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Offiziell bestätigt: Elektrifizierung der Bahnstrecke von Görlitz nach Polen verzögert sich

Die Deutsche Bahn musste die Bauarbeiten für die kurze Strecke von Görlitz bis zum Neißeviadukt neu planen. Die Fertigstellung verschiebt sich dadurch von Dezember 2026 auf Herbst 2027.

Lesedauer: 3 Minuten

Das ist der Plan der Bahn für die Elektrifizierung der Strecke vom Neißeviadukt bis zum Bahnhof Görlitz. Quelle: Deutsche Bahn

Ingo Kramer

Görlitz. Jetzt ist es offiziell: Die Elektrifizierung der Bahnstrecke von Görlitz nach Polen wird nicht pünktlich fertig. „Die Fertigstellung der Arbeiten für die Elektrifizierung der Gleise 3 und 4 im Bahnhof Görlitz sowie der Streckengleise in Richtung Polen verzögert sich auf Herbst 2027″, teilt die Deutsche Bahn AG jetzt in ihrem Bau-Infoportal mit. Ursprünglich war die Inbetriebnahme des elektrifizierten Streckenabschnitts zwischen Bahnhof und Neißeviadukt bereits für Dezember 2026 geplant.

Völlig überraschend kommt die Nachricht nicht: Bereits im Herbst 2025 hatte die Bahn auf SZ-Nachfrage Probleme eingeräumt. Sie musste die Bauarbeiten neu planen, hieß es damals. Das bringe den Zeitplan ins Wanken. Allerdings gab Ulrich Mölke, der Projektleiter für die Elektrifizierung der 1500 Meter Gleisstrecke, damals die Hoffnung noch nicht auf. Ziel sei es nach wie vor, Ende 2026 fertig zu werden, sagte er im Herbst: „Wir halten erst einmal an unserem Terminplan fest.“

Schon vor mehr als einem Jahr wurden für die Elektrifizierung der Bahnstrecke Görlitz-Zgorzelec vor dem Neißeviadukt zahlreiche Bäume gefällt. Doch die Elektrifizierung zieht sich hin.
Schon vor mehr als einem Jahr wurden für die Elektrifizierung der Bahnstrecke Görlitz-Zgorzelec vor dem Neißeviadukt zahlreiche Bäume gefällt. Doch die Elektrifizierung zieht sich hin.
Quelle: SZ/Steffen Gerhardt

Personentunnel muss komplett neu gebaut werden

Von dieser Illusion hat er sich nun offiziell verabschiedet. „Bei Untersuchungen zum Personentunnel stellten wir im Vorfeld fest, dass nicht nur die Überbauten, sondern auch die Widerlager vollständig erneuert werden müssen“, heißt es in der jetzigen Mitteilung der Bahn. Dadurch sei ein kompletter Neubau des Personentunnels zwischen den Gleisen 3 und 7 erforderlich. Der Personentunnel ist der Durchgang, der von der Bahnhofshalle zu den Gleisen und auch zum Südausgang führt. Er wird da, wo die Gleise 3 und 4 verlaufen, für mehrere Monate gesperrt. Ursprünglich war geplant, dass er während der gesamten Bauzeit geöffnet bleiben kann.

Die Arbeiten am Personentunnel beginnen im Herbst. Während dieser Bauarbeiten können Reisende die Bahnsteige nicht über die Bahnhofshalle erreichen, sondern nur über den Bahnhof-Südausgang. „Über die geänderte Wegeleitung informieren wir rechtzeitig“, heißt es nun. Das Problem: Am Südausgang gibt es lediglich steile Treppen, aber keinen Aufzug. Eventuelle Lösungen seien ein temporärer Schrägaufzug entlang der Treppe – oder Handarbeit. Sprich: Mitarbeiter der Bahnhofsmission müssten alles die steilen Treppen hinauf und hinab schleppen.

Noch ein Problem ist nicht bis Dezember lösbar

Ein weiteres Problem: Für die geplante Betriebsaufnahme muss die sichere Ein- und Ausfahrt polnischer Züge technisch gewährleistet sein. Dafür entwickeln die beteiligten Infrastrukturunternehmen gemeinsam eine Lösung mit dem Europäischen Zugbeeinflussungssystem European Train Control System (ETCS). Jetzt räumt die Bahn ein: „Trotz großer Anstrengungen aller Beteiligten kann diese Lösung aufgrund des fehlenden notwendigen zeitlichen Vorlaufs ebenfalls nicht bis Dezember umgesetzt werden.“

Trotz großer Anstrengungen aller Beteiligten kann die Lösung aufgrund des fehlenden notwendigen zeitlichen Vorlaufs nicht bis Dezember umgesetzt werden. – Deutsche Bahn AG, Information auf dem Bau-Infoportal

Und dann gab es noch eine andere Frage: Im Herbst 2025 erklärte Mölke, es fehle noch ein Unternehmen für die Bauleistungen, also Gleisbau, Weichen, Bahnsteige und Ingenieurbauwerke wie Brücken und Aufzüge. Um dieses Unternehmen zu finden, lief damals eine europaweite Ausschreibung. Mölke ging davon aus, dass im Februar der Zuschlag an ein Unternehmen erteilt wird. Danach sollte das Unternehmen so schnell wie möglich loslegen, also bestenfalls schon im April oder Mai.

„Das Risiko besteht darin, dass wir kein Unternehmen finden, das in der Zeit, die wir vorgeben, die geforderte Leistung erbringen kann“, sagte Mölke im Herbst. Auf SZ-Nachfrage hat Bahnsprecherin Katja Stumpp jetzt zumindest an dieser Stelle eine gute Nachricht parat: „Wir haben im Rahmen des Ausschreibungsverfahrens ein leistungsfähiges Bauunternehmen gewinnen können und befinden uns im Beauftragungsprozess, den wir in Kürze abschließen.“

SZ

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