Leisnig/Chemnitz. Nur gut drei Jahre nach dem Neustart des Fliesenwerks im mittelsächsischen Leisnig steckt der Betrieb erneut in der Krise. Die Eigentümerin des Betriebs, die Panariagroup Deutschland GmbH, teilte am Donnerstag mit, man werde ein Insolvenzverfahren nutzen, um sich zu sanieren. Betroffen sind rund 230 Beschäftigte.
Das Unternehmen strebe nun einen Zusammenschluss mit einem Investor an, sagte der vom Amtsgericht Chemnitz eingesetzte vorläufige Verwalter Christian Heintze. Der Wirtschaftsjurist erklärte zudem, dass das Tagesgeschäft an allen Standorten ohne Einschränkungen weiterlaufe. „Alle Aufträge und Bestellungen werden wie sonst auch gefertigt und ausgeliefert.“
Betriebsversammlung am Freitag
Außer dem Stammwerk in Leisnig betreibt Panaria noch Repräsentanzen in Mühlacker bei Karlsruhe (inklusive eines Lagers) sowie in Bremen. Als Ursache der Unternehmenskrise benannte Heintze die Kombination aus „aktuell schwacher Baukonjunktur“ sowie hohen Energiepreisen.
Am Freitag soll die Belegschaft in einer Betriebsversammlung über die weiteren Schritte informiert werden. Löhne und Gehälter sind über das Insolvenzgeld bis Ende Juni gesichert. „Ziel ist es, die vom Unternehmen begonnene Restrukturierung fortzusetzen und erfolgreich abzuschließen“, sagte Heintze. Das Management hätte bereits vor dem Insolvenzantrag begonnen, einen Investor für eine strategische Partnerschaft zu suchen. Dadurch sei „eine bedeutende Vorarbeit“ geleistet worden.
Moderner und sehr großer Standort
Die Panariagroup Deutschland GmbH gehört seit 2024 zur italienischen Panariagroup Industrie Ceramiche S.p.A. Dieser Konzern mit Sitz in Fiorano Modenese bei Bologna hat mehr als 1800 Beschäftigte und sieben weitere Werke in Italien, Portugal und den USA.
Seit dem Produktionsstart im Jahr 1997 fertigt das Werk in Leisnig auf einer Fläche von rund 16 Hektar Boden- und Wandbeläge für den europäischen Markt. Das Werk zählt mit einer Kapazität von 6,2 Millionen Quadratmetern Fliesen zu den modernsten Produktionsstätten der Branche. Nach Angaben der Wirtschaftsförderung des Landkreises Mittelsachsen ist das Panaria-Werk in Leisnig sogar das größte Deutschlands.
Bereits im Sommer 2023 hatte das Werk ein Insolvenzverfahren durchlaufen. Damals war die Voreigentümerin, die Bremer Steuler Fliesengruppe, in Geldnot geraten. Mit den Italienern fand sich jedoch rasch ein neuer Betreiber; sie übernahmen damit auch die bekannte Marke Kerateam. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben Mitglied der Sächsischen Umweltallianz und des Instituts Bauen und Wohnen e. V.
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