Luisa Zenker und Andreas Dunte
Dresden. Der sächsische Landwirt Tobias Pelz ist froh, dass die Subvention für Agrardiesel wieder eingeführt wird. Der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Kreinitz nahe Großenhain bezeichnet die aktuelle Entscheidung im Bundestag als „großen Erfolg der Bauernproteste“.
Denn vor zwei Jahren hatten etliche Bauern aus Sachsen und Deutschland gegen die Pläne der damaligen Ampelregierung aus SPD, Grünen und FDP demonstriert, die Agrardiesel-Förderung zu streichen.
40.000 Euro mehr Einnahmen für Landwirt in Sachsen
21,48 Cent pro Liter gibt es ab Januar 2026 für die Landwirte. Pelz bringt das im Jahr 40.000 Euro zusätzlich für den 2000 Hektar großen Ackerbau-Betrieb ein.
Gleichzeitig schränkt Pelz ein: „Es gibt noch viele Bretter zu bohren.“ Die gestiegenen Preise für Düngemittel, Landmaschinen sowie die Mindestlohnsteigerung machen ihm zu schaffen. Zudem wird derzeit in der Europäischen Union über eine neue Reform diskutiert: Landwirtschaftsbetriebe sollen nur noch maximal 100.000 Euro Agrarfördermittel im Jahr erhalten. Für Pelz würde dies Kürzungen von 22.000 Euro bedeuten.
Bauernverband: starkes Signal mit fadem Beigeschmack
Auch Torsten Krawczyk, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbands sowie Landwirt in Sachsen, blickt gespalten auf die Subventionen. „Das ist eine tolle Nachricht.“ Doch die Wirkung sei begrenzt.
Die Lohnerhöhung durch den Mindestlohn sei dreimal höher als die Agrardiesel-Einsparung. Der Präsident des Sächsischen Landesbauernverband fordert daher, den Mindestlohn an Ausbildungen oder Weiterbildungen zu knüpfen.
Statt einer Rolle rückwärts hätte die Politik den Mut zu Neuem haben müssen und einen steuerermäßigten Agrardiesel einführen sollen – so wie in vielen EU-Staaten und auch in den USA und Kanada üblich. Das hätte uns viel Bürokratie erspart.
Hagen Stark
Kemnitzer Tierarzt und Landwirt
Er kritisiert zudem, dass die neue Bundesregierung die Förderung für den Umbau der Schweineställe zu mehr Tierwohl aus dem Bundesprogramm vorzeitig streicht. Um Tierhaltungsstufen und Konsumentenwünsche einzuhalten, seien ihm zufolge Investitionen von 4,5 Milliarden Euro jährlich notwendig.
Dass die Koalition den Ernst der Lage in der Landschaft erkannt hat und den Agrardiesel wieder subventionieren will, ist zu begrüßen, meint auch der Kemnitzer Tierarzt und Landwirt Hagen Stark. Allerdings komme die Entscheidung „arg verspätet“. Die Bauern hätten in der Zeit rund 500 Millionen Euro verloren.
Vor allem aber stört den Oberlausitzer Landwirt, der stellvertretender Vorsitzender der Bewegung „Land schafft Verbindung“ in Sachsen ist, dass die Vergünstigung durch eine höhere CO₂-Steuer zum Jahresanfang „wieder aufgefressen“ wird. Und: „Statt einer Rolle rückwärts hätte die Politik den Mut zu Neuem haben müssen und einen steuerermäßigten Agrardiesel einführen sollen – so wie in vielen EU-Staaten und auch in den USA und Kanada üblich. Das hätte uns viel Bürokratie erspart.“
Grüne: Agrardiesel ist alte, klimaschädliche Subvention
Jetzt müssten die Bauern wie zuvor alle Tankbelege sammeln und zum Jahresende bei den Behörden einreichen. Gegenüber den europäischen Wettbewerbern habe man damit einen echten Wettbewerbsnachteil. Ähnlich sieht es Bauer Olaf Kranen, der mit seinem ABG Gut Gaunitz im Landkreis Nordsachsen rund 1500 Hektar Land bewirtschaftet. Im vergangenen Jahr hatte er wegen der Agrardiesel-Kürzungen 40.000 Euro weniger.
Auch Sachsens Landwirtschaftsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU) begrüßt die Entscheidung im Bundestag. „Man muss bedenken: In anderen Ländern erfolgt eine stärkere Subvention der Höfe und die jetzige Entscheidung auf Bundesebene ist ein Beitrag zum Ausgleich von Wettbewerbsnachteilen unserer Landwirtinnen und Landwirte.“
Verständnis für die Entscheidung zeigt auch der ehemalige sächsische Umweltminister, Wolfram Günther (Grüne). Gleichzeitig kritisiert er: „Der Agrardiesel ist eine alte, klimaschädliche Subvention – jedes Jahr fließen bundesweit über 400 Millionen Euro in fossile Antriebe. Das hilft kurzfristig, löst aber langfristig kein einziges Problem auf den Höfen.“ Dem kann Sachsens Bauernpräsident Torsten Krawczyk nur zustimmen: „Wir müssen den Betrieben Perspektiven geben.“
Günther fordert daher mehr Gelder für alternative Treibstoffe wie Biomethan oder E-Fuels. Außerdem könnten Bauern Geld bekommen, wenn sie etwas für den Humusaufbau, Moor- und Wasserschutz sowie für Biodiversität tun.
Kritik kommt auch von Sachsens Umweltschutzorganisation BUND. Die Wiedereinführung der Agrardiesel-Subvention bezeichnet der Vorsitzende Felix Ekardt als fatal. „Deutschland und die EU entfernen sich so immer weiter von der Einhaltung der international verbindlichen Klima- und Biodiversitätsziele.“
SZ


