Suche
Suche

Tankrabatt fällt auch in Polen: Lohnt sich das Tanken im Nachbarland dann noch?

In Deutschland endet der Tankrabatt in zwei Wochen. Bis dahin nimmt auch Polen schrittweise – angefangen an diesem Mittwoch – seine Steuersenkungen zurück. Wie sich das auf den Preistafeln an Tankstellen auswirkt, hängt von vielen Faktoren ab.

Lesedauer: 4 Minuten

Die hohen Spritpreise nach Ausbruch des Iran-Kriegs machten Görlitzer Autofahrern weniger zu schaffen - sie hatten mit Tankstellen in Zgorzelec immer schon eine günstigere Alternative. Quelle: IMAGO/

Von Susanne Sodan

Görlitz. Fast täglich veröffentlicht das polnische Energieministerium die Höchstpreise, für die Benzin und Diesel im Nachbarland verkauft werden dürfen. Ein Minitest in Zgorzelec, der Görlitzer Schwesterstadt, ergab: Die Zgorzelecer Tankstellenbetreiber halten sich offenbar daran.

Am Dienstagmittag lag der durchschnittliche Preis für einen Liter Diesel bei 1,50 Euro und für einen Liter Superbenzin (E10) bei 1,41 Euro. Wer an diesem Mittwoch zum Tanken über die Grenze fährt, könnte bereits auf etwas höhere Preise blicken.

Noch lohnt sich der Weg über die Neiße zum Tanken. Bald endet aber auch der polnische Tankrabatt.
Noch lohnt sich der Weg über die Neiße zum Tanken. Bald endet aber auch der polnische Tankrabatt.
Quelle: Paul Glaser/glaserfotografie.de

Polen hat eine erste Steuersenkung, eingeführt zur Eindämmung der Benzinpreise, zurückgenommen. Noch halten sich die Auswirkungen in Grenzen. In zwei Wochen allerdings soll in Polen der Tankrabatt, wie in Deutschland auch, in Gänze wegfallen.

Wie Deutschland und Polen auf die Extrem-Benzinpreise reagierten

Nach Kriegsausbruch im Nahen Osten, ausgelöst vom Angriff der USA und Israels auf den Iran, war sie in aller Munde: die blockierte Straße von Hormus, ein wichtiger Seeweg für viele Güter. Das Rohöl für deutsche Kraftstoffe wird zwar zum größten Teil nicht über die Straße von Hormus transportiert, dennoch sorgte die Blockade für heftige Verwerfungen am Ölmarkt – und extrem gestiegene Benzinpreise.

Nach langen, teils heftigen Diskussionen reagierte die deutsche Regierung mit einem Tankrabatt, der Anfang Mai in Kraft trat. Dahinter steht eine Senkung der Energiesteuer, wodurch auch die Mehrwertsteuer etwas geringer ausfällt. Damit ergibt sich eine Steuererleichterung von 16,7 Cent pro Liter Kraftstoff. Am Dienstagabend lag der Preis für einen Liter Diesel an den Görlitzer Tankstellen bei grob 1,89 Euro und für einen Liter Superbenzin bei ungefähr zwei Euro.

Wie die Deutsche Presseagentur (dpa) am Dienstag berichtete, gehen die Monopolkommission sowie das Münchener Ifo-Institut davon aus, dass die Steuersenkung zu einem großen Teil, jedoch nicht vollständig beim Verbraucher angekommen ist. Es seien regionale Unterschiede festgestellt worden.

Entspannung im Nahen Osten: Tankrabatt in Polen endet

An der deutsch-polnischen Grenze war die Lage in den vergangenen Monaten etwas entspannter. Tanken war zwar auch in Polen in den vergangenen Monaten teurer geworden, doch die Fahrt über die Grenze lohnte sich dennoch. Polens Regierung hatte bereits Ende März eine Art Tankrabatt beschlossen. Dafür wurde die Mehrwertsteuer für Treibstoffe vorübergehend von bislang 23 Prozent auf acht Prozent, die Verbrauchssteuer auf das zulässige Mindestniveau gesenkt und eine Art Preisdeckelung eingeführt.

Recht einheitlich sahen die Spritpreise in Zgorzelec in den vergangenen Wochen aus. Dafür sorgte eine Art Preisdeckelung.
Recht einheitlich sahen die Spritpreise in Zgorzelec in den vergangenen Wochen aus. Dafür sorgte eine Art Preisdeckelung.
Quelle: Paul Glaser/glaserfotografie.de

Die Senkung der Verbrauchssteuer wurde jetzt beendet: Laut Internetseite des Energieministeriums in Warschau liegt damit der Höchstpreis für Superbenzin an diesem Mittwoch bei 1,44 Euro pro Liter, also drei Cent mehr als am Vortag. Schwankungen in dieser Größenordnung gab es in den vergangenen Wochen allerdings bereits.

Am Wochenende hatte Polens Premierminister Donald Tusk angekündigt, dass es auch für Preisdeckelung und Mehrwertsteuersenkung keine weitere Verlängerung gebe, sie zu Monatsende auslaufen. Tusk begründete den Schritt mit der sich anbahnenden Entspannung im Nahen Osten. Er gehe davon aus, dass sich damit die Ölpreise nicht nur stabilisieren, sondern fallen würden.

Wie sehen die Preise an Zapfsäulen in zwei Wochen aus?

Auf deutscher Seite war bereits vor einer Woche bekannt geworden, dass der Tankrabatt zu Monatsende wegfallen werde. Laut Vertretern von CDU und SPD sei eine Verlängerung finanzpolitisch nicht sinnvoll. Wie in zwei Wochen die Preistafeln der Tankstellen im Grenzgebiet dies- und jenseits der Neiße aussehen werden, ist schwer abschätzbar. Es ist von vielen Faktoren abhängig.

Nach Angaben des US-Präsidenten Donald Trump vom Wochenende haben sich die USA und der Iran auf ein Rahmenabkommen für ein Ende des Krieges geeinigt. Details sind noch nicht bekannt. Als ein wichtiger Punkt gilt eine Einstellung von Irans militärischem Nuklearprogramm, als verloren gilt dagegen die Hoffnung auf einen Regimewechsel.

Angekündigt hat Trump eine baldige Öffnung der Straße von Hormus. Bisherigen Informationen nach müssen aber zunächst Minen beräumt werden. Eine Frage ist, ob diese Arbeiten tatsächlich in kurzer Zeit möglich sind. Gegenüber der ARD hatte der Politologe und Iran-Experte Cornelius Adebahr außerdem eingeschätzt, dass es rein technisch eine Weile dauern werde, bis die im Persischen Golf liegenden Schiffe weiterfahren können. Experten gehen davon aus, dass die Öffnung der Straße von Hormus einen längeren Zeitraum brauchen werde.

Preise für Rohöl fallen

Und letztlich gilt das Rahmenabkommen zum jetzigen Stand als nicht sehr belastbar. Es soll zwar am Freitag in der Schweiz unterzeichnet werden, doch die Bedingungen für ein tatsächliches Kriegsende sind hart umkämpft.

Möglich also, dass die wirtschaftliche Stabilisierung nicht so rasch eintritt. Dass die Preise für Benzin und Diesel in zwei Wochen steigen werden, ergibt sich aus der Rückkehr zu den üblichen Steuersätzen. Knapp 17 Cent Steigerung pro Liter bedeutet das auf deutscher Seite. Ein polnisches Branchenportal rechnet mit einer Steigerung von rund vier Prozent im Nachbarland, das würde zumindest eine Annäherung an die Preise in Deutschland bedeuten.

Es gibt aber auch Hoffnung, dass Extreme an der Zapfsäule ausbleiben: Seit Mai ist ein weltweiter Rückgang der Ölpreise bemerkbar, der für einen Ausgleich bei Benzin- und Dieselpreisen sorgen könnte.

SZ

Das könnte Sie auch interessieren: