Zittau. Täglich sind die Tische hinter ihm besetzt. Bis zu zwölf Spieler vom Kind bis zum Erwachsenen kommen im neuen Raum von Tilo Friedrichs Comicbuchversand am Markt 5 in Zittau mit ihren Sammelkarten von Pokemon, Magic, Lorcana, One Piece und Yu-Gi-Oh zusammen, um gegeneinander anzutreten oder selbige zu tauschen. „Die Plätze sind meistens weg“, berichtet der Inhaber, wobei er für die einzelnen Sets einen Wochenplan aufgestellt hat.
Seit Jahresanfang bietet der Zittauer das Spielen im Geschäft an, indem Kunden neben Comics, Zeitungen, Zeitschriften gleich die passenden Sammelkarten samt Zubehör erhalten. Je nach Hersteller veranstaltet Tilo Friedrich zudem Turniere, bei denen nach Ladenschluss bis zu 24 Teilnehmer dabei sind – und der gesamte Platz genutzt wird.
Nachbargeschäft gemietet
Für die täglichen Begegnungen saßen die Spieler bisher im oberen Teil des Verkaufsraums, zwischen den mit Manga-Heften gefüllten Regalen. „Dadurch haben sich die Leser gestört gefühlt“, sagt der 37-Jährige, der rückläufige Einnahmen in der Sparte verzeichnete. Diese machen nach den Sammelkarten den meisten Umsatz aus.
Deshalb mietete Tilo Friedrich das Nachbargeschäft dazu, indem sich zuletzt das Zkm-Büro befand – und machte einen Durchbruch. Dabei kam eine alte Holztür zum Vorschein, die der Inhaber im Sinne des Denkmalschutzes erhalten hat. Durch den zusätzlichen, abschließbaren Raum sitzen die Spieler nun separat. „Und haben die Möglichkeit, nicht mit Ladenschluss aufhören zu müssen“, erklärt er als weiteren Vorteil. Zudem hat der Zittauer nun die Möglichkeit, bei Turnieren die Kapazität von 24 auf 32 Plätze zu erweitern.
Ich habe so viel zu tun, dass es zweigleisig nicht mehr funktioniert. – Tilo Friedrich, Inhaber vom Comicbuchversand
Monitore und Überwachungskameras
Der neue Bereich soll wie der restliche Laden noch mit Monitoren ausgestattet werden. Darüber können sich die Teilnehmer für Turniere anmelden und sehen, wer an welchem Tisch aufeinander trifft, live die Spiel-Stände und Ranglisten verfolgen. Abseits davon will Tilo Friedrich die Bildschirme für Werbezwecke nutzen. Schon installiert sind weitere Überwachungskameras, mit denen er bereits Diebe erwischt hat.
Gerade Pokemon-Karten seien heiß begehrt, berichtet der 37-Jährige. Die Druckkapazitäten des Herstellers sollen weltweit ausgelastet sein, aufgrund der raren Ware Händler höhere Preise verlangen können. Tilo Friedrich verkauft die Sammelkarten nicht teurer als empfohlen – und verdient trotzdem daran.
„Der Laden ist auch ein Treffpunkt geworden” sagt er mit Blick auf die Spieler. Dass sie gern kommen, zeigt ein Geschenk der Stammkunden an ihn: ein eingerahmtes Bild mit selbst gestalteten Sammelkarten, das nun an der Wand hängt.
Online-Shop für Sammelkarten geplant
Begonnen hat der Zittauer einmal Mitte 2017 mit dem Online-Shop comicbuchversand.de. Fünf Jahre später folgte sein erster Laden an der Inneren Weberstraße. Um das Angebot zu erweitern, zog er 2024 mit dem Geschäft an den Markt. Den Job bei der Sparkasse übte Tilo Friedrich zuletzt als „Sicherheitsanker“ in Teilzeit aus, seit April dieses Jahres ist er ganz raus. „Ich habe so viel zu tun, dass es zweigleisig nicht mehr funktioniert“, erklärt der 37-Jährige. Und der Laden wirft genug ab, sodass der Unternehmer in den von der Stadt geförderten Ausbau eine niedrige fünfstellige Summe investieren konnte.
Als Nächstes plant der Inhaber den Internetauftritt zu erneuern. Bisher bietet er die Sammelkarten über eine Plattform an, auf der Provisionen fällig werden und ein Preiskampf herrscht. Künftig will der Zittauer sie über einen eigenen Online-Shop vertreiben.
SZ


