Westufer des Scheibe-Sees.
Das Lausitzer Seenland lädt an vielen Ecken bereits Besucher ein – am Senftenberger See, aber auch am Geierswalder, Partwitzer und Großräschener See. Der Scheibe-See hinkt noch ein wenig hinterher. Immerhin gibt es einen saisonalen Badestrand. Doch der „Haussee von Hoyerswerda“ soll jetzt schnell vorankommen – dank Fördermillionen aus dem Strukturwandel-Fonds.
Mole ragt 90 Meter in den See hinein
Steffen Mühl von der Stadtverwaltung Hoyerswerda steht vor einer Präsentation, wie das Westufer des Scheibe-Sees schon in wenigen Jahren aussehen soll. Das Areal wird nicht wiederzuerkennen sein. Hoyerswerdas Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh nennt das Vorhaben einen „Meilenstein“. Hoyerswerda wird dann wirklich zu einer Stadt mit touristisch genutztem See.
Was die Landesdirektion Sachsen jetzt genehmigt hat: Der Scheibe-See bekommt an seinem Westufer eine rund 90 Meter in den See hineinragende Mole. Sie soll begehbar sein, an der breitesten Stelle 25 Meter und an der schmalsten 11,50 Meter. Das bedeutet: Besucher können womöglich schon im Laufe des Jahres 2027 über dem See stehen. Die Gefahr, beim Sprung ins Wasser zu ertrinken, ist gering. Am Ende der Mole soll die Wassertiefe etwa drei Meter betragen. An der tiefsten Stelle ist der Scheibe-See 48 Meter tief.
Wir wollen auf keinen Fall motorisierte Jetskis am Scheibe-See. – Torsten Ruban-Zeh (SPD), Oberbürgermeister von Hoyerswerda
Mit der Mole werden zwei Schwimmstege gebaut. An jedem finden sich 16 Liegeplätze für Boote. Wie Torsten Ruban-Zeh betont, soll es am Scheibe-See ruhiger zugehen. „Wir wollen auf keinen Fall motorisierte Jetskis am Scheibe-See“, so Ruban-Zeh. Das heißt: Es sollen vor allem Segelboote und Boote mit Elektromotor fahren. Eine Ausnahme könnten „Flautenschieber“ sein. Das sind Hilfsmotoren für Segelboote.
Landmarke wird 30 Meter hoch
Ein Segelboot-Revier wird der Scheibe-See aber vermutlich nicht, glaubt Hoyerswerdas Oberbürgermeister. Dafür seien die Windverhältnisse vor Ort nicht gut genug. Trotzdem stellt sich die Frage, ob insgesamt 32 Liegeplätze dauerhaft ausreichen. Die Stadtverwaltung Hoyerswerda beantwortet diese Frage vorerst mit Ja.
Was das Westufer des Sees künftig überragen wird, ist die rund 30 Meter hohe Landmarke, die auch für Menschen mit Beeinträchtigungen und für Personen im Rollstuhl nutzbar wird. Hoyerswerdas neuer Aussichtsturm erhält einen Aufzug.
Das ist aber nicht das Ende der Baupläne: In den Jahren 2028 bis 2030 soll das Westufer des Scheibe-Sees noch ein Strandcafé und ein Mehrzweckgebäude erhalten. Beide Gebäude sollen von Unternehmern betrieben werden. Wie Hoyerswerdas Oberbürgermeister Ruban-Zeh bestätigt, interessieren sich auch die Betreiber des Hoyerswerdaer Bowling-Centers für eine Fläche. Dabei gehe es um Pacht. Was dort entstehen soll, ist noch nicht bekannt.
Bekannt ist hingegen, dass die Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda am Westufer bauen möchte. Dabei geht es vor allem um Ferienwohnungen. Die Stadtverwaltung sieht für das Westufer auch einen Hotelkomplex vor. Dafür wird laut Rathaus-Angaben ein Investor gesucht.
Mit dem ersten Bauabschnitt für den Scheibe-See beginnt die Entwicklung des Hoyerswerdaer Haussees richtig. Dort, wo demnächst ein Freizeit- und Urlaubsgebiet entsteht, war noch bis 1996 ein Braunkohlentagebau: der Tagebau Scheibe. 1982 begannen erste Entwässerungsarbeiten, 1984 startete der Aufschluss, Mitte November 1985 wurde die erste Rohkohle gefördert.

Quelle: Sascha Klein
Der Tagebau ist bis Ende November 1996 betrieben worden. Insgesamt sind laut LMBV-Statistiken rund 53 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert worden. 758 Hektar Land sind dafür in Anspruch genommen worden. Zum Vergleich: Der heutige Scheibe-See hat eine Seefläche in einer Größe von 684 Hektar. Das Wasservolumen beträgt 110 Millionen Kubikmeter.
Wenn der Scheibe-See entwickelt ist, gibt es bereits eine prognostizierte Besucherzahl: Dann könnten jährlich 70.000 Gäste an das einstige Tagebaurestloch pilgern. Dafür braucht es auch passende Wege von Hoyerswerda Richtung See.

Quelle: bauhoys
Die schmale und teils marode Kühnichter Straße, die aus Richtung Klinikum nahe der Bundesstraße 96n auf die Staatsstraße 108 nach Lohsa trifft, gerät laut Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh wieder in den Fokus. „Dann werden wir uns auch wieder mit dem Thema Kühnichter Spange beschäftigen müssen“, so der Verwaltungschef. Die Vorplanungen für eine neue Umgehungsstraße durch den Freizeitkomplex Ost (FKO) hatte der Hoyerswerdaer Stadtrat vor mehreren Jahren nach langer Diskussion zunächst ad acta gelegt. Wenn der Scheibe-See Urlaubermagnet werden soll, werden die Verantwortlichen über eine neue Straße diskutieren müssen.
SZ


