Dresden. Papier ist geduldig. Diese Redewendung kommt meistens dann zum Einsatz, wenn es mal wieder lange dauert, bis eine getroffene – oder auf Papier geschriebene – Vereinbarung endlich in die Tat umgesetzt wird. Indirekt sagt sie auch: Papier ist nachhaltig, es bleibt, wenn das gesprochene Wort längst vergessen ist. In Zeiten der Digitalisierung könnte man freilich meinen, nun seien sie aber wirklich gezählt, die Tage des Papiers. Dass das ein Irrtum ist, wurde jetzt in Dresden bei einem Wirtschaftstermin der besonderen Art deutlich. Die Branche hatte zum Tag der sächsischen Papierindustrie eingeladen. Und das aus gutem Grund, denn die Papierherstellung hat hier nicht nur eine lange Tradition, sondern auch eine Zukunft – da waren sich alle Teilnehmer sicher. Denn Papier wird weiterhin gebraucht – zum festlichen Verpacken von Geschenken, als nachhaltige Hülle für alle möglichen Waren im Supermarkt oder auch als hochwertiges Spezialprodukt für die Industrie. Im Freistaat arbeiten rund 6.700 Menschen in der Wertschöpfungskette der Papierherstellung.
„Die sächsische Papierindustrie vereint Tradition mit Zukunft und trägt erfolgreich durch Kreislaufwirtschaft zur Ressourcenschonung bei. Durch den Einsatz innovativer Produktionstechnologien bietet sie darüber hinaus anspruchsvolle und vielseitige Arbeitsplätze“, so Staatssekretär Sebastian Scheel.
Damit das so bleibt, sei die Branche „auf verlässliche und zukunftsorientierte Rahmenbedingungen und wettbewerbsfähige Energiekosten angewiesen“. „Unternehmen brauchen langfristige Planungssicherheit – nur dann ist der Wirtschaftsstandort Deutschland weiter attraktiv. Diese Voraussetzungen sind derzeit leider nicht im erforderlichen Maß gegeben“, räumte Scheel gleichwohl ein.
Trotzdem fallen die Prognosen für die sächsischen Papierhersteller durchaus positiv aus. Dresden hat dabei eine Sonderrolle. Denn hier, konkret an der TU, wird sogar rund um das Thema geforscht. Von den Innovationsprojekten zu energieeffizienten Herstellungsprozessen, Recyclingmethoden oder neuen Faserstoffen profitiert die Branche sachsenweit und auch darüber hinaus. Angehende Papiertechnologen lernen an der TU, wie das Papier der Zukunft gestaltet werden kann. Der Freistaat ist einer von bundesweit nur noch drei Standorten, an denen diese sogenannte papiertechnologische Lehre an einer Universität möglich ist. Der Bundesverband „Die Papierindustrie“ will das Potenzial in der sächsischen Landeshauptstadt nutzen, um die universitäre Bildung zum Thema weiter auszubauen. Der Verband richtet an der TU Dresden eine Stiftungsprofessur ein.
Ziel sei es, Materialkreisläufe und Recycling im Verpackungssektor weiterzuentwickeln, heißt es. Die besonders enge Verzahnung von Industrie und Wissenschaft soll Sachsen zu einem „Innovationstreiber im nationalen und internationalen Vergleich“ machen.
Teil der Lösung, nicht des Problems
Nach Angaben des Verbandes Nord- und Ostdeutscher Papierfabriken e. V. (VNOP) verzeichneten die sächsischen Papierfabriken zu Jahresbeginn entgegen dem bundesweiten Trend eine Aufwärtsentwicklung bei der Papierproduktion. Der Trend setzte sich allerdings nicht fort. Dennoch erwartet der Verband für 2025 einen Umsatz von einer Milliarde Euro. „Die sächsische Papierindustrie ist ein hochspezialisierter und innovativer Industriezweig mit einem breiten Spektrum an technischen und Spezial-Papieren. Mit rund 2.800 Beschäftigten ist unsere Branche ein bedeutender regionaler Arbeitgeber im Freistaat Sachsen“, so Heiko Zien, der Geschäftsführer der Heidenauer Geschäftsstelle des VNOP.
Durch einen Altpapiereinsatz von etwa 85 Prozent leiste die Branche „einen großen Beitrag zu nachhaltiger Wertschöpfung und einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft“ und stehe für verantwortungsbewusste Produktion und für Ressourceneffizienz. Zien: „Sie ist Teil der Lösung, nicht des Problems.“

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