Dresden . Der befürchtete Rechtsruck im Betriebsrat bei Volkswagen Sachsen in Zwickau bleibt aus. Bei der Betriebsratswahl, bei der erstmals drei Listen antraten, entfielen 81,15 Prozent der abgegebenen Stimmen auf die Liste der IG Metall.
Damit stellt die Gewerkschaft künftig 29 der 35 Mandate, teilte sie am späten Freitagabend mit. Die Gesamtzahl der Mandate war aufgrund gesunkener Beschäftigtenzahlen von 37 auf 35 reduziert worden. Die Wahlbeteiligung lag mit 73 Prozent über dem Niveau der Betriebsratswahl vor einem Jahr. Rund 8.200 Beschäftigte waren zur Stimmenabgabe aufgerufen.
„Das Ergebnis ist ein deutliches Zeichen der Belegschaft, die trotz aller Herausforderungen, Unsicherheiten und Spaltungsversuche geschlossen hinter der IG-Metall-Liste steht”, erklärte Thomas Knabel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Zwickau. Mit diesem Rückhalt gehe das Team gestärkt und selbstbewusst in die bevorstehenden Auseinandersetzungen um die Zukunft des Standortes, so der Gewerkschaftsfunktionär weiter.
Niederlage für AfD-nahe Liste
Für das Bündnis freie Betriebsräte (BfB), an dem sich auch die als rechtsextrem geltende Gruppierung „Zentrum-Automobil – die alternative Gewerkschaft” beteiligte, bedeutet das Ergebnis eine Niederlage. Sie hat 604 Stimmen (11,51 Prozent) erhalten und stellt damit künftig vier Betriebsratsmitglieder – so viele wie auch schon jetzt. Das BfB war mit 24 Kandidaten angetreten und wollte die Mehrheit der Mandate erzielen. „Unser Ziel ist die Mehrheit“, hatte Spitzenkandidat Lars Bochmann in einem Beitrag im Spiegel verkündet. Bochmann sitzt in Aue-Bad Schlema für die AfD im Stadtrat und kandidiert dort für das Amt des Oberbürgermeisters.
Im Vorfeld der Wahl war befürchtet worden, dass viele der 8.200 Beschäftigten sich aus Protest über den Tarifkompromiss und die ungewisse Zukunft des Zwickauer VW-Werks von der IG Metall als Interessenvertreterin abwenden. „Dass die Wahlbeteiligung gestiegen ist, zeigt ganz deutlich, dass unsere Belegschaft mitreden und mitgestalten will“, betont Mike Rösler, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender und Spitzenkandidat der Liste IG Metall. Die kommenden vier Jahre werden entscheidend für die Zukunft unserer gesamten Automobilregion sein. „Wir werden alles dafür tun, dass es hier am Standort auch über 2030 hinaus weitergeht, für sichere Arbeitsplätze und eine starke Industrieregion Zwickau“, verspricht der Betriebsrat.
Sieg der IG-Metall-Listen auch in anderen Autofabriken
Bei der VW-Konzernmarke Porsche, bei der es auch nicht rund läuft und die im Leipziger Werk starke Einsparungen vornehmen musste, erzielte die Liste „Gemeinsam erfolgreich – Team IG Metall“ am 11. März 66,3 Prozent der gültigen Stimmen. Das bedeutet 21 von 31 Betriebsratsmandaten. „Dieses Ergebnis verstehen wir als klaren Auftrag. Die Belegschaft erwartet eine starke Stimme für gute Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung und sichere Arbeitsplätze, und ich bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen“, betont Christian Märcz, Betriebsratsvorsitzender bei Porsche und Listenführer „Gemeinsam erfolgreich – Team IG Metall“.
Bei BMW in Leipzig gingen 19 von 31 Mandaten an die offizielle Gewerkschaftsliste „Team IG Metall BMW Leipzig“. Es ziehen aber auch zwei Vertreter der als rechtsextrem geltenden Gruppierung „Zentrum Automobil“ in die Arbeitnehmervertretung ein. Bei der letzten Wahl 2022 erlangte das Zentrum ein Mandat.
Im VW-Motorenwerk in Chemnitz wurde schon in der vergangenen Woche gewählt. Auch da gewann das Team „Zukunft” der IG Metall 13 von insgesamt 17 Plätzen im Betriebsrat. Zentrum-Automobil stellte über das Bündnis freie Betriebsräte (BfB) fünf Kandidaten auf und ergatterte vier Plätze, so viele wie bei der vergangenen Wahl 2022.
SZ


