Von Anja Beutler
Bautzen/Görlitz. Den Deutschen wird regelmäßig mit Umfragen auf den Puls gefühlt, indem Forscher Stimmungen und Meinungen abfragen. Die Oberlausitz hat seit sieben Jahren ebenfalls ein eigenes „Stimmungsbarometer“ namens Lausitz-Monitor, das außerdem noch Fragen zum Thema Energiewende und Strukturwandel beleuchtet.
Verantwortet vom Kommunikationspsychologen Jörg Heidig und seinen Kollegen, wird an diesem Dienstag der Lausitz-Monitor 2026 vorgelegt. Er zeigt zum einen sehr widersprüchliche Ergebnisse, zum anderen einen deutlicheren Abwärtstrend als je zuvor. Eine Übersicht über die Ergebnisse:
Ergebnisse Lausitz-Monitor 2026
- Stimmung ist schlechter geworden
- Frauen als kritische Gruppe
- Weltlage überdeckt lokale Herausforderungen
- Geteilte Meinung bei Strukturwandel
- Stärken und Schwächen der Lausitz
Stimmung ist schlechter geworden
Die erste Erkenntnis, so betont Jörg Heidig, ist zwar generell nicht ganz neu, in ihren Konsequenzen aber schon: „Die Stimmung ist schlechter geworden, erstmals aber schlägt sich das auch auf die persönliche Lebenszufriedenheit deutlich nieder“, sagt er. Zwar habe es seit der ersten Befragung 2020 bereits einen Abwärtstrend bei der allgemeinen Stimmungslage gegeben. Allerdings blieb die eigene Lebenszufriedenheit bei leichten Schwankungen davon immer weitgehend unberührt.
Das Bild hat sich nun verändert: Die Meinungsforscher messen aktuell einen starken Rückgang von 12 Prozent bei der ganz persönlichen Zufriedenheit: Waren 2025 noch 79 Prozent der Befragten persönlich so zufrieden, dass sie eine Schulnote von 1 bis 3 vergeben würden, sind es in diesem Jahr nur 67 Prozent. Bei dieser Art der Benotung lag das persönliche Zufriedenheitsgefühl im Schnitt damit erstmals schlechter als 3 – und zwar bei 3,1.
Die Stimmung ist schlechter geworden, erstmals aber schlägt sich das auch auf die persönliche Lebenszufriedenheit deutlich nieder. – Jörg Heidig, Kommunikationspsychologe
Verschlechtert hat sich auch der Blick auf die letzten fünf Jahre: 30 Prozent haben angegeben, es sei schlechter oder viel schlechter geworden. 2025 waren es 23 Prozent. Der Anteil derjenigen, die ihre Lage besser einschätzen, sank von 25 auf 23 Prozent. Rund die Hälfte, mit 46 Prozent, sieht weiterhin wenig Veränderung (–4 Prozent).
Lausitz-Monitor 2026
Dem Lausitz-Monitor liegt eine Befragung von 1024 deutschsprachigen Bürgerinnen und Bürgern ab 16 Jahren aus der Lausitz zugrunde. Befragt wurden Menschen verschiedenen Alters und Geschlechts in den Landkreisen Bautzen und Görlitz in Sachsen, sowie Spree-Neiße, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Cottbus und Dahme-Spreewald in Brandenburg. Die Umfrage wurde im März und April 2026 gemacht.
Frauen als kritische Gruppe
Unter den Befragten fielen und fallen vor allem die Haltungen der Frauen auf. „Die kritische Gruppe waren schon immer die Frauen, sie waren immer generell kritischer als die Männer“, analysiert Jörg Heidig die Daten. Sie seien, so zeigt die Befragung, offenbar unzufriedener und das inzwischen weitaus stärker als zuvor: „Bislang war vor allem bei jungen Frauen bis 40 Jahren die Zufriedenheit immer deutlich geringer als bei den Männern. Jetzt sehen wir das auch bei den Frauen bis 60 Jahre“, beschreibt Heidig die Ergebnisse.
Woran das liegt, darüber kann auch er nur spekulieren. Möglicherweise spiele hierbei eine Rolle, dass Frauen eher in Teilzeit arbeiten als Männer. Denn auch diese Gruppe schätzt ihre Situation und die Zukunft schlechter ein als diejenigen, die Vollzeit arbeiten, oder all jene, die nicht (mehr) im Erwerbsleben stehen.
Weltlage überdeckt lokale Herausforderungen
So deutlich wie noch nie werden Pessimismus und negative Einschätzungen in diesem Jahr von globalen Faktoren getrieben: 73 Prozent der Befragten gaben an, die weltpolitische Lage habe negative Auswirkungen auf die persönliche Zukunft. Im vergangenen Jahr sagten das nur 38 Prozent.
Vom Thema Inflation sehen sich jetzt 82 Prozent negativ beeinflusst (–2 Prozent). Den Krieg in der Ukraine sehen aktuell 68 Prozent (–1) als belastend für die persönliche Zukunft. Das Thema Migration geben in diesem Jahr 53 Prozent als Negativfaktor an – und damit 7 Prozent weniger als noch im Jahr 2025.
Geteilte Meinung bei Strukturwandel
Ob man den Strukturwandel aktuell und ganz persönlich wahrnimmt, liegt vermutlich stark daran, in welcher Region der Lausitz man wohnt. Dort, wo Großprojekte laufen – das neue Medizinstudium und der Ausbau des ICE-Instandhaltungswerkes in Cottbus oder das Deutsche Zentrum für Astrophysik in Görlitz – gibt es mehr Dynamik als anderswo.
Ein Spiegel dieser Entwicklung könnte sein, dass der Anteil derer, die besonders zufrieden mit dem Strukturwandel sind, gestiegen ist: von 2 auf 8 Prozent. Genauso gab es aber bei den sehr Unzufriedenen einen Zuwachs von 5 auf 9 Prozent.

Quelle: Benjamin Zibner
Psychologe Jörg Heidig beobachtet ein solches Auseinandergehen der Meinungen bei den Umfragen zunehmend. Ungeachtet dessen liegt der Anteil derer, die den Strukturwandel positiv bewerten, aber stabil bei 54 Prozent (+1).
Stärken und Schwächen der Lausitz
Beim Blick in die Zukunft schätzen 45 Prozent die Rolle des Strukturwandels als negativ ein (+4). Gleichzeitig gibt es aber auch mehr Befragte, die ihn positiv bewerten: Ihr Anteil ist von 15 auf 21 Prozent gestiegen. Dieser Effekt scheint sich allerdings nicht aus der Hoffnung auf eine bessere wirtschaftliche Entwicklung der Region oder des Arbeitsmarktes zu speisen, denn hier ist das Antwortverhalten eher stabil.
Trotz des steigenden Pessimismus wird die Lausitz als attraktive Region weiter positiv bewertet – vor allem beim Thema Urlaub (68 Prozent), der besonderen sorbischen Prägung (64) oder der Kultur (55). Hier sind die Daten stabil. Ebenfalls nahezu unverändert sieht nur rund ein Drittel die Lausitz als attraktiven Unternehmens‑, Arbeits‑ und Wirtschaftsstandort. Dass die Lausitz ein attraktiver Wissenschaftsstandort ist, sehen inzwischen 37 Prozent der Befragten so (+5 Prozent).
Als größte Herausforderung steht die Wirtschaft weiter mit 26 Prozent ganz oben, gefolgt von Lebenshaltungskosten (17), Zuwanderung (16) oder den Themen rund um den Kohleausstieg (13). Den demografischen Wandel nehmen mit nur 9 Prozent vergleichsweise wenige als Herausforderung wahr.
SZ


