Von Andreas Dunte
Leipzig. Der Roboter vom Typ Aeon hockt neben einem BMW. „Er befindet sich in Schonhaltung“, sagt Thomas Peters, der im Leipziger BMW-Werk für Innovation und Digitalisierung zuständig ist. Geschont werden in dieser Position die Rollen, auf denen sich der Roboter fortbewegt. Außerdem verbraucht er hockend kaum Batteriestrom. Nimmt Aeon seine Arbeit auf, lehnt er sich balancierend nach hinten, drückt die Beine durch und rollt zum Einsatzort.
In diesem Fall ist das die Karosserietür eines 2er BMW Gran Coupe, die der Roboter mittels Laser abtastet. Ein Computerprogramm stellt dann fest, ob die Tür so verbaut ist, wie es sein soll. Das Ganze läuft geschmeidig ab. Wenige Minuten später hockt der Roboter wieder – schont sich und die Batterie in seinem Inneren.
Roboter im Einsatz in der Qualitätskontrolle
„Die Arbeiten in der Qualitätskontrolle sind oft monoton. Für solche Aufgaben eignet sich ein humanoider Roboter hervorragend“, sagt Petra Peterhänsel, Leiterin des Leipziger BMW-Werks. „Unser Ziel ist es, dass Roboter schwere, monotone und sich wiederholende Tätigkeiten übernehmen und dass so unsere Mitarbeiter entlastet werden“, sagt die gebürtige Eisenacherin. Sorgen müssten sich die Beschäftigten nicht machen, dass Roboter ihnen künftig die Arbeitsplätze streitig machen. „Wir haben im Werk in der Vergangenheit schon viele innovative Projekte umgesetzt. Das hat auch nicht dazu geführt, dass Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren haben“, so die Werks-Chefin.
Unser Ziel ist es, dass Roboter schwere, monotone und sich wiederholende Tätigkeiten übernehmen und dass so unsere Mitarbeiter entlastet werden. – Petra Peterhänsel, Leiterin des BMW-Werks Leipzig
Bereits heute werden zahlreiche stationäre Roboter insbesondere in der Lackiererei und im Karosseriebau eingesetzt, sagt Betriebsratschef Jens Köhler. In der Vergangenheit sei die Zahl der Beschäftigten kontinuierlich gestiegen. Aktuell arbeiten im Leipziger Werk des Münchner Autobauers rund 6600 Frauen und Männer, zusammen mit den Fremdfirmen auf dem Werksgelände sind es rund 11.000.
Lange Trainingseinheiten vor dem Start
Die Piloten, die BMW in Leipzig im Einsatz hat, kommen von der Schweizer Firma Hexagon Robotics. Sie sind bereits mit zahlreichen Eigenschaften ausgestattet. Bei BMW werden sie auf spezielle Tätigkeiten vorbereitet und angeleitet. Das geschieht in einem separaten Bereich im Werk, den Hexagon-Vertreter Darius Wilke nur Garage nennt. Seine Kollegin Sara Guglieri setzt eine Virtual-Reality-Brille auf. Per Sensoren in ihrer Hand führt sie die Arme des Roboters über ein Bauteil. Der Roboter greift das Teil, hebt es an und setzt es wieder ab. Es ist eine Tätigkeit, die bei der Montage von Hochvoltbatterien für E-Autos benötigt wird.
Das werde so lange trainiert, bis die Technik den Vorgang eigenständig und in angemessener Geschwindigkeit selbstständig ausführt, erklärt Darius Wilke. Einige Mitarbeiter würden den Kollegen auf Rädern liebevoll Robby nennen, erklärt er. Für ihn sei das ein gutes Zeichen und zeige, dass man im Leipziger Werk Innovationen aufgeschlossen gegenüberstehe.

Quelle: Hendrik Schmidt/dpa
Hexagon Robotics habe sich auf das Thema Physical AI spezialisiert und im Juni 2025 den ersten humanoiden Roboter vom Typ Aeon vorgestellt. Außer bei BMW habe man die menschenähnlichen Roboter auch beim Autozulieferer Schaeffler und dem Flugzeughersteller Pilatus im Einsatz.
Wie viele der technischen Helfer einmal in den Werken von BMW ihren Dienst verrichten werden, könne man heute noch nicht sagen, so Projektmanager Nikita Aleshin. Mit einigen Hundert rechne er in den nächsten Jahren schon. Weltweit arbeite man mit verschiedenen Herstellern zusammen, im Werk in Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina zum Beispiel mit dem Tech-Unternehmen Figure AI. Am US-Standort war der Roboter an der Fertigung von rund 30.000 BMW X3 beteiligt. Laut Michael Ströbel, Leiter Prozessmanagement und Digitalisierung bei der BMW Group, hat der Figure-Roboter Blechteile für den Schweißprozess präzise und schnell platziert. Auch in Spartanburg sei der Einsatz von Robotern auf großes Interesse gestoßen und als selbstverständlich angesehen worden.
Nach Laborversuchen und ersten Tests beginnt jetzt mit Hexagon in Leipzig die Pilotphase unter Produktionsbedingungen. Sie soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Danach will BMW die Technologie schrittweise auf weitere Anwendungen und Standorte übertragen.


