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Neue Ideen für VW Dresden: Was die Betriebsräte mit der Gläsernen Manufaktur vorhaben

Die Gläserne Manufaktur von VW in Dresden ist weltweit einzigartig, sagt der Betriebsratsvorsitzende Thomas Aehlig. Um sie zu retten, macht er drei Vorschläge für „sinnvolle Beschäftigung“.

Lesedauer: 3 Minuten

Georg Moeritz

Dresden. Autofreunde sollen auch nach dem Ende der Serienproduktion in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen erleben, wie Fahrzeuge montiert werden. Das ist ein Teil des Vorschlags „Neustart Faszination Forschung“, mit dem Betriebsrat und Industriegewerkschaft (IG) Metall Beschäftigung bei VW in Dresden retten wollen. Im Gewerkschaftshaus stellten die Arbeitnehmervertreter am Donnerstag drei Sparten vor, die den Betrieb am Laufen halten könnten.

Der Betriebsratsvorsitzende Thomas Aehlig war schon zum Produktionsstart des Luxusautos VW-Phaeton im Jahr 2001 dabei. Er akzeptiert, dass in diesem Dezember die Serienproduktion in der Gläsernen Manufaktur am Großen Garten endet – die Montage der Elektroautos vom Typ ID.3. Doch Aehlig fordert ein Konzept, das den verbleibenden Angestellten eine „sinnvolle Beschäftigung“ ermöglicht.

Die Montage von Autos ist das Herz der Gläsernen Manufaktur. – Thomas Aehlig, Betriebsratsvorsitzender

Betriebsrat und IG Metall wollen die Einzigartigkeit der VW-Manufaktur nutzen. Das Gebäude sei nicht als reine Bürofläche geeignet. „Die Montage von Autos ist das Herz der Gläsernen Manufaktur“, sagte Aehlig. Nirgendwo sonst kenne er eine solche Produktion inmitten der Öffentlichkeit. In drei Sparten könne VW in Dresden auf das Erreichte aufbauen:

Sparte 1: Verstärkte Forschung

Erprobung und Innovation gehörten laut Aehlig von Anfang an zur Arbeit in der VW-Manufaktur. Dort könnten Ideen „in einer realen Produktionsumgebung zur Serienreife gebracht werden“. Neue Produktionsanlagen ließen sich dort testen. Dresden könne zum Beispiel zum Autonomen Fahren beitragen und zur Kreislaufwirtschaft, also zur Wiederverwertung von Autokomponenten. Der Betrieb solle sich „von der Werkbank zum Wissensstandort entwickeln“.

Sparte 2: Erlebnis Sonderfahrzeugbau

Auch wenn die Serienproduktion endet, darf laut Betriebsrat „der Erlebnischarakter der Gläsernen Manufaktur nicht verloren gehen“. Als Kunden- und Besucherattraktion komme auch die regelmäßige Montage von Vorserienfahrzeugen infrage und die Demonstration von Neuerungen. Die Manufaktur könne damit weiterhin zur „Speerspitze des Automobilbaus“ gehören – nach Phaeton-Oberklasse und dann E-Mobilität stehe künftig Autonomes Fahren im Vordergrund.

Sparte 3: Mehr Marken außer VW nutzen

Die Arbeitnehmervertreter schlagen vor, die „internationale Strahlkraft“ der Gläsernen Manufaktur auch für andere Marken des Volkswagen-Konzerns zu nutzen. Bisher können VW-Käufer ihre Elektroautos in dem futuristischen Bau am Großen Garten abholen.

Aehlig sagte, mit minimalem Aufwand lasse sich der Vertrieb samt Probefahrten und Events auf die gesamte Volkswagen-Gruppe ausweiten. Ihr gehören Marken wie Skoda, Seat, Audi und Porsche. Im Sommer hatte Aehlig vorgeschlagen, auch Autos der VW-Marke Lamborghini in der Manufaktur zu montieren.

Der Dresdner VW-Betriebsratsvorsitzende Thomas Aehlig (rechts im Bild) und IG-Metall-Bevollmächtigter Stefan Ehly fordern, dass in Dresden weiterhin Autos montiert werden - zum Beispiel Vorserienmodelle.
Der Dresdner VW-Betriebsratsvorsitzende Thomas Aehlig (rechts im Bild) und IG-Metall-Bevollmächtigter Stefan Ehly fordern, dass in Dresden weiterhin Autos montiert werden – zum Beispiel Vorserienmodelle.
Quelle: Foto: Sven Ellger

Derzeit sind laut Betriebsrat rund 300 Menschen in dem VW-Unternehmen beschäftigt. Zwar gilt für sie eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2030, doch nach Firmenangaben werden mindestens 100 von ihnen ausscheiden: mit Abfindung, in Altersteilzeit oder weil sie an einen anderen VW-Standort wechseln. Mit einer zweistelligen Zahl gebe es noch Gespräche darüber.

Für etwa ein Drittel der Bleibenden ist bisher laut Gewerkschaft „ab 2026 keine angemessene Tätigkeit vorgesehen“. Das sei nicht akzeptabel. Laut Aehlig könnten alleine in der verstärkten Forschungssparte rund 50 Spezialisten „sinnvoll beschäftigt werden“, mehrere Dutzend zusätzlich in Montage und Vertrieb. Aehlig sagte, Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) habe ihn angerufen und Unterstützung zugesagt.

IG Metall betont Marketingwert der VW-Manufaktur

Dresdens IG-Metall-Chef Stefan Ehly sagte, die Beschäftigten könnten „einen entscheidenden Mehrwert für Volkswagen“ bilden. Der Betrieb erwirtschafte jährlich einen „Marketingwert“ von mindestens 30 Millionen Euro für VW und Dresden und sei ein Tourismusmagnet.

Mit ihren Vorschlägen machen die Arbeitnehmervertreter Druck auf das VW-Management. Sie werfen dem Vorstand vor, das Konzept 55 Tage vor Jahresende noch „nicht geliefert“ zu haben. Am 4. Dezember wird VW-Markenvorstand Thomas Schäfer auf einer Betriebsversammlung in Dresden erwartet.

Das Unternehmen äußerte sich am Donnerstag nicht im Detail zu den Vorschlägen. Ein Sprecher bekräftigte, der Standort bleibe „Erlebniswelt und Auslieferungszentrum von Volkswagen“. In Gesprächen mit der Landesregierung würden „etwaige Kooperationen sowie mögliche Nutzungskonzepte für nicht mehr benötigte Flächen“ ausgelotet.

TU Dresden forscht mit Volkswagen

Klar abgelehnt hat der VW-Vorstand im September die Forderung von Ministerpräsident Kretschmer, Forschungsaufträge im Wert von 100 Millionen Euro an wissenschaftlichen Einrichtungen in Sachsen zehn Jahre lang abzusichern. Damit sollte in der VW-Manufaktur die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft vorangetrieben werden. VW hat lediglich die Finanzierung von Forschungsaufträgen für die Technische Universität Dresden (TU) im Wert von 1,5 Millionen Euro angeboten.

Nach Plänen der Landesregierung soll die TU die Hälfte der Fläche der Manufaktur nutzen – und mit VW ein Innovationszentrum bilden. Mögliche Forschungsfelder: Künstliche Intelligenz und Robotik, Mobilität, Materialforschung, Mikroelektronik. Außerdem soll die vom Bund geförderte Einrichtung BoOst zum Anschieben von Start-up-Firmen die Räume nutzen.

SZ

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