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Sachsen investiert bis zu 100 Millionen in Bautzen fürs neue Bauforschungszentrum

Ein Großforschungszentrum wird es nicht, aber der Vereinssitz eines neuen Bau-Forschungszentrums geht nach Bautzen. Geforscht aber wird zunächst andernorts.

Lesedauer: 3 Minuten

Sebastian Beutler und David Berndt

Bautzen/Görlitz. Das Großforschungszentrum „Living Art of Building” (Bau Lab) ist tot, es lebe das Bundeszentrum für klimaneutrales und ressourceneffizientes Bauen (BFZ). So versuchen am Tag nach dem SZ-Bericht über die neuesten Entwicklungen bei diesem Thema die sächsischen Behörden sowie Kommunalpolitiker aus dem Kreis Bautzen die Wogen zu glätten.

Bautzen soll die Forschung koordinieren

So erklärt das Dresdner Infrastrukturministerium: „Das Bundeszentrum für klimaneutrales und ressourceneffizientes Bauen (BFZ) kommt auch in die Lausitz“. Tatsächlich, so heißt es gegenüber der SZ, werde der vereinsrechtliche Sitz des künftigen Bundesforschungszentrums in Bautzen sein. Hier soll auch eine Geschäftsstelle eingerichtet werden, die „voraussichtlich die Koordinierung der Forschungsseite übernehmen soll“. Darüber hinaus beabsichtigt Sachsen, bis zu 100 Millionen Euro aus dem Kohleausstiegstopf in Bautzen zu investieren, um eine „unterstützende Forschungsinfrastruktur“ einzurichten. „Zu einem späteren Zeitpunkt ist die Einrichtung eines Startup-Inkubators in Bautzen geplant“.

Zu den 100 Millionen Euro, so heißt es in Dresdner Strukturwandel-Kreisen, werden aber auch die über 15 Millionen Euro gerechnet, die bereits für das Bauforschungszentrum der Maschinenbauer der TU Dresden in Görlitz zugesagt wurden. Hier wurde zuletzt der erste Spatenstich für das Forschungsgebäude im Görlitzer Stadtteil Klingewalde gefeiert. Die Summe wird also tendenziell eher kleiner für Bautzen.

Damit geht Bautzen bei dem neuen Bundesforschungszentrum nicht leer aus. Das ist die gute Nachricht. Aber es ist eben, und das ist die schlechte Neuigkeit, auch nicht mehr das Großforschungszentrum, mit dem der Dresdner Bau-Professor Manfred Curbach angetreten und auf das er noch im Februar in Dresden Landes-, Bundes- und Kommunalpolitiker eingeschworen hatte. Curbach will sich im Moment zum Stand der Dinge nicht äußern.

Curbachs Großforschungszentrum hatte deutlich größere Dimensionen

Auch die Investitionssumme bleibt deutlich hinter den Planungen zurück. Sachsen hatte einst 450 Millionen Euro Kohlegeld für das Großforschungszentrum angeboten. Von Außenstellen in Weißwasser, Niesky und Hoyerswerda ist ebenso keine Rede mehr. Die Geschäftsstelle dürfte auch deutlich weniger Menschen als die einst berechneten 1.200 Wissenschaftler beschäftigen, die Curbachs Konzept vorsah. Was von den zusätzlichen Effekten für den regionalen Arbeitsmarkt bleibt, ist ebenso offen. Curbachs Idee war mit zusätzlich 30.000 Arbeitsplätzen in der Branche in der Region verbunden.

Zugleich bestätigt das Infrastrukturministerium, was die SZ bereits veröffentlichte:

  • Das Bundesforschungszentrum wird dezentral aufgebaut sein.
  • Träger wird ein Verein sein, an dem sich zunächst der Bund, Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg beteiligen.
  • Für die Forschung sollen bereits bestehende Institutionen genutzt werden. Für Sachsen ist das vor allem die TU Dresden mit ihrem Exzellenzcluster „Klimaneutrales und Ressourcenschonendes Bauen“.

Bund setzt sich weitgehend mit seinen Vorstellungen durch

Zuletzt drohte wohl, Bautzen doch leer auszugehen, nachdem sich der Bund grundsätzlich auf ein dezentrales Forschungsnetzwerk und gegen ein neues Großforschungszentrum in einer Region entschieden hatte. Auch dürfte angesichts der Haushaltslage beim Bund, ein weiteres Großforschungszentrum in der Lausitz neben dem Deutschen Zentrum für Astrophysik (DZA) in Görlitz illusorisch geworden sein.

Es bedurfte des Einsatzes von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Infrastrukturministerin Regina Kraushaar, um diesen Stand zu erreichen und für Bautzen zu retten, was zu retten ging. Kretschmer hatte auch die Nachricht über das Bundesforschungszentrum bei einem Treffen des CDU-Wirtschaftsrates Ende Oktober in Görlitz intern verkündet, erklärten Teilnehmer gegenüber der SZ. Allerdings war da nicht deutlich geworden, dass sich Kretschmer nicht mehr auf die ursprünglichen Pläne bezog. Deswegen waren nach dem SZ-Bericht auch gerade in der Oberlausitz neue Irritationen aufgekommen.

Zufriedenheit beim Bautzener OB Vogt

Umso stärker ist die Zufriedenheit, doch Teil des Bundesforschungszentrums zu werden, gerade bei den Bautzener Akteuren zu spüren. Oberbürgermeister Karsten Vogt sieht in dem Vereinssitz für das Bundesforschungszentrum in Bautzen ein „starkes Signal für die Lausitz“. Bautzen werde „Schnittstelle eines nationalen Innovationsnetzwerkes”. Er sieht auch im Wandel vom Großforschungs- zum Bundesforschungszentrum keinen Rückschritt, sondern „eine Neuaufstellung mit langfristiger Perspektive und bundesweiter Einbindung“.

Unklar bleibt aber, was die Vereinsgeschäftsstelle in Bautzen tun wird: Fördergelder einwerben, Anträge schreiben, Videokonferenzen abhalten? Zumindest in den ersten Jahren wird die Forschung ausschließlich andernorts stattfinden. Da noch nicht alle Details feststehen, wollen das Land und Bautzen bei den weiteren Gesprächen auf möglichst große Kompetenzen für den Bautzener Sitz drängen.

SPD-Bundestagsabgeordnete Kathrin Michel setzt darauf, dass die heimische Bauindustrie in der Oberlausitz ein hervorragender Partner für die „Einbindung des regionalen Mittelstandes“ in das Bundesforschungszentrum sein kann.

Noch in diesem Jahr, so ergänzt das sächsische Infrastrukturministerium, soll eine Eckpunktevereinbarung zwischen dem Bund und den weiteren Gründungsländern unterzeichnet werden. 2026 sei mit der Gründung des Vereins Bundesforschungszentrum zu rechnen.

SZ

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