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Neue Geschäftsidee in Niesky: Lavendel-Bauern planen eigenen Hofladen

Die Nachfrage nach Lavendelprodukten der Agrargenossenschaft im Nieskyer Ortsteil See ist groß. Im neuen Jahr soll der Kauf vor Ort möglich sein.

Lesedauer: 3 Minuten

In See können Besucher zwischen den Lavendelreihen entlanglaufen.
Es muss keine Frankreich-Reise sein, um schöne Aufnahmen vom blühenden Lavendel zu machen, wie hier mit Model Ania. Eine Fahrt nach See reicht da im Sommer schon aus. Besucher können zwischen den Lavendelreihen entlanglaufen. © SZ/Steffen Gerhardt

Von Steffen Gerhardt

Andreas Graf ist zufrieden mit der Lavendel-Ernte. Für den Vorsitzenden der Agrargenossenschaft im Nieskyer Ortsteil See ist sie bereits abgeschlossen.

Von der zweieinhalb Hektar großen Fläche konnten rund 100 Kilogramm Lavendelblüten geerntet und dazu 32 Kilogramm Öl gewonnen werden. Öl ist weniger als im Vorjahr. 2022 stand ein Ertrag von 45 Kilogramm zu Buche. Dennoch ist der diesjährige Ertrag etwas mehr über der Menge, die die Seer im ersten Erntejahr 2021 destillierten. Da waren es 28 Kilogramm. Das hat aber einen Grund, erläutert Andreas Graf: „In diesem Jahr ist die Nachfrage nach Lavendelblüten für die Weiterverarbeitung gestiegen.“ Um die Blüten in ihrer vollen Pracht vom Feld zu holen, begann die Ernte in diesem Jahr zeitiger. Mit dem Nachteil, dass der Ölgehalt der Pflanze geringer ist, weil sie noch nicht ausgereift ist.

Die Blüten finden für viele Produkte Verwendung, die die Agrargenossenschaft zusammen mit Partnern entwickelt hat und zum Kauf anbietet. So bestehen nicht nur die Duftsäckchen aus Lavendelblüten. Diese finden sich auch in Seife, Haarshampoo, Lippenbalsam sowie in der Lavendelsalami und im Speiseeis verarbeitet wieder.

Internetshop aufgemöbelt

Die Seer Agrar setzt auf die Eigenvermarktung ihrer Lavendelprodukte. Dafür hat sie für die neue Saison ihrem Onlineshop nicht nur ein neues Aussehen gegeben, sondern auch den Bestellprozess optimiert. „Bisher wird unser Internetshop von zwei Kolleginnen neben ihren eigentlichen Aufgaben bedient. Mit den Änderungen hat sich der Aufwand für sie verringert“, erklärt der Agrarchef. Auch kommt ein Postbote jetzt zur Genossenschaft, um die Versandpäckchen abzuholen. Bisher mussten die Frauen das selbst zur Post bringen.

Dennoch zeigen die Klicks und Bestellungen, dass dieses Geschäft bald nicht mehr „nebenbei“ zu machen ist. Und da will die Agrargenossenschaft eigentlich hin. Mit der Auffrischung ihrer Internetpräsenz konnten die Seer im September rund 5.000 Zugriffe auf ihr Portal Lausitzer-Lavendel.de verbuchen. Dieses ist vor allem für Kunden in Deutschland gedacht. Vom Ausland nimmt Andreas Graf bisher Abstand, da jedes Land so seine eigenen Bestimmungen und Gesetze zum Onlinehandel hat.

Vorsitzender Andreas Graf zeigt eine Auswahl an Produkten der Seer Agrar, die aus Lavendel aus dem eigenen Anbau hergestellt werden.© SZ/Steffen Gerhardt

Auch wenn die Lavendelpflanze nur etwa 1,5 Prozent der insgesamt bewirtschafteten Fläche der Genossenschaft in Anspruch nimmt, „ist Lavendel für uns ein wichtiges Standbein“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Denn neben Produktion und Vermarktung wollen die Seer dieses Alleinstellungsmerkmal auch touristisch in der Region verankern. Dafür haben sie im Jahr aber nur zwei Monate die Gelegenheit, wenn im Juni und Juli der Lavendel blüht.

Reisebusse stoppen in See

Drei Reisebusse hielten in diesen beiden Monaten in See, erzählt Andreas Graf. Die Gesellschaften bekamen jeweils eine Führung sowie Kaffee und Kuchen. Wobei Lavendelkuchen auch noch eine Option für die Gäste wäre. „Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Ideen und ihrer Umsetzung“, erklärt der Vorstandsvorsitzende. Aber dazu braucht es immer einen Partner in Wirtschaft und Handwerk. Dieser sollte seinen Sitz möglichst lokal oder regional haben – aus Gründen der Nachhaltigkeit und kurzer Vertriebswege.

Neu ins Programm aufnehmen wollen die Seer Kerzen mit Lavendelduft und ein Blütengewürz. Überlegungen gibt es auch, Sirup mit Lavendelgeschmack herstellen zu lassen. Nachfragen kommen da aus der Gastronomie, auch nach einem Likör oder Cocktails mit Lavendelgeschmack. Denn es geht auf die Weihnachtszeit zu, und da sind Geschenke wieder gefragt. „Das ist auch die Zeit, in der unser Onlineshop besonders intensiv frequentiert wird“, sagt Andreas Graf.

Ab diesem Jahr lohnt sich ein Internetbesuch besonders. Dieser lädt ein zu einem virtuellen Rundgang durch das Lavendelfeld. Auf beigefügten Schaltflächen erfährt der Besucher Interessantes über die Pflanze und ihre Verarbeitung. Das haben sich die Seer auch aus dem Grund einfallen lassen, weil der Lavendel nur zwei Monate blüht, bevor er geerntet wird.

Lavendelgeschäft im Haus

Für nächstes Jahr ist ein größeres bauliches Vorhaben geplant. Die Agrargenossenschaft will in ihrem Verwaltungssitz ein kleines Geschäft einrichten, um die Produkte hinter der eigenen Haustür zu verkaufen. „Vor allem von Besuchern unseres Lavendelfeldes kommen oft Nachfragen, ob sie nicht auch die Produkte bei uns kaufen können. Das soll im neuen Jahr zur Saison möglich werden“, versichert der Agrarchef.

Dann wird in dem Laden auch eine Tiefkühltruhe stehen, in der das begehrte Speiseeis mit Lavendel liegt. Aber solange braucht die Kundschaft nicht zu warten. Die Agrargenossenschaft See ist mit ihrem Stand auf dem nächsten Naschmarkt in Niesky vertreten. Dort wird es das erste Lavendeleis nach der Saisonpause geben – als Milcheis und als Erdbeer-Sorbet. Der Markt findet in einer Woche, am 14. Oktober, auf dem Zinzendorfplatz in Niesky statt.

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