Dresden. Die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) sind weiter in Finanzproblemen. Extrem harte Sparmaßnahmen konnten Anfang 2025 in letzter Minute gestoppt werden.
Dennoch gab es Einschnitte. Zum einen wurde auf einzelnen Linien gekürzt, der Ferienfahrplan gilt nicht mehr nur während der Sommerferien. Zum anderen soll durch „Einmaleffekte“ Kasse gemacht werden. Der Verkauf von Tafelsilber steht an. Profitieren könnte der Landkreis Meißen.
Welche Probleme gibt es bei den DVB?
Der Zuschussbedarf für die DVB betrug von 2007 bis 2018 immer etwa 40 Millionen Euro pro Jahr. Diese konnten komplett über die Gewinne der Technischen Werke Dresden (TWD), also damals der Drewag, finanziert werden.
Mittlerweile pendelt der Verlust um die 60 Millionen Euro. Allein das zu erreichen, war ein Kraftakt, eigentlich waren für voriges Jahr 82 Millionen Euro als Defizit geplant. Ursache für die hohen Minusbeträge sind vor allem zu geringe Einnahmen aus dem Deutschland- und dem Bildungsticket, aber auch höhere Löhne und die Energiekosten.
Anfang 2025 wurde deshalb zwar ein radikales Sparen verhindert, allerdings müssen 8,1 Millionen Euro durch einen Einstellungsstopp, den Verkauf von Anteilen und den Aufschub von Bauleistungen gespart werden. Einer dieser Verkäufe steht jetzt an.
Welche Anteile werden konkret verkauft?
Anfang 2004 hatte der Landkreis Meißen 74,9 Prozent der Anteile an der Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM) an die Dresdner Verkehrsbetriebe verkauft. Damals erschien dies nötig, damit das relativ kleine Verkehrsunternehmen aus dem Umland von der Größe und Innovationskraft der DVB profitiert. 1,8 Millionen Euro wurden nach Meißen überwiesen.
Per Beschluss des Kreistages Meißen sollen diese Anteile auf der Sitzung am 11. Dezember zurückgekauft werden. Die VGM wären damit wieder im Besitz des Landkreises. Gezahlt werden müssen dafür 3 Millionen Euro und eine einmalige Ausschüttung von 700.000 Euro aus den Gewinnen der Verkehrsgesellschaft.
Wie wird der Verkauf im Landkreis Meißen gesehen?
In der Ankaufsvorlage listet der Landkreis sowohl Chancen als auch Risiken auf. Demnach habe der Landkreis zunehmend Investitionskosten selbst getragen, die DVB wären dazu nicht verpflichtet gewesen. Zudem hat der Landkreis kein Vorkaufsrecht für die Anteile am eigenen Verkehrsunternehmen, die DVB könnte daher auch an einen anderen Investor verkaufen.

Quelle: Eric Weser
Viel wichtiger: Die Meißner Verkehrsgesellschaft macht durch das dort gewählte Vertragskonstrukt auf dem Papier im Gegensatz zu den DVB Gewinne. 2025 wird knapp eine Million Euro erwartet, im Vorjahr war es knapp eine halbe Million Euro. Hintergrund dafür ist, dass die VGM vorab Zuschüsse erhält. Bei den DVB werden im Nachgang Verluste ausgeglichen.
Bislang haben die DVB auf eine Ausschüttung der formal anfallenden Gewinne verzichtet. „Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass künftig auch eine Gewinnentnahme in Betracht gezogen wird“, steht in der Kaufvorlage des Landkreises.
Soll heißen: Je verzweifelter die DVB Geld suchen, umso wahrscheinlich ist der – erlaubte – Griff in die Meißner Kassen. Risiken sieht Meißen vor allem im Verlust des starken Partner DVB und des dort vorhandenen strategischen Wissens.
Sind drei Millionen Euro ein guter Preis für Dresden?
Um den Kaufpreis zu bestimmen, wurde eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit einer Unternehmensbewertung der VGM beauftragt. Demnach ist die Verkehrsgesellschaft (knapp 300 Mitarbeiter, mehr als 11 Millionen Fahrgäste pro Jahr) etwa 15 Millionen Euro wert. Weil, wie in Dresden, auch in Meißen reichlich Investitionen anstehen, liegt der eigentliche Wert aber eher bei 3,2 bis 4,2 Millionen Euro.
Der Wert der DVB-Anteile würde entsprechend bei 2,4 bis 3,1 Millionen Euro liegen. Als Kaufpreis werden 3 Millionen Euro angeboten, zudem die einmalige Gewinnausschüttung von 700.000 Euro.
Wie schätzt Dresden den Verkauf ein?
Die DVB verkaufen vor allem, weil die 3 Millionen Euro dringend gebraucht werden, um das TWD-Konzernkonstrukt zu stabilisieren. Die Sachsen-Energie macht zwar weiter Gewinne, steht aber auch vor gewaltigen Investitionskosten in die Energiewende.
„Der Verkauf wurde uns durch die TWD im Rahmen der geforderten Restrukturierung angewiesen“, sagt DVB-Sprecher Christian Schmidt entsprechend kurz angebunden. Der Einmalerlös trage zur Ergebnisverbesserung der DVB bei.
Der Dresdner Stadtrat und DVB-Aufsichtsrat Veit Böhm (CDU) sagt vor diesen Hintergrund: „Es ist sicherlich nicht unser Wunsch, die Anteile zu verkaufen, die aktuelle Haushaltslage der Stadt und bei den DVB zwingt uns dazu.“
Es ist nicht nachhaltig, für den kurzfristigen Erlös langfristig Gewinne und Steuerungsmöglichkeiten aus der Hand zu geben. – Susanne Krause (Grüne), Stadträtin und DVB-Aufsichtsrätin
Auch Susanne Krause sitzt im Stadtrat und im DVB-Aufsichtsrat. Sie betont: „Es ist nicht nachhaltig, für den kurzfristigen Erlös langfristig Gewinne und Steuerungsmöglichkeiten aus der Hand zu geben.“
Stadtrat André Schollbach (Linke): „Der massive Druck des Oberbürgermeisters auf die DVB führt zu einem wirtschaftlich unvernünftigen und für unsere Stadt nachteiligen Verkauf von Tafelsilber.“ Das Fatale sei, dass hier lediglich ein Einmaleffekt erreicht wird, in dessen Folge dann regelmäßige Einnahmen fehlen.
SZ


