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Pirnaer Europaletten-Hersteller ist gerettet

Die Firma Palosa hatte im April Insolvenz angemeldet. Nun übernimmt ein Investor den Betrieb – eine gute Nachricht vor allem für die Mitarbeiter.
Lesedauer: 3 Minuten
Man sieht die Palosa-Produktionsstätte in Pirna
Blick in die Palosa-Produktionsstätte in Pirna: Die Maschine schafft bis zu 10.000 neue Europaletten in der Woche. © Daniel Schäfer

Von Thomas Möckel

Im Herbst 2021 begann eine Firma in Pirna zu produzieren, von der es im weiten Umfeld keine zweite gab. Sie war erst kurz davor von Kreischa in den Industriepark „An der Elbe“ gezogen. Die „Palosa Paletten Logistik Sachsen GmbH & Co. KG“ war darauf spezialisiert, Europaletten aus Holz zu reparieren und neue zu produzieren. Fahrt nahm das Unternehmen in Pirna zunächst mit einer Maschine auf, die gebrauchte hölzerne Warenträger repariert. Dieses Aggregat war eigens nach den Wünschen des damaligen Palosa-Geschäftsführers Thomas Müller gebaut worden.

Ein Jahr später ging die zweite Maschine in Betrieb, diesmal eine, mit der sich neue Europaletten herstellen ließen. Alles lief vollautomatisch, auf einer Seite legte ein Mitarbeiter einen Stapel Bretter ein, auf der anderen Seite kam die fertige Palette heraus. Im Einschicht-Betrieb lag die Kapazität bei 10.000 neuen Europaletten – pro Woche.

Doch wenig später geriet der Betrieb wirtschaftlich in Schwierigkeiten, letztendlich war Palosa zahlungsunfähig, die Geschäftsleitung stellte am 11. April dieses Jahres einen Insolvenzantrag. Daraufhin eröffnete das Insolvenzgericht des Amtsgerichts Dresden ein vorläufiges Insolvenzverfahren, Franz-Ludwig Danko aus Dresden wurde zum Insolvenzverwalter bestellt. Er verschaffte sich zunächst einen Überblick und prüfte Möglichkeiten, den Betrieb zu sanieren. Aber die Situation, so schätzte Danko anfangs ein, sei nicht einfach. Doch nun gibt es gute Nachrichten: Die Firma Palosa Palettenlogistik ist gerettet.

Alle Mitarbeiter werden weiter beschäftigt

Wie ein Sprecher des Insolvenzverwalters aktuell mitteilt, hat das in Pirna ansässige Unternehmen wieder eine Zukunft. Danko habe sich mit einem Investor auf eine Übernahme geeinigt. „Mit der Übernahme hat der Standort Pirna wieder eine gute Perspektive unter dem Dach einer strategisch und wirtschaftlich gut aufgestellten Unternehmensgruppe“, sagt der Insolvenzverwalter.

Besonders freue ihn, dass alle Mitarbeiter übernommen werden. Die entsprechenden Verträge seien bereits unterzeichnet. Die tatsächliche Übernahme des Geschäftsbetriebes, das sogenannte „Closing“, sei laut Danko für Anfang Juli geplant. Bis dahin müssten die Gläubiger des Unternehmens der Übernahme noch zustimmen.

Bei dem Investor handle es sich nach Auskunft von Dankos Sprecher um die Deutsche Paletten Logistik GmbH mit Hauptsitz in Soest in Nordrhein-Westfalen. Der Investor werde den Standort in Pirna in vollem Umfang weiter betreiben und in seine Unternehmensgruppe integrieren. Alle 15 Mitarbeiter würden weiter beschäftigt. Laut des Insolvenzverwalters gehöre die Deutsche Paletten Logistik GmbH zu den führenden Anbietern im für Paletten-Management in Europa und biete unter anderem an über 30 Depots im ganzen Bundesgebiet Palettenlogistik-Dienstleistungen an. Auch die Reparatur von Paletten gehöre zum Angebot.

Preisdruck am Markt wurde zum Problem

Die Paletten Logistik Sachsen GmbH & Co. KG“ hatte sich darauf spezialisiert, Europaletten aus nachhaltig beschafftem Holz zu fertigen. Hinzu kam die Wartung und Reparatur gebrauchter hölzerner Warenträger. Dazu hatte das Unternehmen nach Aussage des Insolvenzverwalters in den vergangenen Jahren in einen hochmodernen und leistungsfähigen Standort in Pirna investiert.

Doch dann kamen die wirtschaftlichen Probleme. Letztendlich stellte die Firma den Betrieb ein, die Produktion war bereits zum Erliegen gekommen, als die Geschäftsleitung im April den Insolvenzantrag stellte. Die Ursache, dass Palosa nach so kurzer Zeit in Pirna in finanzielle Schieflage geriet, seien laut des Insolvenzverwalters die aktuellen Preise gewesen. Der Preisdruck im Markt für die Palettenaufbereitung sei momentan enorm hoch. Das sei für kleinere Anbieter ein großes Problem, auch wenn sie – wie Palosa – über eine hochmoderne Fertigung verfügen. Entsprechend seien die Aufträge stark zurückgegangen. Überdies machten dem Unternehmen die gestiegenen Energiekosten zu schaffen.

Palosa hatte seinen Firmensitz zunächst in Kreischa. Thomas Müller war 1999 in den Betrieb seines Vaters eingestiegen und hatte dann 2010 den Betrieb von ihm übernommen. Das Geschäft entwickelte sich rasch, die Auftragszahlen stiegen, weil die globalen Lieferketten nach immer mehr Europaletten verlangten. Weil sich der Betrieb in Kreischa nicht erweitern ließ, kam letztendlich mit der Stadtentwicklungsgeschäft Pirna (SEP) ein spezielles Geschäft zustande: Die SEP baute im Industriepark „An der Elbe“ auf einem 8.500 Quadratmeter großen Grundstück für zwei Millionen Euro eine 2.000 Quadratmeter große Halle nebst Bürotrakt. Palosa mietet die Halle von der SEP.

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