Suche
Suche

Schluss mit Mega-Rabatten, Werkstätten am Limit: Was Fahrradfahrer in Leipzig jetzt wissen müssen

In den vergangenen Jahren gab es Fahrräder so günstig wie selten – die Lager der Händler platzten. Doch wer in Leipzig in diesem Frühjahr auf Mega-Rabatte hofft, kommt zu spät. Was sich für Käufer jetzt ändert, wo es noch Chancen gibt – und warum die Werkstatt zum Problem wird.

Lesedauer: 4 Minuten

Die Zeit der Rad-Rabattschlachten ist 2026 vorbei. Im Bild: Andrés Martin-Birner, Fabian Kluger, Gerd May und Thomas Hammer (v.l.). Quelle: Benjamin Winkler (Montage), Fotos: Matthias Rietschel , André Kempner, Bastian Raabe, de.freepik.com, imago

Florian Reinke

Leipzig. Rabattschlacht, volle Lager, E-Bikes zu Tiefstpreisen – in den vergangenen Jahren konnten Fahrradkäufer in Sachsen zugreifen wie lange nicht. Doch damit ist jetzt Schluss.

Bei Lucky Bike in Leipzig hat Regionalleiter Fabian Kluger sogar zwei Lager abgegeben – nicht, weil das Geschäft eingebrochen ist. Er braucht sie schlicht nicht mehr. „Die Situation normalisiert sich langsam. Die Ware ist da, vieles ist verfügbar – aber die Lager platzen nicht mehr“, sagt Kluger.

Fabian Kluger von Lucky Bike in Leipzig: Der Lagerbestand hat sich normalisiert.
Fabian Kluger von Lucky Bike in Leipzig: Der Lagerbestand hat sich normalisiert.
Quelle: Kempner

Die Saison 2026 hat begonnen – und mit ihr eine neue Realität für alle, die ein Rad kaufen oder ihr altes fitmachen wollen. Denn die Rabatte schrumpfen, und wer einen Werkstatttermin braucht, wartet mitunter Wochen. Was ist da passiert – und was heißt das für alle, die jetzt aufs Rad steigen wollen?

Wie die Branche in die Krise schlitterte

Leipzigs Lucky-Bike-Manager Fabian Kluger erinnert sich gut an die vergangenen Jahre. In der Corona-Pandemie wollte plötzlich jeder ein neues Rad. Als der Boom abflaute, saßen Handel und Industrie auf zu viel Ware.

„Das Kernproblem war für die gesamte Branche nicht eine geringere Nachfrage, sondern die Überbestände in den Lagern“, erklärt Kluger. „Das hat zum Teil zu sehr hohen Rabatten in den beiden letzten Jahren geführt. Es war schlicht zu viel Ware auf dem Markt.“

Die Folgen dieser Rabattschlacht lassen sich in der bundesweiten Bilanz für 2025 ablesen: Der Umsatz aus dem Verkauf von Rädern und E-Bikes sank 2025 bundesweit um 7,7 Prozent auf 5,85 Milliarden Euro. Die Stückzahlen gingen mit 3,9 Prozent (auf 3,8 Millionen Räder) weniger stark zurück. Diese Lücke erklärt sich unter anderem durch den Rabattdruck der Vorjahre: So sank etwa der E-Bike-Verkaufspreis im Schnitt um 3,8 Prozent auf 2550 Euro. Zum anderen verschob sich der Mix: E-Bikes, die teurere Kategorie, waren stärker rückläufig als klassische Fahrräder.

Aufbruchstimmung zum Saisonstart

Thomas Hammer ist Geschäftsführer von Fahrrad Hammer.
Thomas Hammer ist Geschäftsführer von Fahrrad Hammer.
Quelle: Bastian Raabe

Trotz der schwierigen Vorjahre ist der Start ins Frühjahr vielversprechend. Thomas Hammer, Chef von Fahrrad Hammer mit acht Standorten im Raum Leipzig und Mitteldeutschland, hat die Kehrseite der Branchenkrise hautnah erlebt: Seine Umsätze waren 2025 erstmals seit 2014 rückläufig – obwohl er mehr Fahrräder verkaufte. Doch mit den ersten warmen Tagen zog die Saison 2026 sofort an. Im Fahrradhandel, sagt Hammer, gelte eine klare Regel: „Wetter schlägt Konjunktur.“

Auch Andrés Martin-Birner, Gründer und Chef des Dresdner Online-Händlers Bike24, bestätigt: „Der Start ins Frühjahr 2026 fühlt sich gut an.“ Die extremen Schwankungen der Krisenjahre weichen nun einem gesunden Rhythmus. „Kunden kaufen wieder gezielter und kaufentschlossener – weniger auf Schnäppchensuche, mehr mit konkretem Bedarf.“

Schnäppchenjäger könnten enttäuscht werden

„Die Phase der historischen Ausverkaufspreise ist vorbei“: Bike 24-Gründer Andrés Martin-Birner.
„Die Phase der historischen Ausverkaufspreise ist vorbei“: Bike 24-Gründer Andrés Martin-Birner.
Quelle: Jürgen Lösel

Doch was heißt die neue Normalität für den Preis? „Die Phase der historischen Ausverkaufspreise ist vorbei“, sagt Martin-Birner. Die Überbestände seien überwiegend abgebaut. „Wer auf ein großes Schnäppchen wartet, wird enttäuscht werden.“ Gute Angebote gebe es punktuell zwar nach wie vor – „aber die breite Rabattschlacht, die den Markt 2023, 2024 und auch noch 2025 geprägt hat, ist vorbei.“

Teurer werden Räder deshalb nicht. Das Gegenteil sei der Fall, sagt Unternehmer Thomas Hammer: „Die neuen Kollektionen bieten wieder bessere Ausstattung oder mehr Leistung zum gleichen Preis.“ Allerdings warnt er in einigen Segmenten vor Engpässen: Gravelbikes seien auf Herstellerseite größtenteils ausverkauft, günstige Einstiegs-E-Bikes ebenso.

Das klassische Rad erlebt ein Comeback

Wer ein Vorjahresmodell sucht, hat bei manchen Händlern noch Chancen: Die letzten Winterschlussverkäufe laufen. Doch das Fenster schließt sich.

Die breite Rabattschlacht, die den Markt 2023, 2024 und auch noch 2025 geprägt hat, ist vorbei. – Andrés Martin-Birner, CEO und Gründer Bike24

Den Gesamtmarkt dominieren E-Bikes zwar weiterhin – ihr Anteil liegt bundesweit bei 52,7 Prozent. Doch inzwischen erlebt das klassische Rad ohne Motor ein Comeback: Die Nachfrage wächst, wie Fabian Kluger von Lucky Bike beobachtet. Hochwertige Trekkingräder seien gefragt. Auch Gerd May, Chef des Leipziger Fahrradhändlers Bike Department Ost (BDO), setzt auf dieses Segment: Hochwertige individuelle Fahrräder ohne Elektroantrieb seien die Kompetenz seines Hauses, dazu schlanke Lastenräder und kompakte Falträder.

Die Werkstatt wird zum Nadelöhr

BDO-Chef Gerd May: Das Werkstattgeschäft läuft auf Hochtouren.
BDO-Chef Gerd May: Das Werkstattgeschäft läuft auf Hochtouren.
Quelle: Andre Kempner

Wer sein Rad nicht kaufen, sondern nur fit für die Saison machen will, braucht unterdessen Geduld. Das Werkstattgeschäft legte bundesweit zuletzt um 13,5 Prozent zu – die Kapazitäten halten kaum Schritt. „Die Nachfrage in der Werkstatt ist immens“, sagt Fabian Kluger von Lucky Bike. Die Gründe: Viele Leasingverträge enthalten Komplettpakete mit Inspektionen. Und immer mehr Menschen sind dauerhaft aufs Rad als Alltagsfahrzeug umgestiegen.

Die Wartezeiten klaffen je nach Händler weit auseinander. Fahrrad Hammer meldet eine Durchlaufzeit von sieben Tagen – und kennt Kunden, die anderswo sechs Wochen auf einen Termin warten. „Unsere Werkstatt wächst jedes Jahr und die Kunden können ohne Termin zu uns kommen, egal, wo das Rad gekauft wurde“, sagt Thomas Hammer.

BDO-Chef May nennt für Inspektionen hingegen Vorlaufzeiten von ein bis zwei Monaten. Er hat eine klare Botschaft: „Wir sind im Wesentlichen so ausgelastet, dass wir Sofortreparaturen nur für Räder aus unserem Hause anbieten können. Wer billig woanders gekauft hat, muss dann halt auch schauen, ob er dort auch seinen Frühjahrescheck bekommt.“

Zudem müssten sich Kundinnen und Kunden auf höhere Stundensätze einstellen: Die Personalkosten seien deutlich gestiegen, räumt May ein – im Vergleich zur Autowerkstatt seien die Preise aber immer noch bezahlbar.

Raus aus dem Ausverkauf, rein in die Normalität

Für Käufer bedeutet das jetzt: Wer jetzt zuschlägt, kauft in einem fairen Markt – ohne die verzerrten Ausverkaufspreise der Vorjahre, aber mit aktueller Ware und voller Auswahl. Und wer noch einen Grund braucht, hat ihn an der Zapfsäule. „Gerade bei den aktuellen Spritpreisen sollte man wirklich überlegen, ob man eine Arbeitsstrecke von fünf, sechs Kilometern nicht mit dem Rad zurücklegt“, sagt Lucky-Bike-Manager Fabian Kluger. Und ergänzt: „Gesünder ist es so oder so.“

Das könnte Sie auch interessieren: