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KI statt VW: Sachsen will „Marktplatz der Daten“ mit Bundesmillionen aufbauen

Mit einem Großprojekt will Sachsen der mittelständischen Wirtschaft helfen, mit KI-Analysen ihrer eigenen Daten besser Geld zu verdienen. Der Freistaat hofft dabei auf eine Millionenförderung vom Bund. Schafft Sachsen so den Sprung zum Datenmekka?

Lesedauer: 2 Minuten

Daten sind bares Geld – wenn man sie sinnvoll auswerten und die Erkenntnisse nutzen kann. Das will Sachsen für Unternehmen im großen Stil ermöglichen. Quelle: Peter Steffen/dpa

Franziska Höhnl

Dresden/Berlin/Zwickau. Daten sind wertvoll: Sachsen will deshalb mit einem KI-gestützten Großprojekt die Datenanalyse zu einem Wirtschaftsfaktor im Freistaat machen. Es solle ein „Marktplatz der Daten“ etabliert werden, sagte Sachsens Infrastrukturministerin Regina Kraushaar (CDU) im Gespräch mit der Leipziger Volkszeitung und der Sächsischen Zeitung. Die Idee: Gerade kleine und mittlere Unternehmen könnten so ihre Daten analysieren, um Arbeitsabläufe zu optimieren oder daraus Geschäftsmodelle zu machen.

Sachsen hat mit einem ähnlichen Pilotprojekt in der Vergangenheit bereits Erfahrungen gemacht, möchte das Thema jetzt größer und mit mehr Fokus auf sogenannte Künstliche Intelligenz ausrollen. Kraushaar beabsichtigt, das Projekt gezielt in Südwestsachsen anzusiedeln, wo gerade neben der allgemeinen industriellen Flaute auch die Krise der strukturprägenden Volkswagen-Werke für viele Sorgenfalten und Umbrüche sorgt. Das Geld für die Umsetzung soll größtenteils vom Bund kommen. „Das ist mein Plan. Geht er auf, sind das die ersten Bundesmittel, die wir direkt nach Südwestsachsen bringen.“ Das Motto ist quasi: KI statt VW.

Sachsens Kabinett tagt mit Teilen der Bundesregierung

CDU-Politikerin Kraushaar ist für Landesentwicklung zuständig und begleitet den Strukturwandel in Südwestsachsen ebenso wie jenen in den Kohleregionen. Der Freistaat gibt unter anderem 100 Millionen Euro aus dem Infrastruktur-Sondervermögen für die Stärkung von Forschung und Wirtschaft in Südwestsachsen aus. Das jetzt angekündigte KI-Projekt soll nach dem Willen der Ministerin hingegen zusätzliches Geld vom Bund bekommen.

Kraushaar zielt dabei auf ein geplantes Förderprogramm von Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU). Damit soll demnächst aus Berliner Töpfen die Erprobung von Ideen für „Durchbruchinnovationen in KI“ finanziert werden. Sachsen bereite seine Bewerbung vor, sagte Kraushaar. „Ich bin optimistisch, dass wir hier eine gute Projektidee entwickeln und es uns gelingt, Bundesmittel in die Region Südwestsachsen zu holen.“ Das sächsische Kabinett tagt kommende Woche mit Teilen der Bundesregierung in Berlin, auch um über wichtige Projekte zu sprechen.

Ganz Sachsen soll vom KI-Projekt profitieren

Das könne die digitale Wertschöpfung stärken, den Einstieg in KI-Anwendungen sowohl für kleine und mittelständische Unternehmen als auch für öffentliche Institutionen erleichtern sowie eine nachhaltige Integration der großen Sprachmodelle im betrieblichen Alltag ermöglichen. „Und das eben nicht nur in Südwestsachsen, sondern überall im Freistaat.“

Ich bin optimistisch, dass wir hier eine gute Projektidee entwickeln und es uns gelingt, Bundesmittel in die Region Südwestsachsen zu holen. – Regina Kraushaar (CDU), sächsische Infrastrukturministerin

Daten und digitale Informationen gelten seit Jahren als wichtiger Rohstoff. Nicht umsonst gehören US-amerikanische Digital-Riesen wie die Google-Mutter Alphabet, die Facebook- und Instagram-Mutter Meta oder auch Microsoft, Apple und Amazon zu den gewinnstärksten Konzernen. Alle fünf liegen in den weltweiten Top Ten. Sie profitieren oft auch von Daten, die andere bei ihnen hinterlassen. Die sächsischen Pläne sehen vor, den heimischen Betrieben zu helfen, ihre eigenen Daten gewinn- oder effizienzbringend zu analysieren und zu nutzen.

Vorgänger wurde von Interessenten überrannt

Helfen sollen dabei auch Erfahrungen aus einem Vorgängerprojekt, dem sogenannten „Data Lab West Sax“. Knapp drei Jahre lang betreuten Wissenschafts-Teams des Leipziger Fraunhofer-Instituts IMW sowie der Westsächsischen Hochschule Zwickau ein Reallabor, in dem kleine und mittelständische Unternehmen, Vereine und Kommunen beraten wurden.

Es wurden etwa Bestandsdaten ausgewertet, um Kundinnen und Kunden personalisierte Angebote zu unterbreiten, oder firmeninterne Prozesse nach der Analyse automatisiert. Laut den Organisatoren war die Nachfrage groß: Statt fünf geplanter Partnerschaften gab es sechsmal so viele.

Die Spanne der Branchen reichte von Automobil über Handel und Touristik bis in den Bildungsbereich. „Wir haben mit echten Daten der Unternehmen gearbeitet, mit unseren Konzepten und Methoden reale Fragestellungen gemeinsam beantwortet“, fasste der Leiter des Projekts und Professor an der Hochschule Zwickau, Christoph Laroque, zusammen. An dieser Herangehensweise will der Freistaat anknüpfen. „Die Analyse der großen, hochabstrakten Datenmengen hat den Unternehmen wichtige Erkenntnisse geliefert, ihre Betriebsgeheimnisse blieben dabei selbstverständlich gewahrt“, so Ministerin Kraushaar.

SZ

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