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Traum von eigener Gaststätte nahe der A4 ist geplatzt

Polnische Spezialitäten und ein gemütliches Ambiente sollten Gäste locken. Doch es kam anders. Warum die Wiedereröffnung des Traditionslokals „Zum Landwirt“ in Waldhufen scheiterte.

Lesedauer: 3 Minuten

Jerzy Szewczyk und seine Frau Angelika Popek-Szewczyk hatten den „Landwirt“ gekauft und wollten den Gaststättenbetrieb wieder aufnehmen. Daraus wurde nichts. Quelle: Junghanß, Constanze

Constanze Junghanß

Waldhufen. Für die ehemalige Gaststätte „Zum Landwirt“ im Ortsteil Baarsdorf zeichnete sich noch vor einem Jahr eine Zukunft ab. Polnische Spezialitäten wie Bigos, ein herzhafter Krauteintopf, mit Quark gefüllte Piroggen, die traditionelle Saure-Gurken-Suppe und andere Spezialitäten standen auf der Speisekarte. Die Gaststättentür blieb allerdings zu, die Wirtschaft ist geschlossen. Aktuell sieht es auch nicht so aus, dass der ehemalige „Landwirt“ bald wieder öffnen wird.

Viele freuten sich auf die von den neuen Betreibern angekündigte Wiedereröffnung des Lokals. Das hatte etwa drei Jahre zuvor den Küchenbetrieb eingestellt. Einen Neustart gab es, allerdings nur für einen knappen Monat. Seit Januar 2025 ist das Gasthaus Geschichte, die Küche bleibt kalt. Immer wieder fragen sich Waldhufener und ehemalige Gäste, warum nach der Ankündigung des Neustarts der Gaststättenbetrieb so abrupt eingestellt worden ist.

Landwirtschaftsbetrieb war Voreigentümer

Das Gasthaus „Zum Landwirt” unweit der Nieder Seifersdorfer Autobahnabfahrt der A4 wollten Angelika Popek-Szewczyk und ihr Ehemann Jerzy Szewczyk wiederbeleben. Das Paar hatte sich viel vorgenommen, um mit dem Traditionslokal durchzustarten. Die polnischen Eheleute kauften das riesige Gebäude, dessen Säle und Räume nach Angaben von Frau Popek-Szewczyk auf eine Fläche von etwa 2000 Quadratmetern kommen, von der Agrargenossenschaft Nieder Seifersdorf. Das war 2023 gewesen.

Die Genossenschaft wiederum kam zum 1982 erbauten „Landwirt“ durch eine Erbschaft und betrieb darin selbst eine öffentliche „Kantine“, die Einheimische ebenso wie Durchreisende gern zum Stopp für das Mittagessen besuchten. Viele Jahre war die Wirtschaft mit regionalem Speiseangebot eine Institution im Ort und über die Grenzen der Gemeinde Waldhufen bekannt.

Wegen Corona kein Personal mehr

Dann entschloss sich der Landwirtschaftsbetrieb zum Verkauf. „Das hing mit der Coronazeit zusammen“, sagt Matthias Rompe, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft, rückblickend. Eine Weile wurde noch außer Haus verkauft, weil die „Kantine“ aufgrund der damaligen Regelungen schließen musste.

„Die Mitarbeiter waren weg, hatten sich beruflich neu orientiert und wir kein neues Personal mehr gefunden“, erinnert sich Matthias Rompe. Und so kam es zur Entscheidung, den „Landwirt“ aus dem Portfolio der Genossenschaft herauszunehmen. Das Gebäude wurde veräußert.

Wir haben 3000 Liter Heizöl verbraucht. – Angelika Popek-Szewczy, Eigentümerin

An die Gaststättentradition von früher wollten Angelika Popek-Szewczyk und ihr Mann anknüpfen. Der „Landwirt“ wurde von seinen neuen Eigentümern wenige Wochen vor Weihnachten im Jahr 2024 in „Gasthaus Niederschlesien“ umbenannt, eine Internetseite erstellt. Auf der ist weiterhin zu lesen: „Reservieren Sie einen Tisch oder kommen Sie spontan vorbei und genießen Sie eine köstliche Mahlzeit.“ Daraus wird nichts. Der Interneteintrag ist nicht aktuell.

Angelika Popek-Szewczyk berichtet Sächsische.de, dass nicht alles so lief wie geplant. Die enorme Größe des Gaststättensaals und die hohen Heizkosten spielten dabei die Hauptrolle. „Wir haben 3000 Liter Heizöl verbraucht“, sagt die 36-Jährige, die im Vorjahr zum dritten Mal Mutter geworden ist. Saniert ist das Riesenobjekt nicht. „Alte Fenster, keine Dämmung“, sagt die Eigentümerin. Trotz Heizung sei es im Saal nicht wirklich warm geworden.

Die ehemalige Gaststätte „Zum Landwirt“ befindet sich in der Gemeinde Waldhufen im Ortsteil Baarsdorf.
Die ehemalige Gaststätte „Zum Landwirt“ befindet sich in der Gemeinde Waldhufen im Ortsteil Baarsdorf.
Quelle: André Schulze

Die Kommune Waldhufen hatte dem Ehepaar in dem Gewerbeobjekt im Vorjahr eine Betriebswohnung genehmigt, damit die Eigentümer mit ihren Kindern vor Ort wohnen können. Der Gemeinderat hatte diesem Anliegen der Käufer vor genau einem Jahr so zugestimmt.

Szewczyks lebten und arbeiteten in den Jahren zuvor in Rheinland-Pfalz. Sie wollten mit dem Umzug nach Nieder Seifersdorf wieder näher an ihre polnische Heimat Bunzlau (Bolesławiec) ziehen und den Traum von einer eigenen Gaststätte verwirklichen.

Massagesalon und Vermietung

Der Traum ist geplatzt, wie Frau Popek-Szewczyk bedauert. Es sei außerdem nicht einfach gewesen, Mitarbeiter für die Küche und zum Kellnern zu finden. „Das Gaststättengewerbe haben wir aus diesen Gründen mittlerweile wieder abgemeldet.“ Nach Angaben seiner Frau arbeitet Jerzy Szewczyk nun wieder in Rheinland-Pfalz. Die junge Mutter machte sich zwischenzeitlich mit einem Massagesalon in der unteren Etage selbstständig, bietet unter anderem Honig- und Wellness- sowie Schröpfkopf-Massagen an.

Angelika Popek-Szewczyk will die vielen Räume nicht gänzlich ungenutzt lassen, hofft auf Mieter. „Wir haben hier Möglichkeiten, Zimmer als Lager, Kosmetiksalon und mehr anzubieten.“ Ein Raum sei an eine Band als Proberaum vermietet. „Den großen Saal können Interessenten für Feiern buchen.“ Drei solcher Buchungen habe es im Vorjahr gegeben, zuletzt für eine Hochzeitsgesellschaft aus Görlitz.

Und vielleicht, so überlegt sie, „könnten wir in diesem Jahr eine Disco veranstalten, um uns in Erinnerung zu halten.“ Ganz los lässt sie die Hoffnung auf eine Gaststätten-Neubelebung in fernerer Zukunft nicht. Bis dahin sei viel zu tun. „Aber irgendwann wollen wir aus dem ehemaligen ‚Landwirt‘ doch noch ein Gasthaus machen.“

SZ

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