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VW-Werk Zwickau droht offenbar die Schließung – Kretschmer besorgt

Das Volkswagen-Werk in Zwickau könnte nach einem Bericht des Manager-Magazins geschlossen werden. Der Konzern soll planen, vier deutsche Standorte aufzugeben und weltweit bis zu 100.000 Stellen zu streichen. Für Sachsen wäre das ein schwerer wirtschaftlicher Einschnitt.

Lesedauer: 4 Minuten

Das VW-Werk in Zwickau steht laut einem Medienbericht vor dem Aus. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa

Von Maximilian HelmDeutsche Presse-Agentur dpa und Nora Miethke

Dresden/Zwickau. Das Volkswagen-Werk in Zwickau steht einem Medienbericht zufolge vor der Schließung. Das Manager-Magazin berichtet unter Berufung auf Insider, dass VW-Chef Oliver Blume dem Konzernvorstand Pläne vorgelegt hat, die den Wegfall von weltweit bis zu 100.000 Stellen und die Schließung von vier deutschen Werken vorsehen – darunter auch Zwickau. Die Produktion soll demnach mit dem Auslaufen der aktuell dort gefertigten Modelle eingestellt werden.

Eine Schließung würde nicht nur die dort beschäftigten Arbeitnehmer treffen, sondern auch Zulieferbetriebe und die gesamte Region wirtschaftlich belasten.

Kretschmer warnt: VW-Krise wäre fatal für Deutschland

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer zeigte sich in einer ersten Reaktion besorgt über die möglichen Sparpläne bei VW. „Das darf sich so nicht realisieren. Deutschland darf sich nicht herunterfahren“, sagte der CDU-Politiker. Das Land müsse den internationalen Wettbewerb gewinnen wollen. Dafür müssten Kosten gesenkt und die Produktivität gesteigert werden. Volkswagen gehöre zum Markenkern Deutschlands, betonte Kretschmer. „Wenn dieses Unternehmen aufgibt, dann ist das fatal für unser ganzes Land.“

Panter hält Zwickau für wettbewerbsfähig

Obwohl der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter im regelmäßigen Kontakt mit dem VW-Vorstand ist, kannte er diese Pläne für ein weitergehendes Sparprogramm nicht. „Wir waren vorher nicht informiert, so wie alle anderen offensichtlich auch nicht, und sind sehr überrascht über die Nachrichten“, sagte Panter auf Nachfrage. Er bekräftigt, dass die Landesregierung das nicht hinnehmen wird und weiter um das Werk wie die rund 8000 Arbeitsplätze kämpfen wird. „Das tun wir schon seit anderthalb Jahren und das werden wir auch weiter tun“, so der SPD-Politiker. Denn das Werk in Zwickau sei der „produktivste und innovativste Produktionsstandort von VW“ und dürfe nicht irgendwelchen pauschalen Kürzungen zum Opfer fallen.

Es sei klar, dass der VW-Konzern unter hohem Druck steht und deshalb verschiedene Szenarien prüfen muss. Aber der Standort Zwickau-Mosel wie auch das Chemnitzer Motorenwerk seien wettbewerbsfähig in Europa, betonte Panter und verwies auf die Anstrengungen der Beschäftigten und auf die hohe Produktivität, auch im Vergleich zu anderen Werken

Als nächster Schritt sollen möglichst kurzfristig Gespräche mit der Konzernleitung, der Politik und der Gewerkschaft geführt werden.

Autozulieferer: 20 000 Arbeitsplätze gefährdet

„Das Schließen des VW Werkes in Zwickau wäre nach dem Ende des VW-Standortes in Dresden eine klare Entscheidung von VW gegen den Produktionsstandort Sachsen, bisher gelobt als „Drehscheibe der Produktion“, als „Vorreiter der E-Mobilität“, reagiert Dirk Vogel vom sächsischen Autozuliefernetzwerk (AMZ). Die Einschätzung des AMZ aus dem Vorjahr zu den insgesamt 20.000 Arbeitsplätzen, die mit dieser Entscheidung auf dem Spiel stehen, habe weiterhin Bestand, heißt es.

Die Gewerkschaft IG Metall in Sachsen will sich nicht direkt äußern, sondern verweist auf die gemeinsame Stellungnahme von Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, Daniela Cavallo, Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats der Volkswagen AG und Thorsten Gröger, Bezirksleiter der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Dort heißt es: „Angriffe auf das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und unsere Standorte sind unverantwortliche Drohungen. Sollten solche Pläne vorangetrieben werden, würden wir sie mit aller Macht verhindern.“ Weiter wird kritisiert, dass die erneuten Medienberichten die Belegschaft und die Standortregionen zu Recht verunsichern würden.

ACOD-Chef: Aufsichtsrat arbeitet mit verschiedenen Optionen

Jens Katzek, Geschäftsführer des Netzwerks der Automobilindustrie in Ostdeutschland (ACOD) versucht zu beruhigen, dass das an die Öffentlichkeit gelangte Strategiepapier noch nicht heißt, dass die Beschlüsse schon gefallen sind. „Das sich Aufsichtsräte mit verschiedenen Optionen beschäftigen ist ein Standardverfahren“, sagt Katzek. Und dass sich bei VW etwas ändern muss, hätte die Konzernspitze schon vor Wochen in ungewohnter Offenheit kommuniziert. Die Zukunft für VW hängt von innovativen Modellen und attraktiven Preisen ab. Dafür brauche es hochproduktive Werke mit einer guten Mannschaft. „Und genau das gibt es in Zwickau, wo die Belegschaft mehr als einmal bewiesen hat, dass sie Stürmen und Veränderungen trotzen kann“, betont der Autoexperte. Und dazu bedürfe es auch einer flexiblen Zulieferindustrie und guter Forschungsinfrastruktur. Auch das gäbe es vor Ort. „Zwickau zu schließen, würde also bedeuten. die eigenen Ziele gefährden und wäre somit das Unsinnigste, was der VW Aufsichtsrat beschließen kann“, sagt der ACOD-Geschäftsführer.

Linke: Wer öffentliche Gelder bekommt, muss Jobgarantie geben

Aus der Bundespolitik äußerte sich Linkenchefin Ines Schwerdtner. Sie bezeichnete den geplanten Stellenabbau bei VW als „bodenlose Sauerei“. Rund 100.000 Beschäftigte sollten gehen, während sich die Führungsetage Boni in Millionenhöhe auszahlen lasse. „Dabei sind es die Beschäftigten, die Tag für Tag den Erfolg dieses Konzerns erarbeiten – und die nichts für die Fehlentscheidungen des Managements der vergangenen Jahre können”, betonte Schwerdtner. Die Linkenchefin forderte einen Stopp der Umbaupläne: „Wer öffentliche Gelder bekommt, muss Arbeitsplatz- und Standortgarantien geben – und darf keine Managerboni auszahlen.“

Auch aus den Reihen der sächsischen Landtagsfraktionen kam Kritik. „Wer davon spricht, bis 2030 zum attraktivsten Automobilunternehmen der Welt werden zu wollen, muss auch Verantwortung für seine Beschäftigten und seine Standorte übernehmen“, mahnte der Wirtschaftsexperte der Grünen im Parlament, Wolfram Günther. SPD-Fraktionschef Henning Homann betonte mit Blick auf das moderne Zwickauer Werk, diese industrielle Substanz Sachsens dürfe nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.

Zwickau neben Hannover, Emden und Neckarsulm auf der Schließungsliste

Neben Zwickau nannte das Manager-Magazin auch die VW-Werke in Hannover und Emden sowie das Audi-Werk in Neckarsulm. Der geplante Gesamtabbau von bis zu 100.000 der weltweit rund 657.000 Stellen wäre eine Verdopplung des bisherigen Sparziels. Ob das bis 2030 oder erst danach erreicht werden soll, lässt der Bericht offen.

Wie der Abbau rechtlich umgesetzt werden soll, ist ungeklärt – bei VW gilt eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2030. Beim laufenden Abbau von 35.000 Stellen bei der Kernmarke kommt der Konzern allerdings voran: Rund 28.000 Austritte sind bereits vereinbart, bislang ohne betriebsbedingte Kündigungen.

Aufsichtsrat berät am 9. Juli – Widerstand ist absehbar

Dem Bericht zufolge soll auch die Konzernstruktur grundlegend verändert werden: Die Kernmarke VW und die Komponententochter sollen in eigenständige Gesellschaften ausgegliedert werden.

Ein VW-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren, räumte aber ein: „Richtig ist, dass die gesamte Automobilindustrie und die Volkswagen Group eine tiefgreifende Transformation durchlaufen.“ Der Konzernvorstand habe immer wieder betont, „dass unser aktuelles Geschäftsmodell so nicht mehr für alle Marken funktioniert: Autos in Deutschland entwickeln, in Europa produzieren und weltweit exportieren“, heißt es weiter. Der Aufsichtsrat soll am 9. Juli beraten. Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen als Anteilseigner dürften Werkschließungen in Deutschland aber entschieden ablehnen.

SZ

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