Dresden. Am Ende mussten Marcel Wünsche und seine Frau Stefanie Karg die Reißleine ziehen. „Wir können einfach nicht mehr, es hat keinen Sinn“, sagt der 46-Jährige. Aus seinem Lebenstraum wurde eine Leidensgeschichte. Der schon eingerichtete Laden Eckkultur am Manuel-Goldberg-Platz in Dresden-Striesen wird nie eröffnen. „Die letzten Monate sind uns an die Substanz gegangen.“
Eigentlich hatten die beiden eine simple Idee. „Ich träume seit mehr als 15 Jahren davon, einen eigenen Spätshop zu eröffnen“, sagte der ausgebildete Gas-Wasser-Installateur schon im Dezember gegenüber der Sächsischen Zeitung. Denn bereits damals gab es ein Problem, das sie am Ende den Laden kosten wird.
Der Laden sollte zum Treffpunkt für das Viertel werden
Der Laden war vorher ein Technik An- und Verkauf, doch der zog aus. Marcel und Stefanie mieteten die Fläche an und verwandelten sie in einen Späti.
Bis 0 Uhr wollten sie unter der Woche öffnen und dort Getränke und Lebensmittel verkaufen. Doch es soll auch ein gemütlicher Ort für die Nachbarschaft werden.

Quelle: Moritz Schloms
Direkt gegenüber des Ladens befindet sich das Programmkino Ost. „Wer nach dem Kino noch ein Gläschen Wein trinken will, kann bei uns entspannt den Abend ausklingen lassen“, sagte Marcel Wünsche. Weil sich nur der Getränke- und Lebensmittelverkauf nicht rechne, nahmen die beiden ein Imbissangebot in ihre Kalkulation auf. Pommes aus der Fritteuse und Bratwürste vom Grill.
Welchen Ärger mit den Behörden es gibt
Doch aus Behördensicht ist es so: Die Verwandlung von einem Technik An- und Verkauf in einen „Laden für Einzelhandel mit Imbissangebot“ ist eine „Nutzungsänderung“ und braucht einen Bauantrag.
Also kommt das Dresdner Bauaufsichtsamt ins Spiel. Die folgende Kommunikation beschreibt Marcel Wünsche als „Zettelkrieg“ und das Verhalten der zuständigen Mitarbeiter in den Behörden als „von oben herab“.
Im Dezember erleiden die beiden einen Rückschlag. Der Antrag ist in aktueller Form nicht genehmigungsfähig. Die Nachbarschaft wäre durch Grill und Fritteuse „erheblichen Belästigungen“ ausgesetzt. So sieht es das Umweltamt.

Quelle: Moritz Schloms
Marcel Wünsche ärgert besonders, dass er schon bevor er den Mietvertrag unterschrieb, Kontakt zu den Ämtern suchte, um auszuloten, was vor Ort möglich ist. Ein Treffen sei abgelehnt worden. „Wenn wir das alles vorher gewusst hätten, dann hätten wir den Laden nie gemietet.“
Welche neuen Probleme für die Ladenbesitzer hinzukommen
Auch Ärger mit dem Brandschutz kommt hinzu. Ein Gutachten ergibt laut Marcel Wünsche, dass die Sicherheit in dem Laden nicht gewährleistet ist, obwohl der Laden auch zuvor vermietet war.
Es kommt zum Streit zwischen Eigentümer und den Mietern, wer für den Brandschutz aufkommen muss. Die Eröffnung verzögert sich, unterdessen verschlingt der Laden jeden Monat 3000 Euro.
Mittlerweile hat Wünsche einen Anwalt eingeschaltet, der die bereits gezahlte Miete vom Eigentümer wegen den Brandschutzmängeln zurückfordert. Schon im Dezember fürchtete Marcel Wünsche, die 4000 Euro für das Brandschutzgutachten könnten den finanziellen Ruin bedeuten. Fehler sieht er auch beim Dresdner Bauaufsichtsamt.

Quelle: Moritz Schloms
Dort war das Paar im vergangenen Jahr vor der Antragstellung. Eine Mitarbeiterin markierte auf dem „Informationsblatt 12″ mit grünem Textmarker, welche Formulare und Nachweise der Antrag braucht. Basierend darauf erstellte der beauftragte Architekt den Antrag. Dann forderte das Bauamt doch auch andere Formulare nach, etwa zum Brandschutz oder zur Statik. „Da liegt der Fehler klar beim Bauaufsichtsamt“, sagt Marcel.
Wir haben super Feedback von den Menschen im Viertel bekommen und sind auch dankbar, dass so viele Menschen uns mit Spenden geholfen haben. – Marcel Wünsche, Ladenbesitzer
Das sieht die Stadt anders. Generell gelte, dass im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens nachgewiesen werden müsse, dass ein Vorhaben öffentlich-rechtlichen Vorschriften entspreche. Konkrete Nachfragen bleiben unbeantwortet, man äußere sich zu laufenden Verfahren nicht im Detail, sagte eine Pressesprecherin im Dezember.
Auch Spendenkampagne kann Laden nicht retten
Am Ende sind die laufenden Kosten zu hoch, die Zukunft zu ungewiss. Marcel Wünsche und Stefanie Karg müssen aufgeben. Auch eine Spendenkampagne kann den Laden nicht mehr retten. Auf Gofundme kommen zwar etwas mehr als 3200 Euro zusammen, doch das kann fehlende Einnahmen aus dem nur an einem Tag in der Woche genehmigten Grill oder die Kosten für den Brandschutz nicht decken. „Das ist einfach nur schade, super schade, dass es nicht geklappt hat“, sagt Marcel Wünsche.
Das Geld der Spender wurde, wie in der Spendenkampagne aufgelistet, verwendet, um die laufenden Kosten zu decken. „Wir haben super Feedback von den Menschen im Viertel bekommen und sind auch dankbar, dass so viele Menschen uns mit Spenden geholfen haben“, sagt der 46-Jährige.
Wie es für ihn und seine Frau weitergeht, weiß er nicht. Noch frisst der Streit mit dem Eigentümer wegen des Brandschutzes Zeit und Energie. Doch eins ist für Marcel Wünsche klar: Noch einmal will er auf gar keinen Fall einen Laden in Dresden eröffnen.
SZ


