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Trotz Fünf-Millionen-Euro-Förderung: Sächsischer Freizeitpark drei Monate nach der Eröffnung in Insolvenz

Ein Unternehmer-Ehepaar aus dem Erzgebirge hat mit dem neuen Erlebnispark „Glück auf“ alles auf eine finanzielle Karte gesetzt. Das ging schief.

Lesedauer: 2 Minuten

Der mit fünf Millionen Euro geförderte Erlebnispark „Glück auf“ in Raschau-Markersdorf ist bereits drei Monate nach der Eröffnung insolvent. Quelle: ABG Marketing

Ulrich Wolf

Raschau-Markersbach/Dresden. Der erst vor drei Monaten eröffnete Erlebnispark „Glück Auf“ im erzgebirgischen Raschau-Markersbach ist trotz einer millionenschweren Förderung durch den Freistaat Sachsen zahlungsunfähig. Die Betreibergesellschaft Schneider Erzgebirge GmbH hat deswegen beim Amtsgericht Chemnitz Insolvenz beantragt. Zudem riss das Unternehmen eine weitere Firma mit in den Strudel.

Der Grund: Der für insgesamt mehr als 20 Millionen Euro errichtete Park steht auf einem Grundstück, das der Schneider erzgebirgische Hoch- und Tiefbau GmbH gehört. Die Eröffnung dieses Insolvenzverfahrens stehe unmittelbar bevor, sagte der zuständige Verwalter und Wirtschaftsjurist Frank-Rüdiger Scheffler am Freitag. Den Beschäftigten sei bereits gekündigt worden, die Vermögenswerte des mittelständischen Unternehmens würden versteigert.

Die zuständigen Stellen befinden sich wegen der Millionenförderung im Austausch mit der Insolvenzverwaltung. – Manuel Grießbach, Sprecher des Erlebnisparks „Glück auf“

Die rund fünf Millionen Euro umfassende Förderung für den Erlebnispark stammt aus dem Topf der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ und lief über die Sächsische Aufbaubank. Ob von dem Geld noch etwas zu retten ist, ist derzeit unklar. Der Sprecher des Freizeitparks, Manuel Grießbach, teilte dazu mit, die „zuständigen Stellen“ befänden sich dazu „im Austausch mit der Insolvenzverwaltung“.

Unternehmerehepaar riskierte großen Wurf

Die bereits 1992 gegründete Baufirma gehört dem 41-jährigen Sebastian Schneider, der sie 2016 – damals noch unter dem Namen Bauhof Dürigen GmbH – übernommen hatte. Im Geschäftsbericht 2023 sind Verbindlichkeiten in Höhe von 5,7 Millionen Euro verzeichnet.

Alleinige Gesellschafterin der Eventfirma, die den Erlebnispark betreibt, ist seine Ehefrau Sabine (47). Der zuletzt veröffentlichte Geschäftsbericht stammt aus dem Gründungsjahr 2022 und gibt für die Eventfirma einen Gewinn von etwa 174.000 Euro an. Zudem gehören dem Ehepaar zwei Immobilienfirmen.

Suche nach einem Investor aus der Branche

Sprecher Griesbach betonte, der Betrieb des Erlebnisparks laufe derzeit weiter und sei „während der Winterferien durch weitere Angebote temporär erweitert“ worden. Man prüfe „alle Optionen, um tragfähige Perspektiven für die jeweiligen Gesellschaften zu entwickeln“.

Das bestätigt Verwalter Scheffler. Das Gehalt der 35 Event-Mitarbeiter sei vorerst über das Insolvenzgeld abgesichert. Man suche jetzt nach einem Investor aus der entsprechenden Branche.

Der an der Talsperre Markersbach gelegene Erlebnispark, in zweijähriger Bauzeit errichtet auf dem Gelände eines ehemaligen Ferienhotels, wirbt mit Indoor-Spielplatz, Wohnmobilhafen, Gastronomie und einem eigenen Souvenirshop. Er war erst Anfang Dezember eröffnet worden.

Der Bürgermeister der Gemeinde, Frank Tröger, zeigte sich in einem Gespräch mit dem MDR enttäuscht von der Entwicklung. Man habe große Ziele mit dem Objekt gehabt. Eine Insolvenz bedeute aber nicht das Aus, sondern „dass es auch weitergeht“.

SZ

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