Leipzig. Der Flughafen Leipzig/Halle verliert eine bekannte Airline und die Anbindung an ein wichtiges internationales Drehkreuz: Nach Informationen von Leipziger Volkszeitung und Sächsischer Zeitung stellt die Turkish Airlines ihren Flugbetrieb von und nach Leipzig ein. Bereits ab 2. Mai wird es keine Flüge mehr nach Istanbul geben. Die Verbindung lief bisher täglich – und band Sachsen direkt an das Drehkreuz an. Für Leipzig/Halle ist es ein herber Rückschlag.
Damit spitzt sich die Situation in der Branche weiter zu. Turkish Airlines begründet den Rückzug nach Informationen dieser Zeitung mit den „aktuellen geopolitischen Entwicklungen in Kombination mit erheblich gestiegenen Betriebskosten, insbesondere im Bereich Kerosin“. Das trifft die Branche ins Mark: Nach der Lufthansa ist Turkish Airlines die nächste Fluggesellschaft, die binnen weniger Tage erhebliche Einschnitte im Flugprogramm angekündigt hat. „Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen ist es uns leider nicht möglich, den Flugbetrieb wirtschaftlich aufrechtzuerhalten“, heißt es in einem Schreiben der Turkish Airlines, das dieser Zeitung vorliegt. Eine zukünftige Rückkehr nach Schkeuditz schließe man ausdrücklich nicht aus, schreibt das Luftfahrtunternehmen. „Die Region bleibt für uns weiterhin von großer Bedeutung“, heißt es dazu.

Quelle: Michael Strohmeyer
Turkish Airlines: Kunden werden umgebucht
Betroffene Kunden möchte die Airline den Informationen zufolge kostenfrei umbuchen. Explizit verweist Turkish Airlines auf den Flughafen Berlin-Brandenburg: Dieser stelle „aufgrund der geografischen Nähe sowie unseres umfangreichen Angebots“ die beste Alternative dar. Am Hauptstadtflughafen finden täglich fünf Abflüge statt, darunter mit bis zu zwei Widebody-Maschinen, wie Großraumflugzeuge in der Branche bezeichnet werden.
Für Leipzig/Halle häufen sich damit die Verluste: Erst verschwand die Lufthansa-Verbindung nach München, jetzt fällt Istanbul. Über den 2018 neu eröffneten Istanbul Airport ließen sich unter anderem Ziele in Asien, dem Nahen und Mittleren Osten sowie Afrika erreichen. Wer von Leipzig/Halle aus in die Welt fliegen will, muss künftig über Frankfurt oder Wien.
Die Mitteldeutsche Flughafen AG reagierte gegenüber dieser Zeitung mit Bedauern auf den Rückzug. „Er zeigt, wie ernst die Situation für die Branche ist.“ Der gesamte Luftverkehr stehe vor erheblichen Herausforderungen.
IATA: Flugausfälle drohen
Tatsächlich steckt hinter dem Rückzug mehr als eine betriebswirtschaftliche Entscheidung einer einzelnen Airline. Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs ist Kerosin – der mit Abstand zweitgrößte Kostenfaktor im Luftverkehr – zeitweise auf fast das Doppelte gestiegen. Willie Walsh, Generaldirektor des Luftfahrtverbandes IATA, warnte am Freitag, dass wegen Kerosinmangels in Europa ab Ende Mai Flüge ausfallen könnten.
Erst am Donnerstaghatte die Lufthansa angekündigt, den Betrieb der Regionaltochter CityLine mit sofortiger Wirkung einzustellen. Neben den Streiks nannte der Luftfahrtkonzern die hohen Kosten als Grund. Nach Informationen dieser Zeitung sind die sächsischen Airports Leipzig/Halle und Dresden von der CityLine-Stilllegung jedoch nicht betroffen.
EU-Kerosin stammt zur Hälfte aus der Golfregion
Ralph Beisel, Chef des Flughafenverbandes ADV, erklärte: „Die Kerosinversorgung in Europa steht unter zunehmendem Druck.“ Das zentrale Risiko liege weniger in der Rohölverfügbarkeit als in der begrenzten Raffinerie- und Produktstruktur. „Rund 50 Prozent der EU-Kerosinimporte stammen aus der Golfregion – eine Abhängigkeit, die durch geopolitische Spannungen zusätzliche Unsicherheit erfährt.“
Wenn Airlines Kapazitäten reduzierten, habe dies „direkte Konsequenzen für Konnektivität, Wertschöpfung und Beschäftigung am Standort Deutschland.“ Die Bundesregierung forderte Beisel unter anderem auf, regulatorische Hürden bei der Einfuhr von Flugtreibstoff vorübergehend auszusetzen, um die Versorgung zu stabilisieren.


